Unseren neuen Kommentar für den 04.12.16 finden Sie hier.


Die Finanzwende träumen

Texas Öl ist der Daimler unter den Rohölsorten. Das Öl mit dem Markennamen West Texas Intermediate, kurz WTI, hat mehr Energie und weniger Schwefel als die meisten anderen Öle. Deshalb darf es etwas teurer sein. Und in der Tat war WTI seit Einführung des Börsenhandels 1983 fast immer das teuerste Öl. Im Dezember 2010 änderte sich das. WTI machte die weltweite Ölpreissteigerung nicht mehr mit. Sein Preis ist heute auf dem gleichen Niveau wie damals. Andere Ölsorten sind rund 30 Prozent teurer. Was war geschehen?

Zunächst sah es so aus, als läge eine Manipulation großer Finanzspieler vor, die aus einer künstlich herbeigeführten Preisdifferenz Profit schlagen wollten. Als die für diesen Fall zu erwartende Angleichung der Preise ausblieb, machten erste Erklärungen die Runde, die den Vorfall physisch interpretieren. Das für die Preisermittlung relevante Rohöllager der USA in Cushing Oklahoma erweist sich als eine Art Ölfalle. Seine Zuflüsse geben mehr her, als seine Abflüsse vertragen können. Niemals in der Vergangenheit ging man davon aus, dass die USA das Angebot ihres Zentrallagers nicht verbrauchen würden. Die Steigerung der Zuflüsse durch neue Funde in den USA und durch den Aufbau der Rohölproduktion in Kanada einerseits und die sinkende US-Ölnachfrage andererseits lassen das Unglaubliche eintreten. Das Land kann sich besser als früher aus dem nordamerikanischen Territorium mit Öl versorgen. Die durch die Finanzkrise gebeutelten US-Verbraucher haben aber nicht mehr das Geld, um das Öl zu kaufen. Für den Abverkauf des Öls nach Übersee gibt es bisher keine Infrastruktur. Diese wird derzeit gebaut. Wenn sie in einigen Jahren fertig gestellt sein wird, werden sich die Rohölpreise wieder angleichen. Dass es dabei zu einem weltweiten Preisrückgang kommen wird, ist so gut wie ausgeschlossen. Denn die steigende Ölproduktion in den USA ist im globalen Maßstab zu unbedeutend, um für nennenswerte Überschüsse zu sorgen.

Der Preisvorteil des Rohöls wird übrigens nicht an die US-Verbraucher weitergegeben. Die Produktendpreise sind nahe am Weltmarktniveau. Nicht zuletzt deshalb wächst die Sparsamkeit beim Autofahren. Sie ist Folge der Schuldenkrise. Sie ist Ausdruck schlechter Konjunkturaussichten für die USA. Sie ist Beleg für einen fundamentalen, unfreiwilligen Wandel des Wertesystems im Land. Sie ist Krise und sie ist Chance.

Weder Krise noch Chance ist bei den Mineralölkonzernen zu erkennen. Die Unternehmen finden eine nahezu perfekte Situation zur Steigerung ihrer Gewinne vor. Dabei leben sie in profitabler Symbiose mit der Finanzindustrie. Die hat erkannt, dass man mit dem zunehmend knappen Gut der Ölindustrie außerordentlich lukrative Spekulationsgewinne einfahren kann. Diese schlagen bei den Produzenten des Gutes als sogenannte Windfall-Gewinne ebenfalls zu Buche. Während die Mineralölindustrie die physische Abhängigkeit der Verbraucher vom endlichen Rohstoff ausnutzt, hat es die Finanzindustrie geschafft, die Welt durch gefährliche Destabilisierung der Finanzsysteme gefügig zu machen. Die Menschheit hat sich diesen beiden Industrien ausgeliefert. Ernsthafte Bemühungen, aus der Abhängigkeit zu entkommen, sind nicht zu erkennen. Fragen, wie die Sicherheit und die Stabilität der Ölversorgung und des Bankensystems gewährleistet werden können, werden weiterhin höher aufgehängt als Maßnahmen zur Auflösung der Abhängigkeit. Erfolge im libyschen Krieg, die zur Sicherung der Ölversorgung dienen, deren Perspektive heute aber noch vollkommen uneinschätzbar ist, werden bejubelt, während die Reduzierung des amerikanischen Ölverbrauchs beklagt wird. Maßnahmen zur Rettung von Finanzsystemen, die in erster Linie allesamt Maßnahmen zur Rettung von Banken sind, werden beklatscht, während die Neuordnung der Finanzsysteme lediglich ein Lippenbekenntnis zur Beruhigung der nicht klatschenden Öffentlichkeit ist.

Hoffnung bietet immerhin die Energiewende. Sie kann als erste ernstzunehmende Maßnahme gegen die Macht übermächtiger Energiekonzerne verstanden werden. Die internationalen Mineralölkonzerne nehmen die deutsche Attacke kaum wahr. Sie ist nicht mehr als ein regionales Ereignis. Die vier großen nationalen Strom- und Gasunternehmen fühlen sich hingegen bedroht wie nie zuvor. Plötzlich sieht es ganz einfach aus, einmal Paroli zu bieten. Da liegt es auf der Hand, auch von der Finanzwende zu träumen.

Von einer solchen Wende ist weit und breit nichts zu erkennen. Selbst die notwendige Voraussetzung, eine Finanzkatastrophe, die vor wenigen Tagen an den Börsen gehandelt wurde, ist momentan ad acta gelegt. Aufgeschoben ist nicht aufgehoben. Die Gefahr ist so virulent wie die Gefahr weiterer Atomkatastrophen. Zunächst wird allerdings heile Welt gehandelt. An den Börsen steigen die Notierungen. Die Tonne Gasöl kostet 979,75 Dollar. Das Barrel Rohöl wird in New York zu 87,25 Dollar und in London zu 112,11 Dollar gehandelt. Der US-Dollar kostet 69,06 Eurocent.

Unsere Heizölpreise legen leicht zu. In den letzten Tagen gleichen sich die Muster. An den Ölbörsen geht es aufwärts, weil die Panik vor einem Absturz verflogen ist. Der Dollar sorgt mit leichten Verlusten für eine Dämpfung des Preisanstiegs. Das Finanzsystem ist angeschlagen. Es kann jederzeit umfallen. Die Gewissheit darüber macht die Marktteilnehmer aber abwehrbereit. Sie können kaum wie in 2008 überrascht werden. Dieser Umstand kann dem angeschlagenen System ein langes Leben bereiten. Ohne den Crash werden die Heizölpreise nicht nennenswert einbrechen. Wenn sie sich in diesem Fall seitwärts bewegen, muss man als Verbraucher bereits zufrieden sein. Im Übrigen sind wir der Meinung, dass es mehr denn je angebracht ist, sich mit der Reduzierung des eigenen Verbrauchs zu beschäftigen. Das beginnt mit dem Vermessen desselben. Hierzu empfehlen wir unseren elektronischen Peilstab und www.esytrol.com.

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