Unseren neuen Kommentar für den 05.12.16 finden Sie hier.


Blick in die Glaskugel

Es läuft nicht in den USA. Der Präsident hat kein Glück. Die Konjunktur lahmt. Das Zinsniveau wird noch lange nahe Null bleiben. Wenn nun noch Pech hinzukommt, führt das zu Inflation. Die Lage sieht so miserabel aus, dass man sich seitens der Notenbank hinreißen ließ, das Defizitproblem einiger europäischer Staaten als mitverantwortlich für die eigene Schwäche zu erklären. Die Umstände machen es der Finanzszene schwer, Aktien- und Ölnotierungen steigen zu lassen. Selbst der Dollar, der in solchen Fällen eine Art Auffanggarantie ist, dümpelt vor sich hin.

Eigentlich reicht diese Darstellung als Spaßbremse für Spekulanten vollkommen aus. Aber aus der Ölwelt kommen weitere Wermutstropfen hinzu. Das Bohrloch von Deepwater Horziont im Golf von Mexiko spuckt ohne Unterlass Öl aus. Es ist ein Monument des Versagens von Mensch und Technik. Die herbeigesehnte Steigerung der US-Benzinnachfrage findet nicht statt. Das ist ein Schlag gegen das Selbstverständnis des Mutterlands der Autofahrt. Dafür steigen die Ölbestände wieder auf Höchstniveau. Sie dokumentieren die krasse Überversorgung des US-Ölmarkts. DOE (Department of Energy) und API (American Petroleum Institute), die beiden berichtenden Institutionen, gaben folgende Zahlen über die wöchentliche Veränderung in den US-Öllagern zu Protokoll:

Rohöl: +2,0 Mio. Barrel (DOE) bzw. +3,7 Mio. Barrel (API)
Heizöl und Diesel: +0,3 Mio. Barrel (DOE) bzw. +1,1 Mio. Barrel (API)
Benzin: -0,8 Mio. Barrel (DOE) bzw. +0,8 Mio. Barrel (API)

In Summe ergibt sich ein Aufbau von 1,5 (DOE) bzw. 5,6 (API) Mio. Barrel. Die US-Importe sind etwas höher als in der Vorwoche und im Vorjahr. Die US-Raffinerieauslastung stieg unwesentlich auf 89 Prozent. Diese Zahlen blieben ohne nennenswerte Wirkung, da die Notierungen angesichts der allgemeinen Umstände ohnehin durchfielen.

Die USA ziehen immer noch die größte Aufmerksamkeit der Finanzszene auf sich. Deshalb tut sich die Spekulantenzunft schwer, Kurssteigerungen durchzusetzen. Einen dramatischen Kursverfall muss sie derzeit allerdings auch nicht fürchten. Fernöstliche Wachstumsregionen bieten ausreichend Anlass für alternative Sichtweisen. Im Ölmarkt ist China ein Garant für Nachfrage. Das Land wird in den kommenden Jahren noch viel mehr Öl benötigen. Es bietet eine wesentliche Grundlage für die prognostizierte Nachfragesteigerung der IEA (Internationale Energie Agentur).

Die Agentur hob ihre Schätzung für den Zeitraum bis 2015 leicht an. Von heute 86,4 Mio. Barrel pro Tag soll der Bedarf auf 91,9 Mio. Barrel pro Tag steigen. Immerhin ist die Zielgröße aus heutiger Sicht leicht zu befriedigen. Das sah in Prognosen, die vor der Finanzkrise erschienen, anders aus. Damals überwog die Sorge über eine auskömmliche Versorgung. Das Angebot im Jahr 2015 schätzt die IEA auf 96,5 Mio. Barrel pro Tag ein. Im letzten Jahr betrug es 91 Mio. Barrel pro Tag. Sowohl OPEC- als auch Nicht-OPEC-Länder werden ihren Ölausstoß steigern. Hemmend für eine Ausweitung des Angebots könnten nach Ansicht der IEA geopolitische Störungen und Umweltprobleme sein. Schwächen könnten sich aber nicht nur beim Angebot sondern auch bei der Nachfrage zeigen. Die wirtschaftliche Entwicklung ist alles andere als eine stabile Größe und selbst wenn diese wie gewünscht läuft, könnten Effizienzmaßnahmen spürbare Effekte zeigen. In einem Alternativszenario errechneten die Prognostiker der IEA einen Verbrauch von etwas weniger als 90 Mio. Barrel pro Tag für das Jahr 2015.

Die ausgewiesenen Zahlen sind Schätzung. Sie basieren auf Modellrechnungen. Wissenschaftlich abgesichert ist die Mathematik des Rechengangs. Die Modelle sind es nicht. Sie sind Abbildungen menschlicher Erwartungen. Die Modellrechnungen haben auf den Laien eine wahrheitsgemäße Ausstrahlung. Sie sind zur Einschätzung der Zukunft aus heutiger Sicht aber nicht viel mehr wert, als klerikale Weltbeschreibungen des Mittelalters zu ihrer Zeit. Sie taugen nur solange, wie ihre zugrundeliegenden Rahmenbedingungen stabil und allgemein akzeptiert sind. Deshalb hat selbst der interessierte und um Verständnis ringende Laie das Recht, diese Einschätzungen in Frage zu stellen. Im Kern sind modere Prognosen technisch aufwendige Blicke in die Glaskugel.

Heute Morgen handeln die Marktteilnehmer gegen die gestrigen Verluste. Die Wahrscheinlichkeit legt dennoch weitere Verluste nahe. Diese werden aber mit ziemlicher Sicherheit nicht ins Bodenlose gehen. Die Tonne Gasöl kostet 659,50 Dollar. Das Barrel Rohöl kostet in New York 76,24 Dollar. Der US-Dollar wird zu 81,18 Eurocent gehandelt.

Unsere Heizölpreise gaben spürbar nach. Die Hoffnung auf weiteren Preisnachlass ist berechtigt. Eine uns plausibel erscheinende Sichtweise der nahen Zukunft geht davon aus, dass sich die Märkte temporär in einem fragilen Gleichgewicht befinden, um das sie schwingen. Nach dem Anstieg der Notierungen in den letzten vier Wochen stünde in diesem Bild nun wieder ein Abwärtsschwung auf dem Programm. Fühlen Sie sich bitte eingeladen, uns hier Ihre Sichtweise des Marktes zu posten. Im Übrigen sind wir der Meinung, dass es mehr denn je angebracht ist, sich mit der Reduzierung des eigenen Verbrauchs zu beschäftigen. Dazu empfehlen wir www.esytrol.com.

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