Unseren neuen Kommentar für den 11.12.16 finden Sie hier.


Heizölpreise und Politik

Internationaler Markt

Am Freitag waren die Ölbörsen geöffnet. Die Handelszahlen lassen vermuten, dass die Veranstaltungen äußerst müde verliefen, auf denen sich die anwesenden, heimatlosen Finanzjongleure nicht einmal selbst genug waren. Psychospiele mit wilden Preisexzessen blieben aus. Man folgte dem realen Markt. Der gab Heiligabend direkt vor Börsenschluss mit den US-Bestandsdaten noch einen bärischen Impuls hinein. Freitag konnte er endlich in Form sinkender Notierungen verarbeitet werden.

Wider die Logik, die Bestände zum Jahreswechsel aus Steuergründen gering zu halten, wachsen sie in diesem Jahr exponentiell an. Ein Erklärungsversuch lautet, ihr Wert ist aufgrund des Preisverfalls trotz ihres Aufbaus geringer als vor 12 Monaten und bedingt daher keine Steuerschuld. Damit ist der Weg frei, die Produktion hoch zu halten und das Öl erst einmal zu bunkern. Insgesamt sind die Lagermengen nun vier Prozent höher als vor dem letzten Jahreswechsel. Die Änderung zur Vorwoche geben DOE (Department of Energy) und API-Zahlen (American Petroleum Institute), die beiden für die Erhebungen zuständigen Institutionen, folgendermaßen an:

Rohöl: +7,3 Mio. Barrel (DOE) bzw. +5,4 Mio. Barrel (API)
Heizöl und Diesel: +2,3 Mio. Barrel (DOE) bzw. +1,1 Mio. Barrel (API)
Benzin: +4,3 Mio. Barrel (DOE) bzw. +5,5 Mio. Barrel (API)

In Summe ergibt sich ein Aufbau von 13,9 (DOE) bzw. 12,0 (API) Mio. Barrel gegenüber der Vorwoche. Die Raffinerieauslastung steht bei starken 94 Prozent.

Die US-Bestandsdaten bestätigen, was die Spatzen von den Dächern pfeifen. Es ist mehr als genug Öl da. Selbst Störungen im globalen Handel lassen sich damit gut überstehen. In Libyen nimmt die Störung nun aber doch beängstigende Ausmaße an. Dort ist nicht nur die Produktion zusammengebrochen. Dort löst sich jetzt sogar das gelagerte Öl unter Granatbeschuss in Rauch auf. Das Land befindet sich im Krieg. Wie viele Kriegsparteien es gibt, ist unübersichtlich. Die wichtigsten sind Islamisten und Nationalisten. Sie liefern sich erbitterte Gefechte, denen die Lebensgrundlagen des Landes zum Opfer fallen. Man schaue auf Syrien und ahnt, wohin sich Libyen bewegt.

Da bricht es wieder durch, das Problem zeitgemäßer Politik. In Libyen begann es mit dem Sturz Muammar al-Gaddafis. Diese Politik ist nicht in der Lage, Entwicklungen im Guten wie im Schlechten zu antizipieren. Einst wurde dafür das Wort „pragmatisch“ kreiert. Es steht für eine Handlung, die einer momentan ins Bild passenden Logik folgt. Ihr fehlt die Einordnung in den historischen und den visionären Kontext. De facto handelt es sich um ziellose Politik mit anderen Mitteln im clausewitzschen Sinn. Allen in jüngerer Zeit ausgebrochenen Kriegen, kalte Kriege und Wirtschaftssanktionen eingeschlossen, fehlt eine langfristig tragfähige Zielsetzung im Sinne der Charta der Vereinten Nationen.

Wie sehr selbst moderne Staaten in eine solche Politik verstrickt sind, offenbart sich in diesem Jahr am Beispiel des Ost-West-Konflikts um die Ukraine. Ähnlich wie in Libyen waren alle negativen Konsequenzen dieser Politik früh erkennbar. Gleichwohl wurden und werden sie in allen politischen Handlungen des Ostens und des Westens in Kauf genommen. An keiner Stelle ist ein Ausbruch aus der Spirale sinnloser Gewalt zu erkennen. Im Gegenteil, selbst die auf der Krim vollzogene friedliche Lösung eines drohenden Konflikts, der zu Tod und Zerstörung wie in der Ostukraine hätte führen können, wird als solche nicht gewürdigt, sondern vom Westen mit Wirtschaftssanktionen bekämpft. Diese werden wie alle Wirtschaftssanktionen in letzter Konsequenz vom Volk und nicht von der Politik ertragen werden müssen. Es ist bis heute nicht bekannt, dass die Bevölkerung der Krim zu Wirtschaftssanktionen aufruft, um den erneuten Wandel ihrer politischen Lebensverhältnisse herbeizuführen. Insofern sind die westlichen Maßnahmen ein Akt politischer Aggression, die nicht mit dem Selbstbestimmungsrecht der Völker vereinbar sind. Die Vorstellung, das Grenzen von Nationalstaaten durch grobe politische Macht gegen den Willen der betroffenen Bevölkerung gebildet werden, entspricht seit 1945 nicht mehr dem Völkerecht.

