Unseren neuen Kommentar für den 04.12.16 finden Sie hier.


Des Preises Kern

Der Lauf der Preise scheint trotz ihrer extremen Werte nicht zu stoppen zu sein. Nicht nur die Preise, auch die Teuerungsrate ist extrem. Seit August legten die Ölpreise auf dem internationalen Markt um 35 Prozent zu. Seit Januar beträgt die Preissteigerung im Schnitt über 80 Prozent. Die Werte sind schockierend. Aber sie sind nicht einzigartig. Ein Blick in die jüngere Geschichte zeigt, dass solche Teuerungsraten schon vorkamen. Sie endeten bisher immer in Überhitzungen und nachfolgenden Preiseinbrüchen. Die Einbrüche waren allerdings geringer als die vorausgegangene Preissteigerung.

Im Verlauf von neun Jahren stieg der Ölpreis um über 800 Prozent. Prozentangaben sind dazu geeignet, die Einschätzung zu verwirren. Das gilt mindestens dann, wenn die Angaben über 100 Prozent liegen. Im Januar dieses Jahres betrug der Ölpreisanstieg seit 1999 „nur“ 400 Prozent. Es fehlen also 400 Prozent von Januar bis heute. Diese 400 Prozent bedeuten mit der Preisbasis von Januar aber lediglich 80 Prozent Anstieg. Da derzeit kein Ende des Aufwärtstrends der Preise absehbar ist, wird die diesjährige Steigerungsrate wohl auf 100 Prozent hinauslaufen.

1999 betrug die Preissteigerung 150 Prozent. Zwischen Frühjahr 2003 und Herbst 2004 stieg der Ölpreis über 100 Prozent. In den ersten drei Quartalen des Jahres 2005 erreichte der Preisanstieg 75 Prozent. In allen Fällen gibt es Gründe für die Teuerung, die außerhalb der jeweils tagesaktuellen Börsenthematik liegen und in ihrer bleibenden Wirkung frei von hektischer Spekulation sind. Auf einen einfachen Nenner gebracht liegen die Gründe im Ausverkauf des billigen Öls. Das heißt, dass das Öl, das mit herkömmlichen Mitteln zu einem günstigen Preis zu fördern ist, immer knapper wird. Ende der 1990er Jahre gab es eine Fülle intakter Anlagen, die während des Explorationsbooms 20 Jahre zuvor installiert wurden und noch prächtig förderten. Diese Anlagen wurden über einen langen Zeitraum wegen geringer Nachfrage nur schwach ausgelastet. Im Laufe der schlechten Jahre für die Ölindustrie wurden ihre Werte abgeschrieben. Mit ihnen ließ sich billig produzieren. Mittlerweile sind die alten Anlagen verbraucht. Die Ölindustrie steht vor einem gewaltigen Investitionsstau.

Gleiches gilt für die alten Fördergründe. Sie haben ihre besten Jahre überschritten. Neue Gebiete müssen gefunden und nutzbar gemacht werden. Das geschieht. Aber es geschieht nicht in dem Maß, wie es die Nachfrage erfordert. Und es ist zunehmend schwierig, ausreichende Mengen zu finden. Bereits Mitte der 1980er Jahre hat die jährliche Produktion die jährliche Neuentdeckungen von Ölfeldern überschritten. Die Welt ist im Begriff, die maximal mögliche Fördermenge zu erreichen (Peak Oil). Öl wird es noch lange geben. Öl wird noch lange der bedeutendste Energieträger bleiben. Öl wird aber ein nicht beliebig zur Verfügung stehender Rohstoff sein. So ein Rohstoff unterliegt einer ständigen Preissteigerung, wie jedes Produkt, das begehrt und knapp ist. Das heißt nicht, dass die Preise nicht mehr fallen können. Es wird weiterhin Übertreibungen an der Börse geben, die zu gegebener Zeit korrigiert werden. Derzeit herrscht tendenziell Übertreibung.

Harte Zahlen über den Eintritt von Peak Oil gibt es nicht. Es gibt aber Schätzungen. Optimisten legen den Zeitpunkt in den Zeitraum 2015 bis 2020. Pessimisten sehen ihn zwischen 2007 und 2010. Die IEA (Internationale Energie Agentur) verwendet den Begriff Peak Oil im Zusammenhang mit der Sorge, dass Öl ab 2012 knapper werden könnte, nicht. Die Aussage ist praktisch eine Peak Oil Prognose. Nicht nur Öl wird in Kürze einen Peak haben. Der Peak betrifft Öl und Gas gemeinsam mit fünf bis zehn Jahren Versatz. Wenn also Öl im Jahr 2012 „peakt“ werden Öl und Gas wahrscheinlich noch vor 2020 „peaken“.

Der Satz von Robert Hirsch, der einen Peak Oil Bericht für die US-Regierung schrieb, „je näher man Peak Oil betrachtet, desto unheimlicher wird es“ scheint angesichts der unheimlichen Preisbewegung an der Börse, dort breite Zustimmung zu finden. Unter Ausklammerung der tagesaktuellen Ereignisse, die in ihrer preislichen Wirkung keine lange Halbwertzeit haben, ist Peak Oil die einzig haltbare Erklärung für die extreme Preisentwicklung.

Diese Entwicklung ist heute Morgen verhalten aber ohne Zweifel stetig. Sie hält den Preis für die Tonne Gasöl auf 808 Dollar.

Unsere Heizölpreise steigen. Kein fallender Dollar und keine absehbare Trendwende können Verbrauchern die Last der hohen zukünftigen Heizkosten nehmen. Die Trendwende muss in Eigeninitiative durch die Steigerung von Effizienz erreicht werden. Hierzu steht in vielen Fällen ein großes Potenzial zur Verfügung. Es beginnt mit der Modernisierung der Heizung. Wer diese Maßnahme bereits getroffen hat, wird sich von den hohen Ölpreisen kaum noch schocken lassen. Häufig können Verbraucher mit neuen Heizkesseln auf die mit Sicherheit eintretenden Preiseinbrüche gelassener warten, weil ihnen die Vorratsmengen durch den deutlich reduzierten Verbrauch mehr zeitliche Flexibilität geben.

Teilen Sie uns Ihre Meinung mit!

Uns ist Ihre Meinung wichtig. Schreiben Sie mir direkt unter
E-Mail: KlausBergmann@esyoil.com

Presse-Kontakt

Weitere Informationen