Unseren neuen Kommentar für den 03.12.16 finden Sie hier.


Heizölpreise: Was passiert in Libyen?

Internationaler Markt

Die Gewaltausbrüche in Ägypten und mögliche Konsequenzen für unsere Ölversorgung durch Attacken auf den Suez-Kanal stehen auf der medialen Agenda. Über die für den Öltransport bedeutendere Pipeline vom Roten Meer zum Mittelmeer wird so gut wie nicht berichtet, ein für die Meinungsbildung in der Tat vernachlässigbares Detail. Keineswegs vernachlässigbar ist allerdings die Lage in Libyen, die sich als Konsequenz der ägyptischen Vorgänge zuspitzt.

Nach der geglückten Befreiung vom Gaddafi-Regime verschwand Libyen weitgehend aus der Berichterstattung. Unterstützend für diese Medienabstinenz wirkte die Rückkehr des Landes in den Normalmodus als Ölversorger Europas. Nicht zuletzt dieser Umstand half, die Ölpreise auf ein moderates Niveau zu senken. Im Schnitt pendelte der Rohölpreis Brent zuletzt 20 Prozent unter der Preisspitze während der Umsturzzeit in Libyen. So beruhigt wie die Wahrnehmung ist die Lage aber keineswegs. Das Land ist, wie die Regierung auch, tief zerstritten. Es wird mit Waffengewalt geführt. Diese Gewalt ist in vier Armeen konzentriert, die alle von der Regierung in Tripolis bezahlt werden. Gleichwohl sehen sich die Armeen unterschiedlichen Gruppen und Zielen verpflichtet.

Es gibt eine islamistische Einheit, die der Armeechef befehligt, eine liberale Einheit, der der Verteidigungsminister vorsteht, Grenztruppen, die sich als unabhängig bezeichnen und keine Befehle aus Tripolis geben lassen, sowie eine Einheit, die mit der Autonomiebewegung des Ostens sympathisiert. Der Osten, namentlich die Kyrenaika ist die Region mit den größten Ölvorkommen des Landes.

Ähnlich wie die autonomen Kurden im Irak sehen sich die Kyrenaiker als Eigentümer ihres Öls, das sie immer wieder unter eigener Regie zu Markte tragen. Die Zentralregierung versucht das zu verhindern. Eine Zeit lang konnten die Parteien mit gewissen Duldungen und Zugeständnissen einigermaßen friedlich leben. Durch die Vorgänge in Ägypten werden nun aber Emotionen geweckt. Die Lage droht zu eskalieren. Die massive Drosselung der Öllieferungen dieser Tage ist eine Folge der skizzierten Unstimmigkeiten.

Um einer Entfernung von Muslimbrüdern aus politischen Ämtern vorzubeugen, wurde die islamistische Armeeeinheit in Tripolis in Stellung gebracht. Zur Verhinderung weiterer Öllieferungen unter kyrenaischer Geschäftsordnung greift die Küstenwache nun Tanker an, die keine Ladeerlaubnis aus Tripolis haben. Die Zentralregierung hat mittlerweile Force Majeure auf die Lieferungen aus dem größten Ölhafen (Es Sider) ausgerufen. Es handelt sich dabei um die juristische Inanspruchnahme von Höherer Gewalt, mit der Schadensersatzansprüche abgewehrt werden sollen.

Das Gros libyschen Öls verschwindet also mal wieder vom Markt. Es gibt somit plausible Gründe für steigende Preise. Da das Angebot aus anderen Regionen in dieser Zeit aber recht gut und die Nachfrage vergleichsweise moderat sind, sollte eine Eskalation der Preisbildung ausbleiben. Gestern begann trotz der geschilderten Umstände sogar eine charttechnisch motivierte Abwärtskorrektur. Heute Morgen kostet die Tonne Gasöl 932,25 Dollar. Das Barrel Rohöl wird in New York zu 106,05 Dollar und in London zu 109,11 Dollar gehandelt. Der US-Dollar kostet 75,00 Eurocent.

Nationaler Markt

Unsere Heizölpreise geben nach. Die Ölbörsen weisen ihnen den Weg. Der Binnenmarkt ist nach wie vor ruhig. Er hat keinen Einfluss auf die Preisbildung. Die kurzfristigen Aussichten sind aufgrund der oben geschilderten Umstände nicht sehr freundlich. Gleichwohl ist das Angebots-Nachfrage-Verhältnis aus unserer Sicht mittel- und längerfristig ein guter Grund, um die Heizölpreise auf oder sogar ein wenig unter dem aktuellen Niveau zu halten. Wer die Spekulation ablehnt, sollte in diesen Tagen Heizöl ordern. Es kostet deutlich weniger als vor 12 Monaten. Risikobereite Verbraucher können auf den weiteren Jahresverlauf setzen. Heizöl sollte sich dann erneut in die Region von 80 Cent bei 3.000 Liter Liefermenge bewegen. Der Tipp ist ohne Gewähr. Im Übrigen sind wir der Meinung, dass es schlau ist, sich um die Reduzierung des eigenen Verbrauchs zu kümmern. Wer nicht in den zukünftigen Minderverbrauch investieren mag, könnte mit dem Kauf von Zertifikaten den CO2-Ausstoß des verfeuerten Heizöls kompensieren. Infos dazu gibt es hier.

Der Markt in Stichworten

preistreibende (bullische) Einflüsse auf Heizöl: Sorge vor Eskalation der Gewalt in Libyen und Ägypten
Force Majeur auf libysches Öl
Ein paar gute Konjunkturdaten aus Europa und USA
Fortsetzung der lockeren Geldpolitik
Einige kleinere Infrastrukturstörungen

preisdrückende (bärische) Einflüsse auf Heizöl: Gute Konjunkturzahlen schüren Sorge über Ende der lockeren Geldpolitik
Alte Industrienationen brauchen immer weniger Öl
Viele Länder melden steigende Ölproduktion
Hohes Ölangebot am Weltmarkt

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