Unseren neuen Kommentar für den 06.12.16 finden Sie hier.


Chance auf Preiskorrektur verpufft

Damit hatte niemand gerechnet. Die Rohölbestände in den US-Tanklagern nahmen gegenüber der Vorwoche zu. Vor Veröffentlichung der Daten ging man fest von einem Rückgang infolge der Schäden, die der Hurrikan Ivan hinterließ, aus. Den standhaften Aufwärtstrend in den Preisen konnte diese Überraschung aber nur kurz in Frage stellen.

DOE (Department of Energy) und API (American Petroleum Institute) präsentierten dieses Mal annähernd einheitliche Zahlen über die Lagersituation:

Rohöl: +3,4 Mio. Barrel (DOE) bzw. +3,7 Mio. Barrel (API)
Heizöl und Diesel: -1,3 Mio. Barrel (DOE) bzw. 0,0 Mio. Barrel (API)
Benzin: -0,9 Mio. Barrel (DOE) bzw. ?0,8 Mio. Barrel (API)

Die Rohölimporte entwickelten sich wieder positiv. Die Auslastung der Raffinerien ist allerdings sehr schlecht. Man erkennt die Probleme beim Wiederanlauf nach den sturmbedingten Abschaltungen deutlich. So ist es nicht erstaunlich, dass der Rohölbestand in den öffentlichen Lagern zunahm. Die Ware konnte nicht im üblichen Maß verarbeitet werden.

Neben den Bestandsdaten ging gestern eine weitere positive Nachrichten ein. Nigerianische Rebellenführer ließen verlauten, dass sie auf Verhandlungen mit der Regierung setzen und einen Angriff auf Ölanlagen nicht ins Auge fassen.

Da sich der Markt gegenüber solchen Nachrichten derzeit als resistent erweist, muss mit weiteren Preissteigungen gerechnet werden. Aus charttechnischer Sicht ist sie so gut wie sicher.

Politik und Medien haben die Schuldigen an dieser Entwicklung inzwischen identifiziert. Es seien die Spekulanten. Die hohen Preise seien das Produkt einer Spekulationsblase. Man werde von Seiten der Politik dagegen vorgehen.

Sowohl die schnelle Analyse als auch die vollmundige Ankündigung im Stile der Bild-Zeitung zeigen, wie mangelhaft der Umgang des Führungspersonals mit dem Thema Energie und hier mit dem Thema Öl ist. Aktuell macht sich zwar in der Tat eine Überhitzung in den Preisen bemerkbar. Ihr Ausmaß wird nach unserer Ansicht aber weit überschätzt. Es beträgt allenfalls 10% und nicht 40% wie häufig suggeriert wird. Spekulationsblasen sind kurzzeitige Erscheinungen die erfreulicherweise immer von einem Spekulationsvakuum gefolgt werden. Das wird üblicherweise dankend angenommen. Noch vor zwei Wochen war die Zahl der in Spekulantenhänden befindlichen Kontrakte auf steigende Kurse übrigens auf den niedrigsten Stand des Jahres gefallen.

Regierungen wären gut beraten, wenn sie auf die Erkenntnisse von Spekulanten hörten. Die haben nämlich erkannt, dass die Welt ein Versorgungsproblem hat und dass sich daraus Preissteigerungen ergeben werden. Dass sie diese Preissteigerungen antizipieren, liegt in ihrer Natur. Das Prinzip von Angebot und Nachfrage können und wollen sie aber mit Sicherheit nicht aus den Angeln heben. Derzeit kann die Angebotsseite nicht mit der Nachfrageseite Schritt halten.

Dass das so ist, ist nicht zuletzt Sache der Politik. Durch falsche Rahmenbedingungen trägt sie zur Verhinderung von notwendigen Kapazitätsanpassungen bei. Aber nicht nur die Politik steht am Pranger. Fehlverhalten kann man auch bei Unternehmen und Verbrauchern feststellen. So führt beispielsweise das blinde Verlagern von Arbeitsplätzen aus energieeffizienten Industriestaaten in vollkommen energieuneffiziente Gegenden Asiens zu einem unnötigen Mehrbedarf von Heizöl und Diesel. China verbrauchte im August 80% mehr dieser Produkte als ein Jahr zuvor. Hauptursache ist die lokale Stromerzeugung mit Dieselaggregaten, weil das öffentliche Netz versagt. Deutsche Heizölverbraucher könnten ihren Bedarf durch eine Modernisierung ihrer Heizung um 10-30% senken. Aber trotz inständiger Appelle, die in diesem Fall sogar aus der Politik kommen, ist eine breite Verweigerungshaltung zu beobachten. Die Autoindustrie unternimmt zwar zaghafte Ansätze, den Flottenverbrauch zu senken. Doch solange Leistung dem Autobauer mehr gefällt als Energieeffizienz und diese Einstellung vom Publikum auch noch goutiert wird, bleibt der Welt das Verbrauchsproblem erhalten. US-Amerikaner sind in dieser Beziehung traurige Weltspitze. Sie lassen die Schere zwischen eigener Energieerzeugung und Mineralölverbrauch immer weiter aufgehen. Trotz kontinuierlich und seit zwei Jahren sogar schneller steigenden Verbrauchs haben sie seit fast 30 Jahren keine neue Raffinerie mehr gebaut. Das liegt u.a. an absurden politischen Rahmenbedingungen. Um die ist es auch hierzulande nicht viel besser bestellt. Zwar haben die Grünen das Thema Energie in die Regierungskoalition getragen und zu Recht ein Mehr an umweltschonenden Energieträgern gefordert. Doch die konkrete Umsetzung zeigt den gleichen Lobbyismus, den sie früher den konservativen Parteien vorwarfen. Dieses Mal sind Hersteller und Betreiber von wind-, sonnen- und bioenergetischen Anlagen die Nutznießer der Verteilungspolitik. Ein Konzept für eine ausgewogene Energiepolitik, die den Anforderungen der Zukunft gerecht wird, ist nicht zu erkennen.

Weil in er Vergangenheit die Probleme der Gegenwart nicht gesehen werden wollten und weil in der Gegenwart ungenügend klar in die Zukunft gedacht wird, kann der Markt in den jeweils aktuellen Momenten ungebremst wirken. Das macht er einzig über den Preis. Hart kann das nur sein, wenn es überraschend kommt.

Heute Morgen hält der Gasölpreis auf hohem Niveau inne. Auch einen Tag nach den guten Lagerdaten ist kein Absacken in Sicht. Die Tonne kostet aktuell 435,25$.

Unsere Heizölpreise bleiben hoch. Die Wahrscheinlichkeit, dass sie in den kommenden Tagen weiter steigen, ist sehr groß. Verbraucher nehmen die Preise an. Es bleibt ihnen angesichts leerer Tanks nun keine andere Wahl mehr. In manchen Regionen ist die Versorgungslage angespannt. Es muss mit längeren Lieferzeiten gerechnet werden. Wer die Wahl hat, sollte sich derzeit aus dem Geschäft heraushalten. Anfang des neuen Jahres wird es bestimmt ruhiger werden. Eventuell sind die Preise dann sogar etwas freundlicher.

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