Unseren neuen Kommentar für den 04.12.16 finden Sie hier.


Der Wahnsinn läuft auf Hochtouren

Ein verrückter Diktator, ein wütendes Volk und jede Menge Chaos, das ist die Lage in Libyen. Ein Haufen verrückter Finanzjongleure, zornige Verbraucher und jede Menge marodierendes Geld, das ist die Lage im internationalen Finanzzirkus. Das erste Szenario bietet den Stoff, der das zweite Szenario aufblühen lässt. Der Dreh- und Angelpunkt beider Szenarien ist das Öl. Libyen hat es. Im Finanzzirkus wird es bepreist. Bisher rückte Libyen das Öl zu einem für alle Seiten akzeptablen Preis heraus. Nun behält es das Öl, weil die Menschen, die es herausrücken können, etwas anderes zu tun haben. Das veranlasst die Finanzszene, den Wert des Öls weltweit neu zu bepreisen. Dabei verliert sie jedwede Bodenhaftung. Dieser Umstand ist nicht neu. Gleichwohl steht der Zuschauer dem Schauspiel immer wieder fassungslos gegenüber, weil es so absurd ist.

Man möchte den Protagonisten zurufen, betroffen sind höchstens zwei Prozent des globalen Ölstroms und das Öl ist doch nicht weg, es kommt nur später, sobald die Lage in Libyen beruhigt ist. Aber diese Sätze der Ruhe verhallen ungehört im Lärm der Börsen. Der Strom überflüssigen Geldes hat in diesen Tagen seine Richtung gefunden. Er fließt trotz guter Daten aus der Wirtschaft weg aus den Aktienmärkten hin zu den Öltiteln. Kein rationales Argument der Ölwelt wird diese Richtung ändern. Das vermag nur der Satz, der Diktator ist weg.

Dass die Finanzszene in diesen Tagen so massiv über das Öl herfällt, ist bei genauer Betrachtung des Spekulationstreibens nicht einmal überraschend. Es ist ein eruptiver Nachholeffekt. Verglichen mit anderen Waren kam der Ölpreis in den letzten zwölf Monaten noch relativ glimpflich davon. Wäre er im Gleichtakt mit dem allgemeinen Warenterminmarkt gezogen, läge der Rohölpreis Brent bereits zum Zeitpunkt des Ausbruchs der Libyenkrise bei 120 Dollar pro Barrel.

Das ändert nichts an der Tatsache, dass weder der genannte theoretische Preis noch der reale Preis im Einklang mit den fundamentalen Marktgegebenheiten stehen. Die sind entspannt. Sie kennen keine Knappheit. Die Tanklager in den USA laufen förmlich über. Dort fehlt eine angemessene Nachfrage. Die OPEC verfügt über freie Kapazitäten, die weit über denen des Jahres 2008 liegen. Damals durchlief der Ölpreis eine vergleichbare Rallye wie heute. Dass diese wieder so enden wird wie in 2008, was von vielen Verbrauchern erwartet wird, wagen wir zu bezweifeln. Die Finanzszene dürfte sich mittlerweile ein paar neue Techniken angeeignet haben, die derartige Verluste verhindern. Vermutlich wird es mit dem Ruf, der Diktator ist weg, zu einer begrenzten Flucht aus dem Öl zurück in die Aktienmärkte kommen. Dabei wird ein Teil der nun aufgelaufenen Preissteigerung annulliert. Den allgemeinen bullischen Trend wird eine solche Bewegung vermutlich nicht kippen.

Heute Morgen geht der Wahnsinn mit vollem Elan weiter. Die europäischen Öltitel üben sich zur Stunde in einer kerzengeraden Aufwärtsbewegung. Die US-Öltitel hängen hinterher. Dadurch ist der Spread zwischen den Rohölsorten Brent und WTI wieder auf über 15 Dollar pro Barrel geklettert. Die Tonne Gasöl kostet mittlerweile 959 Dollar. Das Barrel Rohöl wird in New York zu 99,76 Dollar und in London zu 115,42 Dollar gehandelt. Der US-Dollar kostet 72,83 Eurocent.

Die üblicherweise am Donnerstag hier veröffentlichten Daten über die US-Bestände können wir erst morgen liefern. Sie kommen wegen des US-Feiertags am Montag verspätet heraus.

Unsere Heizölpreise schossen gestern wieder rasant in die Höhe, nachdem sie am Dienstag kurzzeitig an Fahrt verloren. Der Höhenflug setzt sich in diesem Augenblick mit voller Kraft fort. Die Bewegung scheint haltlos zu sein. Mittlerweile wiederholen wir den zuletzt ausgesprochen Rat ungern, lieber früher als später Heizöl zu ordern, weil sich der Markt nun im Ausnahmezustand befindet. Das sind Momente, die man eigentlich aussitzen sollte. Es kann allerdings sein, dass die Aufwärtsbewegung noch ein paar Tage lang so viel Auftrieb erzeugen wird, dass eine anstehende Gegenbewegung nicht mehr bis zu den heutigen Preisen zurückreichen wird. Dennoch halten wir Kaufzurückhaltung heute für die bessere Haltung. Im Übrigen sind wir der Meinung, dass es mehr denn je angebracht ist, sich mit der Reduzierung des eigenen Verbrauchs zu beschäftigen. Dazu empfehlen wir www.esytrol.com.

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