Unseren neuen Kommentar für den 11.12.16 finden Sie hier.


Heizöl: Preise auf Vorvorjahresniveau

Internationaler Markt

Tag drei der Zypernkrise stand an den Börsen unter der Überschrift: „Alles nicht so schlimm“. Es ist zwar möglich, dass Finanzjongleure während des Geschachers um eine Lösung noch einmal emotional werden. Die Pille, die Ihnen Ben Bernanke, Chef der US-Notenbank, gestern verabreichte, legt aber die fundamentale Sorge weitgehend lahm, dass ihnen das Geld- und Finanzsystem nun um die Ohren fliegen könnte. Der Mann wirft genug Geld auf den Markt, um ganz andere Löcher als die Zyperns damit zu stopfen. Mit seinen Dollarscheinen kann er zwar die Probleme des Euros nicht lösen. Er kann aber das globale Finanzsystem ausreichend dopen, um es im Lauf zu halten. Der Euro wird dabei vermutlich weiter an Wert verlieren. Ein bisschen Zypernkrise kommt Bernanke derzeit ganz recht. Mit den insgesamt noch nicht befriedigenden, gleichwohl stetig besseren US-Arbeitsmarktzahlen wird die Begründung für sein exzessives Gelddruckprogramm zunehmend schwieriger. Zypern lenkt davon ab.

Und noch eine Meldung sollte die bullische Laune der unproduktiven Glücksritter beflügeln. In China steigt der Einkaufsmanagerindex höher als erwartet. Das Land scheint die Rolle der globalen Werkbank also weiterhin erfolgreich zu spielen. Daran gab es zuletzt leichte Zweifel.

Nun zur Gegenseite, den für die Ölpreisbildung relevanten bärischen Umständen. Die seit Wochen und Monaten beobachtete gute Angebotslage ändert sich, wenn überhaupt, allenfalls zum noch Besseren. Das Bruttoinlandsprodukt der USA wird wohl etwas geringer wachsen als bisher prognostiziert wurde. Die Idee vom Nachfragewachstum beim Öl droht damit zu scheitern. Beide Aspekte erhalten den Abgabedruck auf Öltitel. Hier liegt ein weiterer Grund für die Fortsetzung der lockeren Geldpolitik durch die US-Notenbank. Bernanke will ein Übergreifen des Abgabedrucks auf die „Märkte“ insgesamt verhindern. Finanzjongleuren ist es herzlich egal, ob sie ihr Gewinnspiel auf Basis realer Wirtschaftsleistungen oder auf dem Fundament absurder Geldmengen betreiben können, solange sie es überhaupt aussichtsreich betreiben können. Bleibt ihre Geschäftsaussicht erhalten, können Öltitel nur vergleichsweise moderat fallen.

Gestern wurden turnusgemäß Daten zu den US-Ölbeständen geliefert. Die hatten wenig Einfluss auf die Preisbildung, da sie sowohl bullische als auch bärische Interpretationsspielräume bieten. Vorräte wurden in der letzten Woche dezimiert. Das liegt in der Logik der Wartungsperiode an vielen Raffinerien. Man braucht weniger Öl, weil weniger verarbeitet werden kann. Problematisch ist das nicht, da die Nachfrage ohnehin lahmt und da es absehbar ist, dass der Komplex in Kürze wieder hochgefahren wird. Im Einzelnen meldeten DOE (Department of Energy) und API (American Petroleum Institute) folgende Daten zur Veränderung gegenüber Vorwoche:

Rohöl: -1,3 Mio. Barrel (DOE) bzw. -0,4 Mio. Barrel (API)
Heizöl und Diesel: -0,7 Mio. Barrel (DOE) bzw. -1,3 Mio. Barrel (API)
Benzin: -1,5 Mio. Barrel (DOE) bzw. +0,3 Mio. Barrel (API)

In Summe ergibt sich ein Abbau von 3,5 (DOE) bzw. 1,4 (API) Mio. Barrel. Die Raffinerieauslastung stieg auf 84 Prozent. Man erahnt damit ein Ende der Wartungssaison, wenngleich der Wert weiterhin unzureichend niedrig ist. Aber die US-Nachfrage ist es nach Meinung von Wachstumsfanatikern auch.

Heute Morgen ist nicht zu erkennen, welchen Kurs die Ölnotierungen im Tagesverlauf zu nehmen gedenken. Geht es nach dem Trend, werden sie sinken. Für die Tonne Gasöl werden 904,50 Dollar bezahlt. Das Barrel Rohöl wird in New York zu 93,13 Dollar und in London zu 108,57 Dollar gehandelt. Der US-Dollar kostet 77,28 Eurocent.

Nationaler Markt

Unsere Heizölpreise zieht es weiter abwärts. Gestern lieferte der Dollar die entscheidende Vorgabe. Die Gasölnotierungen stiegen geringer als der Dollar fiel. Dieses Bild wird vermutlich keine Fortsetzung finden. Fallende Öl- und steigende Dollarkurse sind wahrscheinlicher. Der Binnenmarkt ist locker belebt. Die Handelsmargen sind etwas höher als im Januar und Februar. Heizöl bleibt billiger als im Vorjahr. Zudem sinkt der Preis auch in absoluten Zahlen. Die Aussichten für den weiteren Jahresverlauf sind verhalten freundlich. Für steigende Heizölpreise könnte allenfalls unbegrenzt lanciertes Geld der Notenbanken sorgen, das den „Märkten“ versprochen ist. Im Übrigen sind wir der Meinung, dass es schlau ist, sich um die Reduzierung des eigenen Verbrauchs zu kümmern. Dazu empfehlen wir in einem ersten Schritt unseren e-Peilstab. Mit ihm lässt sich der Heizölverbrauch messen. Auf esytrol entsteht aus den Messungen ein Bild zur Energieintensität des eigenen Hauses. Wenn das bekannt ist, können Handlungen folgen.

Der Markt in Stichworten

preistreibende (bullische) Einflüsse auf Heizöl: FED sieht Gelddrucken nach wie vor positiv
China wächst weiterhin stark
EIA sieht Nachfrage derzeit größer als das Angebot
Spannungen in Nordafrika, Nahost und Nordkorea

preisdrückende (bärische) Einflüsse auf Heizöl: Euro-Krise wieder in den Schlagzeilen
US-Förderung steigt deutlich
US-Raffineriekapazität steigt in Kürze wieder
Alte Industrienationen brauchen immer weniger Öl
Genug Öl am Markt

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