Unseren neuen Kommentar für den 07.12.16 finden Sie hier.


Darauf haben Sie gewartet

Die Ölpreise fallen. In einem börsengeprägten Markt ist dieser Satz keine Besonderheit. Es kann viele Tage geben, an denen er zutrifft. Dennoch können die Preise im Mittel steigen. So geschah es während der letzten dreieinhalb Jahre. Doch plötzlich hat der Satz eine andere Qualität. Nicht der Zustand ist in diesem Moment das Bemerkenswerte, sondern der Prozess. Im Zustand sind die Ölpreise nicht sehr reizvoll. Sie sind mit knapp hundert Dollar pro Barrel für die Sorte Brent recht hoch. Ihr Prozess weist hingegen das erste Mal seit dem vermeintlichen Ende der Finanzkrise einen Preisrückgang auf, der über den Jahreshorizont hinausreicht. Brent befindet sich auf einem 15-Monatstief. Ursächlich ist eine Mischung aus ungelöster Finanzkrise und marktkonträrer Produktionssteigerung beim Öl.

Gestern war die Ölbörse ein Tollhaus. Nach einem frühen Verlust von rund drei Prozent gewannen die Notierungen ab Mittag dreieinhalb Prozent an Wert. Charttechnisch ist ein solcher Tagesverlauf üblicherweise ein Umkehrsignal für die Preisentwicklung. Das kann auch in diesem Fall so sein. Sehr wahrscheinlich ist das allerdings nicht, da die Umstände, die den Verfall der Notierungen bedingen, andauern. Wahrscheinlich ist eher, dass gestern eine klassische Gegenreaktion auf einen heftigen Preisverfall einsetzte, der im Kern Substanz hat. Eine solche Reaktion kann durch politische Einflussnahme unterstützt werden. Es sind derzeit aber keine Maßnahmen in der Pipeline, die eine grundsätzlich neue Lage versprechen. In gewisser Weise hat die Politik ihr Pulver verschossen. Es müssen ganz neue Waffen her, um den Krieg gegen die Finanz- und Wirtschaftskrise zu gewinnen.

Weiter fallende Ölpreise sind eine realistische Aussicht für die nächsten Wochen. Ist die Welt der gebeutelten Ölverbraucher damit wieder in Ordnung? Wohl kaum. Trotz des gegenwärtig üppigen Angebots ist die beliebige Verfügbarkeit von Öl nicht vorhanden. Überproduktionen gab es in der jüngeren Geschichte immer wieder, so beispielsweise zwischen 1990 und 1998. Die Preise halbierten sich damals. Als schließlich die nicht mehr profitable Produktion sank und die Nachfrage gleichzeitig stieg, drehten die Preise rasant aufwärts. Sie behielten die Richtung im Prinzip bis heute bei, wenn man die krisenbedingte Delle von 2008 als Sonderfall einmal außer Acht lässt.

Verbraucher sind gut beraten, sich auf langfristig hohe Energiepreise einzustellen. Sie sollten deshalb an der Energiewende aktiv teilnehmen. Ein Preisverfall ist allenfalls ein Entspannungssignal für die persönliche Budgetierung nicht aber für die Notwendigkeit zur energetischen Erneuerung. Die läuft bereits. Und sie wird von einem Teil der Bevölkerung getragen. Am Ende werden alle mitmachen müssen, wenn sie nicht Schaden nehmen wollen. Sicher ist zum Gelingen mehr Unterstützung der öffentlichen Hand erforderlich, als heute gegeben wird. Das Problem dieser öffentlichen Hand ist die Priorisierung bei der Verteilung des nicht vorhandenen Geldes oder besser gesagt beim Schuldenmachen. Gegen Schulden ist grundsätzlich nichts einzuwenden, schließlich sind sie die Basis allen Wirtschaftens, wenn diese Schulden gerecht verteilt sind. Das ist derzeit nicht der Fall.

Der Verlauf der Energiewende ist weitgehend offen. Das Ergebnis lässt sich dennoch schon heute prognostizieren. ExxonMobil tat dies jüngst bis zum Jahr 2040. Dabei kam für unser Land Folgendes heraus:

Bereits in zwanzig Jahren wird Öl nicht mehr der wichtigste Energieträger sein. Erdgas tritt an seine Stelle. 2040 werden kapp hinter Öl die Erneuerbaren rangieren. Sie werden bis dahin um 80 Prozent zulegen. Aber nicht nur die Angebotsseite wird sich dramatisch wandeln. Die Nachfrage wird gleichzeitig um 25 Prozent zurückgehen. Der Heizölabsatz wird sich sogar halbieren. Wer nun glaubt, dass das aufstrebende Erdgas an seine Stelle tritt, irrt. Im Wärmebereich dominiert die Einsparung. Das führt dazu, dass auch Erdgas hier verliert. Es lohnt sich einfach nicht mehr, ein gering verbrauchendes Haus mit einem teuren Erdgasanschluss auszurüsten. Erdgas wird hauptsächlich zur Stromproduktion eingesetzt werden, um die volatile Erzeugung aus Wind und Sonnen zu glätten. Dieser Strom wird dann unter anderem die bis dahin weit verbreiteten Passivhäuser heizen. Dort ist er wegen der Verkabelung leichter einsetzbar als im Verkehr. Mobilität wird nicht mehr wie heute zu annähernd 100 Prozent mit Benzin und Diesel betrieben werden, sondern nur noch zu rund 72 Prozent. Der Rest wird eher vom Erdgas als vom Strom gespeist werden. Das steht nicht in der ExxonMobil-Studie. Das prognostizieren wir bei esyoil.

Ob die im Hier und Jetzt interessierenden Ölpreise durch die ExxonMobil-Prognose beeinflusst werden, wissen wir nicht. Immerhin lassen die Aussagen auf einen weniger stark steigenden Ölpreis hoffen, als in Peak Oil Szenarien angenommen wird. Wenn Öl nicht mehr dominant ist, wird es auch nicht mehr Hauptanlageobjekt sein. Damit entfällt ein Teil des üblichen Preisauftriebs. Den gibt es im Augenblick aus den oben genannten Gründen ohnehin nicht. Heute Morgen deutet sich bereits wieder ein Abgang der Preise an. Die Tonne Gasöl kostet 859,75 Dollar. Das Barrel Rohöl wird in New York zu 84,26 Dollar und in London zu 98,63 Dollar gehandelt. Der US-Dollar kostet 80,35 Eurocent.

Unsere Heizölpreise haben einen unerwartet guten Abwärtslauf. Die gestrige Störung durch steigende Ölnotierungen konnte durch einen nachgebenden Dollar ausgeglichen werden. Der Abwärtstrend verspricht weitere Preistiefs. Die Lage sieht so stabil aus, dass man sich vor übertriebenen Preishoffnungen schützen muss. Nach wie vor gilt, dass sich die Verhältnisse durch richtig platzierte politische Einflussnahme komplett drehen können. Diese Einflussnahme richtet sich weit mehr nach den Bedürfnissen der Finanzszene als nach denen der breiten Gesellschaft. Im Übrigen sind wir der Meinung, dass es mehr denn je angebracht ist, sich mit der Reduzierung des eigenen Verbrauchs zu beschäftigen. Dazu empfehlen wir in einem ersten Schritt unseren elektronischen Peilstab. Mit ihm lässt sich der Heizölverbrauch messen. Auf esytrol entsteht aus den Messungen ein Bild zur Energieintensität des eigenen Hauses. Wenn das bekannt ist, können Handlungen folgen.

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