Unseren neuen Kommentar für den 09.12.16 finden Sie hier.


Da geht noch viel ohne Bild und Mundt

Haben Sie schon einmal etwas von der ABC-Analyse gehört? Es handelt sich dabei um ein betriebswirtschaftliches Instrument zur Steigerung von Unternehmensgewinnen. Dabei wird zwischen mehr und weniger starken Einflussgrößen der Betriebsgestaltung unterschieden. In einfachen Worten besagt es, viel bringt viel und mit dem Kleinkram halten wir uns nicht auf.

Kennen Sie Andreas Mundt, den Gralshüter der deutschen Marktwirtschaft? Als Chef des Bundeskartellamts kämpft er im Namen tieferer Ölpreise für einen freien Regionalmarkt, obwohl die globale Ölgewinnung längst zu über 80 Prozent verstaatlicht ist. Sein Kredo: Was interessiert mich die Welt, wenn hier nicht alles perfekt ist.

Sind sie mit der Bildzeitung vertraut? Das ist das Exekutivorgan von Kai Diekmann. Mit dem Instrument bestimmt er, wer unter ihm regiert und gegen wen und was Bürger zu opponieren haben. Sein Motto: Mein Kampf für den kleinen Mann.

Das war die Vorstellung der Entitäten. Es folgt der Prozess. Der beginnt mit dem weltweiten Anstieg der Ölpreise. Da die die Kosten für hierzulande verkauftes Benzin und Heizöl bestimmen, haben sie ihre Teuerung zur Folge. Dass das so ist, legten die Vorgänger von Herrn Mundt fest. Sie untersagten die Subventionierung von Benzin mit Gewinnen aus der Ölförderung, um die Unternehmen zu schützen, die über keine Förderung verfügen. Diese Unternehmen werden zur Aufrechterhaltung des freien Binnenmarkts benötigt. Der globale Ölpreisanstieg schreit die Bundesbürger nun mehrmals täglich von den Minaretten der Konsumgesellschaft, den Benzinpreismasten, an. Was da zum Ausdruck kommt, passt ihnen nicht. Gefühlt ist es ein diebischer Griff in ihr Portemonnaie.

Nun kommt die Bildzeitung ins Spiel. Als Rächer der kleinen Leute spürt sie nach dem Dieb. Klein ist hier jeder, der sich von ihren Schlagzeilen vertreten fühlt. Klein hat in diesem Fall keinen Bezug zum Einkommen. Das ist bei den Vertretenen ein weites Feld. Es reicht von Zahlen, die das individuelle Autofahren kaum erlauben, über den Mittelklasse- und SUV-Verdienst bis zu Gehältern und Kapitaleinkommen, die jede Äußerung über den Benzinpreis als politisches Statement, nicht aber als ein ernsthaftes persönliches Kostenereignis zum Ausdruck bringen. An dieser Stelle sei angemerkt, dass die spritdurstigen SUV (Geländewagen) im letzten Jahr den Aufstieg in die deutsche Mittelklasse geschafft haben. Kein anderes Autosegment wuchs so stark wie dieses. Schnell hat Bild den Dieb gestellt. Es ist die Mineralölwelt hier in Form der bekannten Unternehmen mit den bunten Tankstellen, in Fachkreisen auch Farbengesellschaften genannt. Nach Bild macht sich nicht eine einzige Gesellschaft der diebischen Bereicherung schuldig, sondern alle gemeinsam als Kartell.

Damit ist das Wort von höchster Stelle ausgesprochen, das Herrn Mundt zum Auftritt zwingt. Er kann nicht nichts sagen, weil er sonst selbst auf die Anklagebank der Bildzeitung geriete. Also lässt er untersuchen, wie das alle seine Vorgänger auch taten. Er entdeckt einen total transparenten Markt, in dem jeder jeden Preis kennt, der Verkäufer wie der Käufer, in dem es ein Meldesystem gibt, über dessen Qualität und Robustheit jeder Militär vor Neid erblasst. Alles liegt in riesigen Lettern offen zu Tage und wird auf verschlossenen Bahnen an die verschiedenen Schaltzentralen gemeldet. Dort bemüht man sich permanent um Positionsgewinne gegenüber dem Wettbewerb. Es ist ein Spiel um die Optimierung von Umsatz und Gewinn. Mal muss mehr Geld am einzelnen Liter verdient werden. Mal müssen mehr Liter verkauft werden. Dazu wird bisweilen in Gänze auf den Gewinn verzichtet, solange dieser im Mittel gewährleistet ist. Es handelt sich um einen reifen Markt im Zeitalter der allumfassenden Kommunikation. Mundt entdeckt, was alle vor ihm entdeckten. Es liegt kein Verstoß gegen das Kartellrecht vor, aber der Markt ist nicht perfekt. Er bietet Optimierungspotenzial zu Gunsten des Kunden. Das besteht mehr in einer Preisglättung als in einer Preissenkung. Das Senkungspotenzial lässt sich aus der Streuung der Margen im letzten Jahr einschätzen. Der niedrigsten Marge im April steht eine höchste Marge im Oktober gegenüber. Ihr Unterschied beträgt 3,5 Cent pro Liter. Bei einem jahresdurchschnittlichen Benzinpreis von 155,5 Cent pro Liter macht das ein „Einsparpotenzial“ von maximal zwei Prozent aus. Der Rohölpreis schwankte im letzten Jahr um 33 Prozent. Er schlägt auf Grund von Steuern ungefähr zur Hälfte auf den Benzinpreis durch.

