Unseren neuen Kommentar für den 03.12.16 finden Sie hier.


Experten geben irre Signale

Der Abwärtstrend ist intakt. Die Preise stehen nur still. Erwartungsgemäß arbeiten sich die Rohölnotierungen an der 60-Dollar-Marke ab. Sollten die Aktienmärkte, wie gestern geschehen, nennenswert anziehen, dürfte sich das Ringen um tiefere Preise länger hinziehen. Dass ein Eintauchen unter die 60-Dollar-Grenze ausfällt, ist angesichts der außerordentlich guten Versorgungslage und der relativ schwachen Ölnachfrage kaum vorstellbar. Es gibt derzeit keine einflussreiche Prognose, die die Wirtschaft so stark kommen sieht, dass Öl kurz- oder mittelfristig zu einem knappen Gut wird. Im Gegenteil, wahrscheinlich ist eher, dass das Angebot wächst, weil die Quotendisziplin der OPEC zurückgeht. Im Zweifel ist der schnelle Umsatz verlockender als die Erfolgsaussichten einer langfristigen Strategie. Das gilt auch für viele Nicht-OPEC-Staaten. Damit werden die Preise unter Druck bleiben. Auf welchem Niveau sie sich mittelfristig einpendeln werden, ist Spekulationsstoff, der es bereits in die Boulevardpresse geschafft hat.

Ein Hingucker war die Schlagzeile über deftige Gaspreiserhöhungen zum Winter. Diese Erhöhungen setzen wegen der Kopplung an die Ölpreise nicht minder klare Ölpreissteigerungen voraus. Vor Wochen, als die Ölpreise ihren scheinbar unaufhaltsamen Marsch der Spekulation hatten, waren Sorgen vor einem erneuten Kontakt mit 100 Dollar pro Barrel eventuell berechtigt. Dem Unsinn schien nichts und niemand Einhalt gebieten zu können. Erfreulicherweise haben die Preise aber den Kontakt zur Realwirtschaft wiederhergestellt. Dadurch sind Hochpreisspekulation und Gaspreiserhöhung obsolet geworden. Der berufene Mund, dem die Gaspreisnummer entstammt, gehört der „Expertin“ und Barroso-Beraterin Prof. Dr. Claudia Kemfert. Sie verschaffte sich bereits im letzten Jahr zum Ärger einiger Volkswirtschaftskollegen mit abwegigen Hochpreisspekulationen so fragwürdige Publizität, dass der Spiegel sie als „200-Dollar-Kassandra“ betitelte. Nun könnte der Titel „Gaspreissirene“ drohen.

Es ist müßig, über langfristige Preisniveaus zu sinnieren. Da gilt, alles ist möglich, insbesondere weil das übergeordnete Problem des unbegrenzten Konsumwachstums bei begrenzten Ressourcen virulent ist. Ob dieses Problem tatsächlich die Preisdramatik bekommt, die darin steckt, ist vollkommen offen. Der Mensch erweist sich, bisweilen durchaus überraschend, als lern- und veränderungsfähig. Es könnte immerhin sein, dass ausgelöst durch die aktuellen Krisen der Finanzen, der Wirtschaft, des Klimas, der Bildung und einiger anderer Lebensbereiche Veränderungen angestoßen werden, die dem Lauf der Dinge eine neue Richtung geben. Dieser Veränderung könnte das unbegrenzte Konsumwachstum zu Gunsten eines unbegrenzten Wachstums von Lebensqualität, das sich mehr an sozialen und geistigen Fähigkeiten des Menschen orientiert als an seinen weitgehend befriedigten materiellen Bedürfnissen, zum Opfer fallen. Wenn das bei den 20 Prozent der Weltbevölkerung geschähe, die 80 Prozent aller Ressourcen für sich in Anspruch nehmen, würde sich die Sorge vor unzureichend vorhandenen Ressourcen in Luft auflösen. Öl- und Gaspreisexzesse wären kein Thema mehr.

Das ist ein Gedankengang voller Konjunktive. Er ist schön gedacht zu werden und, wenn das Modewort „nachhaltig“ ernst genommen wird, Realität zu bekommen. Auf die aktuelle Ölpreisfindung hat er aber wenig Einfluss. In ihr regieren Indikative, die das Ist-Angebot und den Ist-Verbrauch ausmachen. Allenfalls eine von Zeit zu Zeit wild werdende Horde von Spekulanten gibt sich einflussreich ein paar Konjunktiven hin. Die können die realen Preise sowohl nach oben als auch nach unten von einem Angebots-Nachfrage-Konsens entfernen. Diesen Konsens sehen wir in der Preisspanne zwischen 45 und 65 Dollar pro Barrel.

Heute Morgen tut sich wenig im Preiskarussell. Tendenziell geht es weiter seitwärts. Die Tonne Gasöl kostet 483,75 Dollar. Das Barrel Rohöl kostet in New York 60,34 Dollar. Der US-Dollar wird zu 71,53 Eurocent gehandelt. Bemerkenswert ist, dass das gestrige Plus an den Börsen nicht auf die Währung und den Ölpreis durchschlug. Das deutet darauf hin, dass ihm wenig Substanz zugeschrieben wird.

Unsere Heizölpreise geben moderat nach. Das liegt daran, dass sich die Gasöl- und Heizölpreise auf internationalem Parkett etwas verbraucherfreundlicher entwickeln als die Rohölpreise. Eine Gegenreaktion mit einem leichten Anstieg der Heizölpreise wäre nun nahe liegend. Im weiteren Verlauf sehen wir die Preise aber durchaus noch etwas tiefer. Die Aussage ist spekulativ. Nach ihr zu handeln setzt eine gewisse Unabhängigkeit beim Kauftiming voraus. Diese erfordert klares Wissen über den Nochbestand im Tank. Das kann man sich mit dem elektronischen Peilstab verschaffen. Weitere Erkenntnisse zum eigenen Verbrauch und zu Einsparpotenzialen lassen sich mit dem Logbuch für den Heizölverbrauch aufbauen.

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