Unseren neuen Kommentar für den 11.12.16 finden Sie hier.


Die Wellenreiter

„Genug verdient. Lasst uns aussteigen!“ So ungefähr könnte der Schlachtruf von Goldman Sachs und Deutsche Bank lauten, der den Ölpreisen Richtung gibt. Natürlich brüllen die „Dominatoren“ nicht die Preise an. Sie brüllen überhaupt nicht. Sie stoßen lediglich ihre Long-Positionen ab und lancieren das stimmungswirksam in der Finanzszene. Auf die Wirkung können sie sich recht gut verlassen. Die Herde folgt ihnen. Long-Positionen sind übrigens Kontrakte auf steigende Kurse. Wenn genügend Kollegen folgen, woran kein Zweifel besteht, werden die Preise bald so tief liegen, dass der Aufruf zum Einstieg ergeht. „Let’s make money. Get on board.“ Ist klar, was folgt. Wer nun glaubt, dass erst ab diesem Moment wieder Geld verdient wird, irrt. Anders als die Realwirtschaft hat die Finanzszene die nahezu optimale Ressourcenausnutzung gelernt. Sie macht auch Gewinne, wenn andere Verluste machen. Das heißt in diesem Fall, sie verdient auch bei fallenden Kursen, indem sie Short-Positionen aufnimmt und diese beim Ertönen des zweiten Schlachtrufs wieder abstößt. Das ist ein beeindruckendes Prinzip. Physikalisch ähnelt es der Idee des Wellenkraftwerks.

In Sachen Ressourcennutzung kann man viel von der Finanzindustrie lernen. Sie speist sich längst im großen Stil aus regenerativen Quellen, mehr noch, sie speist sich aus autogenerativen Quellen. Die Kunst besteht darin, Geld zur Mehrung von Geld zu nutzen. Das geht und es bringt dauerhaftes exponentielles Wachstum. Perfekt ist das System noch nicht. Das zeigt der Unfall vor zwei Jahren. Aber auch für einen solchen Fall hat die Finanzwelt eine intelligente Lösung gefunden. Sie nutzt die Umwelt für die Reparatur. Umwelt ist in diesem Fall alles, was und wer nicht zur Finanzwelt gehört. Das übergeordnete Erfolgsprinzip lautet Dematerialisierung. Wesentliche wissenschaftliche Grundlagen hierfür sind Mathematik und Kommunikationswissenschaften.

Ganz ohne materielle Anbindung geht es noch nicht. Im Markt für Ölpapiere, der den Ölpreis generiert, wird beispielweise ein Bezug zu Öl hergestellt. Man kommuniziert durchaus über die physische Anwesenheit oder das Fehlen von Öl und Ölprodukten. Gegenwärtig ist diese Kommunikation unergiebig, weil sie relativ statisch ist. Öl ist einfach da. Es ist nicht absehbar, dass sich das demnächst ändern wird. Das liegt an der mangelnden Wirtschaftsdynamik der großen Ölverbraucher. Langfristig kann das vollkommen anders aussehen. Sollte die Wirtschaft Dynamik gewinnen und sollte diese Dynamik dem alten Stil folgen, wird Öl knapp werden. Sollte die angenommene Dynamik hingegen den Erkenntnissen der Finanzindustrie folgen und ebenfalls Dematerialsierung zu ihrem Prinzip erheben, wird Öl weiterhin einfach da sein. Für Goldman Sachs und Co. ist das unerheblich. Diese Firmen können prächtig mit der fehlenden Dynamik leben. Sie gewinnen auch beim Reiten kleiner Wellen.

Wie gut sie sich auf diese kleinen Wellen bzw. Zyklen eingestellt haben, zeigt die Reaktion auf die US-Bestandsdaten. Die böten Gelegenheit, die Preise weiter in die Höhe zu treiben. Das höher geschätzte DOE-Zahlenwerk (Department of Energy) weist nämlich einen Abbau in den Lagern aus. Aber anstatt dem Instinkt bei Angebotsrückgang zu folgen, folgen die Börsianer dem Seitwärtstrend der Preise. Und der tendiert zur fallenden Welle. Die von API (American Petroleum Institute) und DOE herausgegebenen Zahlen zur wöchentlichen Veränderung in den US-Tanklagern lauten wie folgt:

Rohöl: -2,5 Mio. Barrel (DOE) bzw. +3,3 Mio. Barrel (API)
Heizöl und Diesel: -0,3 Mio. Barrel (DOE) bzw. -1,5 Mio. Barrel (API)
Benzin: -0,7 Mio. Barrel (DOE) bzw. -1,0 Mio. Barrel (API)

In Summe ergibt sich ein Abbau von 3,5 (DOE) bzw. ein Aufbau von 0,8 (API) Mio. Barrel. Die US-Importe sind geringer als in der Vorwoche und im Vorjahr. Die Raffinerieauslastung ist auf 88 Prozent gesunken. Die Veränderungen in den Lagern geschehen in absoluten Toppositionen der Lagerbestände. Insofern gibt es sogar ein physisches Argument, warum die Preise gestern nicht stiegen. Die Finanzszene kann diesem Argument folgen. Sie muss es aber nicht.

Heute Morgen setzt sich die Tendenz zur fallenden Welle fort. Es sind leichte Preisrückgänge zu beobachten. Die Tonne Gasöl kostet 667,50 Dollar. Das Barrel Rohöl kostet in New York 75,45 Dollar und in London 79,08 Dollar. Der US-Dollar wird zu 76,77 Eurocent gehandelt.

Unsere Heizölpreise stehen relativ stabil in der Mitte des aktuell gültigen Trendkanals. Er weist seitwärts. Daran wird sich in absehbarer Zeit voraussichtlich wenig ändern. Kurzfristig kann man wieder auf etwas Preisnachlass spekulieren. Garantiert ist der natürlich nicht. Garantielosigkeit ist das Prinzip von Spekulation. Im Übrigen sind wir der Meinung, dass es mehr denn je angebracht ist, sich mit der Reduzierung des eigenen Verbrauchs zu beschäftigen. Dazu empfehlen wir www.esytrol.com.

Teilen Sie uns Ihre Meinung mit!

Uns ist Ihre Meinung wichtig. Schreiben Sie mir direkt unter
E-Mail: KlausBergmann@esyoil.com

Presse-Kontakt

Weitere Informationen