Unseren neuen Kommentar für den 06.12.16 finden Sie hier.


Heizölpreise klemmen auf gutem Niveau

Internationaler Markt

Die Ölbörsen befinden sich in einer Art Stillhaltemodus. Man könnte die Situation auch das Gleichgewicht des Schreckens nennen. Dabei hat das Wort Schrecken nicht mehr die Dimension wie im Kalten Krieg. In einer Ausprägung liegt der Schrecken nur bei den Ölgesellschaften. Verbrauchern kann er sogar Vergnügen bereiten.

Ohne Zweifel schrecklich wäre eine Verschärfung der Ost-West-Spannungen mit Sanktionen, die den Energiesektor einschlössen. Sie hätten mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit deutlich steigende Ölpreise zufolge. Es wird zwar immer wieder betont, dass Russland in diesem Szenario der größere Verlierer wäre, weil seine Abhängigkeit von westlichen Kunden größer sei als die westliche Abhängigkeit von russischem Öl und Gas. Längerfristig könnte das zutreffen. Bis es soweit wäre, müssten allerdings gewaltige Infrastrukturmaßnahmen ergriffen werden, um den europäischen Energiefluss umzudrehen. Aus der Ost-West-Richtung müssten eine Süd-Nord- und eine West-Ost-Richtung werden. Während dieser Arbeiten würde sich Russland endgültig vom Westen abkoppeln und seinen Rohstofffluss nach Asien richten. In der Zwischenzeit ginge es allen Seiten wirtschaftlich schlechter. Russland fiele technologisch noch weiter zurück. Europa fiele noch tiefer in den Schuldensumpf.

Mit dem hat Russland kein Problem. Das Land steht auf Platz 164 in der Rangliste der Staatsverschuldung mit gerade 10 Prozent gemessen am Bruttoinlandsprodukt, Tendenz leicht fallend. Zum Vergleich, die Eurozone als Staat stünde auf Platz 17 mit einer Verschuldung von 95 Prozent, Tendenz steigend. Deutschland steht auf Platz 24 mit 82 Prozent Staatsverschuldung, Tendenz derzeit konstant. Die USA stehen auf Platz 11 mit 112 Prozent Staatsverschuldung, Tendenz steigend.

Die energiestrategische Neuausrichtung wäre derzeit denkbar, weil das globale Öl- und Gasangebot für einige Jahre üppig sein wird. Die neuen Lieferstaaten, im Wesentlichen die alten Bekannten im Nahen Osten und in Amerika, sind aber keinesfalls sicherer oder stabiler als der alte Partner Russland. Der mit dem Energiepartnerwechsel einhergehenden Wirtschaftsdelle könnte man immerhin den Scharm einer temporären Reduzierung des Klimaproblems abgewinnen.

Zur Verschärfung der Ost-West-Spannungen gibt es die Alternative, diese nicht zuzulassen. Sie wäre mindestens für Verbraucher ein freundliches Szenario, denn die Wahrscheinlichkeit wäre groß, dass das globale Ölangebot zu spürbar sinkenden Preisen führen würde. Das sollte sogar trotz einer nicht minder spürbaren Nachfragesteigerung klappen. Dabei wird angenommen, dass diese die Angebotssteigerung nicht übertreffen wird. Der Wermutstropfen für alle Weltbürger, das Klimaproblem wird immer gravierender. Sorgenfalten würde dieses Szenario aber auch in die Gesichter einiger Ölanbieter schlagen. Der erwartete Preisrückgang hätte das Zeug, die hohen Kosten der technologisch immer aufwendigeren Förderung nicht vollständig zu decken. Es würde zwangsläufig zu Pleiten und Angebotsausfällen kommen, die früher oder später steigende Preise verursachen würden. Dieser Sachverhalt hat wenig mit der Endlichkeit von Rohstoffen zu tun, die irgendwann wieder spürbar werden wird. Es handelt sich vielmehr um die ganz normale Dynamik der kapitalistischen Wirtschaftsweise mit ihrem Entstehen und Verschwinden, Gewinnen und Verlieren, Hire and Fire, unfassbarem Reichtum und unausrottbarer Armut. Im Öljargon nennt man das den Schweinezyklus des Geschäfts.

Derzeit befinden wir uns auf der guten Welle des Zyklus’. Die in diesen Tagen gehandelten Spannungen sind eine unvorhergesehene Störung. Noch haben wir diese Störung nicht als dauerhaftes Phänomen in unsere Einschätzung des Ölmarkts eingehen lassen. Wir hoffen, dass es auch nicht dazu kommen muss. Heute Morgen gibt uns der Börsenstart darin Recht. Die Notierungen schließen dort an, wo sie gestern Abend endeten. Die Tagesschwingungen sind zwar nicht berauschend. Sie liegen aber vollständig im Kanal des kurzfristigen Abwärtstrends der Ölpreise. Die Tonne Gasöl kostet aktuell 895,75 Dollar. Das Barrel Rohöl wird in New York zu 99,76 Dollar und in London zu 106,90 Dollar gehandelt. Der US-Dollar kostet 72,26 Eurocent.

Nationaler Markt

Unsere Heizölpreise geben leicht nach. Gestern kam der schwache Impuls vom Dollar. Die Ölnotierungen blieben neutral. Im Binnenmarkt sind noch ein paar regionale Anspannungen aufgrund der besseren Nachfrage der letzten Tage zu spüren, die die Preise höher halten. Insgesamt geht das Kaufinteresse aber zurück. Hier und da sind schon wieder kleine Rabatte in den Preisen, die der Kundenabstinenz entgegen wirken sollen. Die Aussichten sind durchwachsen freundlich. Das Durchwachsene ist dabei der Ost-West-Konflikt. Wer auf Preissenkungen spekulieren möchte, benötigt Risikobewusstsein, ein wenig Geduld, eine ausreichende Restmenge Heizöl im Tank und unsere zeitnahen Informationen. Mit dieser Ausrüstung ist der Erfolg zwar nicht garantiert, aber durchaus wahrscheinlich. Wer mit der Spekulation nicht glücklich ist, sollte einfach kaufen. Die Preise sind deutlich günstiger als in den letzten drei Jahren zu Frühlingsbeginn. Im Übrigen sind wir der Meinung, dass wir alle verbrauchsreduzierende Maßnahmen und Verhaltensweisen entwickeln müssen, um zukunftsfähig zu sein. Die freundliche Marktausrichtung ist kein Dauerzustand.

Der Markt in Stichworten

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