Unseren neuen Kommentar für den 06.12.16 finden Sie hier.


Heizölpreise: Frage den Trend!

Internationaler Markt

Die Woche begann mit einem rasanten Ölpreisanstieg und einigen dazu passenden Meldungen. Von realwirtschaftlicher Bedeutung sind Probleme in Libyen und im Irak. In beiden Ländern flammten die Unruhen erneut auf. Sie behindern die Öllieferungen.

Mehr noch als im Irak ist die Errichtung einer Staatsordnung in Libyen infrage gestellt. Dem Land droht nach der „Befreiung“ aus der Tyrannei das Schicksal Somalias, der Untergang im Chaos. Dabei spielt Öl eine entscheidende Rolle. Es stellt die einzige Chance dar, Geld für den Staat und seine Institutionen zu erwirtschaften. Ähnlich wie im Irak streiten die Regionalbevölkerungen um die Erlöse aus dem Verkauf. Schlimmer als im Irak wird dadurch der Verkauf selbst blockiert. Die Verlierer dieser Situation sind die Regionalbevölkerungen, das ganze libysche Volk und die Europäer, die auf das Öl angewiesen sind. Die Ausfälle des Iraks und Libyens belaufen sich mittlerweile von ungefähr drei Millionen Barrel pro Tag, das entspricht gut drei Prozent der globalen Ölnachfrage.

Derzeit werden diese Ausfälle gut aufgefangen. Neben einer Reihe kleinerer Ölproduzenten sorgen die USA und Saudi Arabien mit ihren deutlich gesteigerten Produktionen für Ausgleich. Tendenziell ist die Versorgungslage als Folge der technologischen Aufrüstung der Produktionsinfrastruktur üppig. Der unerwartete Ausfall wichtiger Produzenten wie Irak und Libyen lässt den Markt aber immer wieder angespannt erscheinen. Wie gut oder angespannt die Situation wirklich ist, lässt sich dabei nicht mit Sicherheit sagen. Der Ölmarkt hat seine tiefen Geheimnisse, die sich durch keine noch so ausgeklügelte Informationstechnologie lüften lassen.

Nicht ganz so geheimnisvoll entwickelt sich die Nachfrage. Ihre Trends sind recht gut erfassbar. Technologische Sprünge wie auf der Angebotsseite gibt es nicht. Die USA als größter Verbraucher weltweit spielen auch hier eine Schlüsselrolle. Ihre Nachfrage sinkt seit 2006 tendenziell. Zum Vergleich, in Deutschland sinkt der Nachfragetrend seit 1999. Chinas Nachfrage kennt seit Anfang der 1980er Jahre nur eine Richtung, aufwärts. Global ist die Summe aller Aufwärtstrends etwas größer als die Summe aller Abwärtstrends, so dass sich Jahr für Jahr ein Nachfragewachstum ergibt. Es nimmt leicht ab.

In den letzten Jahren musste das prognostizierte Nachfragewachstum mehrfach herabkorrigiert werden. In 2012 übertraf das Angebotswachstum das Nachfragewachstum erstmals seit Jahrzehnten. Mindestens in diesem und im nächsten Jahr dürfte das erneut der Fall sein. Diese Tatsache gibt dem Ölmarkt tendenziell eine entspannte Note. Sie wird in der Preisentwicklung wiedergegeben.

Die Ölnachfrage wird als Abhängige der Konjunkturentwicklung der Länder interpretiert. Das gilt ganz besonders für die USA. Die US-Konjunktur folgt einem rückläufigen Wachstumstrend, wobei in der Art der Trendberechnung weitreichender Spielraum existiert. Wissenschaft ist nun mal nicht die Realität, insbesondere wenn sie die Zukunft betrifft. Die Zahlen seit 2004 zeigen bei verschiedenen Trendmodellen klar abwärts. Gleiches gilt für die Eurozone. Für Deutschland ergibt sich ebenfalls ein rückläufiger Wachstumstrend, allerdings sinkt er im Vergleich zu den USA und der Eurozone deutlich geringer. Ob der Abwärtstrend des US-Wachstums steiler verliefe, wenn das exzessive Gelddruckprogramm der Notenbank gestoppt werden würde, weiß man nicht. Diese Frage erübrigt sich auch, denn das Geld- und Finanzsystem würde in dem Fall mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit zusammenbrechen und jedweder Konjunkturtrend würde durch eine vollkommen neue Lage obsolet werden. Deshalb wird dieses Programm weitergehen und dem mehr oder weniger entspannten Ölmarkt ständig einen bullischen Grund liefern. Natürlich muss eines Tages etwas ganz Neues kommen, da das Gelddrucken als Dauermodell weder geschichtlich noch wissenschaftlich vorgesehen ist.

Heute Morgen zeigen die Ölbörsen ein Bild, das einen weiteren Preisanstieg erahnen lässt. Der Grund dafür lässt sich aus den dargelegten Zusammenhängen konstruieren. Dass aus der Bewegung ein Aufwärtstrend wird, erscheint mir allerdings abwegig zu sein. Eine kurze Gegenbewegung zum starken Abgang der letzten Tage ist wahrscheinlicher. Im weiteren Verlauf stünde dann Seitwärts auf dem Programm. Die Tonne Gasöl kostet 929,25 Dollar. Das Barrel Rohöl wird in New York zu 98,31 Dollar und in London zu 109,31 Dollar gehandelt. Der US-Dollar kostet 72,60 Eurocent.

Nationaler Markt

Unsere Heizölpreise haben den schönen Abgang der letzten Tage teilweise annulliert. Die Ölbörsen zwangen ihnen einen deutlichen Anstieg auf. Der Binnenmarkt erlebt eine vermutlich kurze Kaufwelle. Viele Verbraucher nutzen die Gunst der Stunde. Dadurch kann es zu leichten, undramatischen Margenerhöhungen kommen. Mit steigenden Preisen wird sich die Lage schnell wieder beruhigen. Im Vergleich zu früheren Preisschwankungen ist das alles sehr gesittet. Dieser Umstand ist auch den freundlichen Aussichten zu verdanken, denn der Trend weist weiterhin abwärts. Für spekulativ eingestellte Käufer hat sich mit dem aktuellen Preisanstieg nichts geändert. Sie können weiter hoffen und unsere Verfolgungstools im Internet oder auf dem Smartphone konsultieren. Wer auf Nummer sicher gehen will, kann immer noch beherzt ordern. Der Preis ist im Vergleich zu den letzten beiden Vorjahren empfehlenswert, wie diese Grafik zeigt. Im Übrigen sind wir der Meinung, dass es schlau ist, sich um die Reduzierung des eigenen Verbrauchs zu kümmern. Dazu empfehlen wir in einem ersten Schritt unseren e-Peilstab. Mit ihm lässt sich der Heizölverbrauch messen. Auf esytrol entsteht aus den Messungen ein Bild zur Energieintensität des eigenen Hauses. Wenn das bekannt ist, können Handlungen folgen.

Der Markt in Stichworten

preistreibende (bullische) Einflüsse auf Heizöl: Probleme in Libyen und im Irak
Fortsetzung der lockeren Geldpolitik
China bleibt auf wirtschaftlichem Expansionskurs
Einige kleinere Infrastrukturstörungen

preisdrückende (bärische) Einflüsse auf Heizöl: US-Bestandsdaten
Iran und USA reden über das Atomprogramm
Diverse Länder melden steigende Ölproduktion

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