An dieser Stelle kommt die ABC-Analyse ins Spiel. Viel wird hier von außen hereingetragen. Das Potenzial des Binnenmarkts ist Kleinkram. Man kann sich daran aus Prinzip abarbeiten. Man kann es zur emotionalen Lenkung von Meinungsströmen nutzen. Man kann ihm aber keine nennenswerte Bedeutung für die Lebensgestaltung des kleinen Mannes zusprechen. Der hat andere Hebel, um eine mögliche finanzielle Notlage auf Grund hoher Spritpreise zu managen. Es wäre durchaus das Fahrzeug selbst. Ein SUV ist sicher nicht das geeignete Mittel der Wahl. Aber das Fahrzeug möge der Einfachheit halber als gekauft und damit als unveränderlich gelten. Bleibt als wichtigere Größe die Besetzung desselben. Im Bundesdurchschnitt beträgt sie 1,1 Personen pro Fahrzeug. In anderen Worten, zum Transport von knapp 90 kg Lebendgewicht werden im Schnitt 1,5 Tonnen Material benzingetrieben bewegt. Der Effizienzfaktor beträgt sechs Prozent. Das ist niederschmetternd. Wenn man die technische Fahrzeugeffizienz hinzunähme, sähe es noch viel schlechter aus. Durch eine einfache Verhaltensänderung, beispielsweise die wunderbare soziale Einrichtung der Fahrgemeinschaft, lässt sich die Effizienz gewaltig steigern und die Fahrtkosten pro Kopf entsprechend senken. In diesem Fall geht es nicht um den Kleinkram von zwei Prozent, sondern um den vielversprechenden Effekt von 50 Prozent. Er schlägt in seinem Ausmaß sogar die als maßlos empfundene Ölpreissteigerung am Weltmarkt.

Wie man sieht, geht da ziemlich viel jenseits der Bildzeitung und des Kartellamts, wenn es wirklich nötig ist. Der Blick auf die börsennotierte Ölpreisentwicklung bietet heute Morgen zwei Interpretationsmöglichkeiten. Die eine zeigt einen hohen Preis, der ein Handeln im oben genannten Sinn nötig macht. Die andere zeigt eine seitwärts gerichtete Kurzzeitbewegung, die, wenn bisher kein Handeln im oben genannten Sinn angezeigt war, dieses zumindest im Hier und Jetzt auch nicht notwendig erscheinen lässt. Die Tonne Gasöl kostet 1.019,75 Dollar. Das Barrel Rohöl wird in New York zu 106,81 Dollar und in London zu 123,98 Dollar gehandelt. Der US-Dollar kostet 75,79 Eurocent.

Unsere Heizölpreise schlagen sich in diesen Tagen wacker. Angesichts der permanenten Sorge, dass sie durch die Iranaffäre und die Geldflutungen der Finanzsysteme auf und davon laufen werden, muss die Tatsache, dass sie sich mal wieder seitwärts bewegen, entspannend stimmen. Motto: Die Preise sind hoch, aber sie könnten bald viel höher sein. Mit einem nennenswerten Einbruch der Heizölpreise rechnen wir nicht. Als nennenswert bezeichnen wir jede Änderung, die zur Preisspitze vom Februar in die Nähe einer zweistelligen Prozentzahl kommt. Im Übrigen sind wir der Meinung, dass es mehr denn je angebracht ist, sich mit der Reduzierung des eigenen Verbrauchs zu beschäftigen. Dazu empfehlen wir in einem ersten Schritt unseren elektronischen Peilstab. Mit ihm lässt sich der Verbrauch messen. Auf esytrol entsteht aus den Messungen ein Bild zur Energieintensität des eigenen Hauses. Wenn das bekannt ist, können Handlungen folgen.

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