Aus Sicht der Ölverbraucher ist die Ukraine-Krise bisher besser gelaufen, als zu vermuten war. Die Ölpreise sind immerhin kräftig gesunken, nicht wegen, sondern trotz des Ost-West-Konflikts. Damit ist die Angelegenheit aber keineswegs geheilt. Im Gegenteil, die Klarheit, die derzeit Gewinner und Verlierer abzeichnet, wird die Spirale politischer Gewalt weitertreiben. Daran können wir kein Interesse haben. In Deutschland und in Europa sind wir mit vollkommen anderen politischen Zielen angetreten, um unsere Zukunft zu entwickeln. Diese Ziele scheinen verloren zu gehen. Das deutete sich im Umgang mit der Finanzkrise nach 2008 an und wird durch die offiziellen politischen Positionierungen im Jahr 2014 bestätigt.

An den Ölbörsen ist die Gestaltung von Zukunft in diesen Tagen kein Thema. Da wird ganz pragmatisch der Zustand „Öl im Überfluss“ gehandelt. Von Handeln kann heute Morgen allerdings kaum die Rede sein. Die Preise zeigen wenig Leben. Das wird vermutlich im Wochenverlauf so bleiben. Bewegung kommt wohl erst im neuen Jahr wieder ins Spiel. Die Tonne Gasöl kostet aktuell 542,25 Dollar . Das Barrel Rohöl wird in New York zu 55,57 Dollar und in London zu 60,19 Dollar gehandelt. Der US-Dollar kostet 0,8210 Euro . Damit kostet der Euro 1,2181 Dollar .

Nationaler Markt

Unsere Heizölpreise zeigen wenig Bewegungsdrang. Damit folgen sie im Wesentlichen den zusammengefassten Börsenvorgaben aus Öl- und Dollarnotierungen. Im kurzfristigen Bereich droht den Heizölpreisen ein Bruch des Abwärtstrends. Das entspricht nicht unbedingt der Lage am realen Markt. Es ist eher eine Folge der Bewegungslosigkeit der Preise zwischen den Jahren.

Im Binnenmarkt ist es in diesen Tagen spürbar ruhiger. Der Handel ist aber immer noch hart gefordert, zumal diese Zeit nur wenige Arbeitstage zulässt. Die Liefererzeiten sind gestiegen. Das liegt auch daran, dass im Winter und speziell um Weihnachten und Silvester mehr Eilbestellungen auflaufen als üblich. Die haben notgedrungen Vorfahrt. Logistisch sind sie Taxi- statt Busfahrten. Das heißt, sie erlauben weniger Transportmenge.

Unser Schwarm-O-Meter für Heizöl, das das Kaufverhalten der Kunden ins Verhältnis zu ihren Preisanfragen setzt, steht auf der höchsten Stufe. Mehr geht nicht angesichts der wenigen Interessenten, die nun da sind.

Der Glaube an günstigeres Heizöl ist wankelmütig. Die Lesereinschätzung zur Preisentwicklung folgt den jeweiligen Tagestendenzen. Abwärts macht Hoffnung, aufwärts dämpft diese. Zuletzt gab es diesbezüglich keine klaren Vorgaben. Folglich ist die Stimmung der Beobachter wenig euphorisch.

Das mathematische Tiefpreis-System schaltete die Kaufsignale in allen Regionen ab. Damit liegt eine Entscheidungshilfe vor. Sie lautet, kaufen Sie jetzt nicht. In der kalten Jahreszeit kommen Kunden hinzu, die keine ausgewiesenen Preisbeobachter und Schnäppchenjäger sind. Sie treffen ungeachtet der fehlenden Kaufempfehlung auf einen bemerkenswert günstigen Moment mit wunderbaren Preisen. Glückwunsch.

Die Preistrends weisen in allen Bereichen abwärts. Die Konstellation ist natürlich eine Einladung zur Spekulation auf noch mehr Abgang. Nach Lage der Dinge sollte das im weiteren Verlauf des Winters auch möglich sein. Es ist aber Respekt vor dem Wahnsinn der Ölbörsen geboten. Der tiefe Fall der Ölpreise kann bisweilen zu starken Gegenreaktionen führen.

Im Übrigen sind wir der Meinung, dass wir alle verbrauchsreduzierende Maßnahmen und Verhaltensweisen entwickeln müssen, um zukunftsfähig zu sein. Die freundliche Marktausrichtung ist kein Dauerzustand.

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