Unseren neuen Kommentar für den 08.12.16 finden Sie hier.


Gut für Heizölkäufer

Im Nahen Osten scheint Kompromissbereitschaft eine unbekannte Kategorie menschlichen Denkens und Handelns zu sein. Volks- und Religionsgruppen stehen sich mit absoluten Territorial- oder Führungsansprüchen unversöhnlich gegenüber. Gewalt als Mittel der politischen Auseinandersetzung ist allenthalben akzeptiert. Das daraus resultierende Leid legitimiert jede Gegengewalt. Die Nähe dieses Pulverfasses zu den wichtigsten Ölquellen der Welt zieht das Interesse von Big Money immer wieder an. Am Öl wird um den Nahen Osten spekuliert. In diesen Tagen gäbe es viel zu spekulieren. Aber der Nahe Osten ist gerade out. Das ist immerhin gut für Heizölkäufer.

In ist hingegen das US-amerikanische Problem mit dem neuen Haushalt. Auch hier geht es um Unversöhnlichkeit zweier Lager. Die beiden großen politischen Parteien sind nicht in der Lage, einen Kompromiss zu finden, der Kontinuität zu den letzten Jahren und eine neue Perspektive für die Zukunft einschließt. Kontinuität bedeutet noch höhere Staatsverschuldung. Eine neue Perspektive bedeutet einen Gegenentwurf zum amerikanischen Lebensmodell vom unbegrenzten Konsum. Ein Abriss der Neuverschuldung wird unweigerlich zum abrupten Abriss der Konjunktur führen. Das wäre auch ein Weg, ein neues Lebensmodell einzuführen. Es wäre die Variante im griechischen Stil. Dazu müsste das Volk bereit sein. Das ist sicher nicht der Fall. Die Konsequenz wäre eine heftige Gegenbewegung der ewig Gestrigen, die abermals mit dem amerikanischen Traum punkten könnten. Es drohten verlorene Jahre im Niedergang. Die Geldszene wird sich kaum für die neue Perspektive interessieren. Sie interessiert sich gleichwohl für einen Kompromiss, da dieser ihnen die nächsten Quartale retten könnte. Mit oder ohne Kompromiss werden ihre kommenden Quartale gerettet werden. Dafür wird schlimmstenfalls die FED im Alleingang sorgen. Bis es soweit ist, bleibt die Stimmung bedrückt. Das ist ebenfalls gut für Heizölkäufer.

Für bedrückte Stimmung unter den Finanzjongleuren sorgt darüber hinaus der physische Ölmarkt. Knappheit, der Lieblingszustand jedes Finanzspekulanten, ist auf allen Ebenen eliminiert. Rohöl gibt es schon länger reichlich. Nach einigen Schwierigkeiten laufen die Raffinerien weltweit nun auf hohem Niveau. Deshalb gibt es auch reichlich Produkte wie Heizöl, Diesel und Benzin. Der Zustand ist vorübergehend auf unbestimmte Zeit. Ausgelöst wurde er durch Investitionen, die erst durch den hohen Ölpreis möglich wurden. Durch einen sinkenden Ölpreis würde der von Knappheit befreite Zustand ein Ende finden, nicht kurz-, sondern langfristig. Die Frist übersteigt das Denkvermögen eines Finanzspekulanten. Für diesen ist mittlerweile die Sekunde ein wichtigerer Zeithorizont als ein Jahr oder gar ein Jahrzehnt. Die nächsten Sekunden sehen für ihn nicht gut aus. Deshalb tendiert der Ölpreis abwärts. Das ist das interessante Resultat für Heizölkäufer.

An den aktuellen US-Bestandsdaten wird die Sache deutlich. Sie weisen große Aufbauten auf und das nur bei den Produkten. Damit wird der historisch niedrige Heizölbestand aus dem Fokus der Finanzszene fallen. Trotz des jüngsten Aufbaus befindet er sich immer noch auf einem jahreszeitlichen Langzeittief, wie diese Grafik zeigt. Er bleibt also angreifbar. Das dürfte sich mit dem neuen Jahr ändern, weil es dann keine Gründe mehr gibt, die Lagerbestände niedrig zu halten. Im Moment ist das aus steuerlichen Gründen geboten. Der Fiskus kassiert am Jahresendbestand. Für einen weiteren Bestandsaufbau spricht neben dem guten Angebot vor allen Dingen die sinkende Nachfrage der Verbraucher. Hier kommen die schwache Konjunktur und vor allen Dingen die ungewissen Perspektiven der Gesellschaft zum Ausdruck. Der relativ warme Winter in den USA tut ein Übriges. Die von DOE (Department of Energy) und API (American Petroleum Institute) ermittelten Zahlen zum Thema lauten wie folgt:

Rohöl: -2,4 Mio. Barrel (DOE) bzw. -2,2 Mio. Barrel (API)
Heizöl und Diesel: +3,0 Mio. Barrel (DOE) bzw. +1,1 Mio. Barrel (API)
Benzin: +7,9 Mio. Barrel (DOE) bzw. +5,7 Mio. Barrel (API)

In Summe ergibt sich ein Aufbau von 8,5 (DOE) bzw. 4,6 (API) Mio. Barrel. Die Raffinerieauslastung beträgt 91 Prozent. Das ist ein guter Wert, um das Problem der schwachen Heizölbevorratung zu überwinden.

Heute Morgen setzen die Ölnotierungen ihren Abgang fort. Es besteht Grund zu der Annahme, dass dies ein kurzfristiger Trend wird. Die Tonne Gasöl kostet 926,25 Dollar. Das Barrel Rohöl wird in New York zu 87,70 Dollar und in London zu 108,66 Dollar gehandelt. Der US-Dollar kostet 76,65 Eurocent.

Unsere Heizölpreise geben immer noch nach. Der kurzfristige Trend macht Freude. Nun wird er auch durch die Ölnotierungen selbst angefacht. Bisher war der starke Euro dominanter. Außerdem ist das Angebot im Binnenmarkt trotz guter Nachfrage ordentlich. Dadurch stehen die Margen momentan unter Druck. Die klare Preisentwicklung sollte weitergehen. Ihr Abwärtspotenzial schätze ich bis zu 80 Cent pro Liter (bei 3.000 Liter Liefermenge) als Niedrigstwert ein. Dorthin wird sicher kein Durchmarsch erfolgen, sondern eine Salamitaktik. Wer knapp mit Heizöl bevorratet ist, sollte nun beherzt kaufen. Wer mit seinem Tankinhalt bis ungefähr Februar hinkommt, kann es mit weiterer Spekulation auf tiefere Preise versuchen. Im Übrigen sind wir der Meinung, dass es mehr denn je angebracht ist, sich mit der Reduzierung des eigenen Verbrauchs zu beschäftigen. Dieser Gewinn würde Sie dabei kräftig unterstützen.

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