Unseren neuen Kommentar für den 08.12.16 finden Sie hier.


Heizölpreise: Wilde Zeiten

Internationaler Markt

Wenn die Kauflust der Bürger nicht ausreicht, die Konjunktur zu beflügeln, muss man mit einem Anreizprogramm nachhelfen. Also drucken wir Geld, sagen die Notenbanker in den USA. Sie vergessen nur, das Geld unter die Leute zu bringen. Es bleibt bei den Banken stecken. Dort kann es allenfalls die Konjunktur der Finanzsysteme beflügeln. Der Realwirtschaft dient es nicht. Wenn das Geld bei den Bürgern ankäme, wäre die Lage allerdings nicht besser. Es würde eine heftige Inflation entfachen. Wie man es wendet und wie man es dreht, die Politik des lockeren Geldes hilft weder der Realwirtschaft noch dem Lebensstandard der Bürger. Sie wird für eine Parallelwelt betrieben, die über die Jahre viermal wertvoller geworden ist, als alle Waren und Leistungen der realen Welt.

Aber gibt es überhaupt den realen Wert einer Ware? Haben Öl und Gold einen intrinsischen Preis? Haben sie nicht. Weil sie ihn nicht haben, sind diese Stoffe beliebte Spielbälle der Finanzmärkte. Sie werden je nach Lage des Spiels um das große Geld teurer und billiger. Aktuell werden sie rasant schnell billiger. Die Stimmung am Spieltisch ist miserabel. Die Akteure befinden sich in einer Spirale der Wertvernichtung. Die Formulierung ist irreführend. Vernichtet wird selbstverständlich gar nichts an diesem Spieltisch mit Ausnahme der guten Stimmung. Öl und Gold sind in gleicher Menge vorhanden wie zuvor. Man weist ihnen nur kleinere Werteinheiten der Parallelwelt zu. Das ist konsequent, weil die Summe dieser Werteinheiten verringert wird. Wirklich konsequent wäre es, die Finanzsumme soweit zu verringern, dass sie mit der Summe aller Waren und Leistungen der Realwirtschaft identisch wäre. Eine solche Maßnahme würde gewaltige gefühlte Verluste bewirken. Real wäre nichts verloren, solange Waren und Leistungen auf gleichem Niveau blieben. Die Protagonisten der Parallelwelt verstehen es mit Hilfe ihres Einflusses auf die Volksvertreter, die gefühlten Verluste durch reale Unterstützung der Bürger ausgleichen zu lassen. In der Folge haben die Bürger real weniger. Man kann allerdings nicht sagen, dass unsere Protagonisten der Parallelwelt danach real mehr haben, weil sie angesichts ihres „Reichtums“ ohnehin nur in den fiktiven Werten des Finanzsystems abrechnen können. Sie würden von den Waren und Leistungen erdrückt werden, die sie durch die Wandlung ihrer fiktiven Vermögen erhielten.

Es liegt auf der Hand, dass Konjunkturen in derartigen Verhältnissen schrumpfen. Die einzige Möglichkeit, dem ohne Paradigmenwechsel zu entkommen, besteht darin, sich solchen Konjunkturen anzudienen, die natürlicherweise wachsen. So geschieht es zwischen Deutschland und China. Ein dauerhaftes Geschäftsmodell ist damit nicht aufrechtzuerhalten, weil China früher oder später in der gleichen Situation sein wird, wie die alten Industrienationen heute. Schrumpfkonjunkturen verringern ihren Rohstoffbedarf. Das ist in den USA und Europa zu beobachten. Verstärkt wird das Phänomen durch energieeffizientere Technologien. Analysten der Großbank Citigroup sprechen schon von einem bevorstehenden Peak Demand für Öl, das heißt, vom Ende der wachsenden Ölnachfrage. Die Idee ist nicht neu. Sie entfacht aber in einer Zeit ungewöhnlich stark wachsenden Ölangebots wilde Reflexe in der Parallelwelt der Finanzjongleure.

Gestern führten die Reflexe zu einem Verlust bei den Ölnotierungen von rund drei Prozent. Die Bewegungen sind derzeit heftig. Ihnen wohnt ein ordentlicher Schuss Panik inne. Heute Nacht setzte sich der Abgang fort. Aktuell läuft eine Gegenreaktion zu den Verlusten. Die Tonne Gasöl kostet 844 Dollar. Das Barrel Rohöl wird in New York zu 87,90 Dollar und in London zu 99,78 Dollar gehandelt. Der US-Dollar kostet 76,50 Eurocent.

Nationaler Markt

Unsere Heizölpreise haben einen unglaublichen Lauf. Das Wort Sturz passt besser zum Geschehen. Ursächlich sind die Vorgänge an den Ölbörsen. Der Devisenhandel trägt wenig zur Preisentwicklung im Inland bei. Mittlerweile befinden sich die Heizölpreise für 3.000 Liter Bestellmenge fast zehn Prozent unter denen des Vorjahres und fünf Prozent unter denen des Vorvorjahres. Die Geschwindigkeit des Preisrückgangs übertrifft meine Erwartungen. Jetzt wird bereits das eingefahren, was ich im Jahresverlauf wähnte. Auf dem aktuellen Preisniveau eröffnen sich neue Perspektiven. Schluss mit Abgang oder Öffnung zu neuen Tiefen lautet die Frage? Neue Tiefen sind plötzlich denkbar. Diese Spekulation ändert nichts an der Tatsache, dass derzeit eindeutig Kaufpreise vorliegen. Im Übrigen sind wir der Meinung, dass es schlau ist, sich um die Reduzierung des eigenen Verbrauchs zu kümmern. Dazu empfehlen wir in einem ersten Schritt unseren e-Peilstab. Mit ihm lässt sich der Heizölverbrauch messen. Auf esytrol entsteht aus den Messungen ein Bild zur Energieintensität des eigenen Hauses. Wenn das bekannt ist, können Handlungen folgen.

Der Markt in Stichworten

preistreibende (bullische) Einflüsse auf Heizöl: FED sieht Gelddrucken nach wie vor positiv
China wächst weiterhin
Infrastrukturstörungen erwartet
Spannungen in Nordafrika, Nahost und Nordkorea

preisdrückende (bärische) Einflüsse auf Heizöl: Schlechte Konjunkturzahlen aus den USA und China
US- und Nordseeförderungen steigen
Südsudan kehrt als Lieferant zum Markt zurück
Sehr viel Öl am Markt
EIA- und OPEC-Monatsberichte nennen schwache Nachfrage
Alte Industrienationen brauchen immer weniger Öl

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