Unseren neuen Kommentar für den 04.12.16 finden Sie hier.


Japan zeigt, wie es geht

Nach der Atomkatastrophe von Fukushima wurden kurzzeitig sämtliche Atomreaktoren Japans vom Netz genommen. Strom musste partiell rationiert werden. Zur Erzeugung wurden behelfsweise andere Energieträger eingesetzt. Dadurch kam es temporär zu einer höheren Ölnachfrage des Landes. In der Bevölkerung entwickelte sich eine nie gekannte Kritik an der Atomindustrie. Die Mehrheit wünscht sich mittlerweile den Ausstieg aus der für Japan so verhängnisvollen Technologie. Dafür ist sie sogar bereit, ihre Lebensweise zu verändern. Es bleibt nicht beim Willenbekunden. Japaner handeln, weniger im Großen, eher im Kleinen, aber bemerkenswert effektiv. Sie senken ihren Energiebedarf durch Anpassungen im täglichen Leben. Einmal angefangen scheint die Bewegung nun in alle Verbrauchsbereiche vorzudringen. Die aktuelle Regierungsveröffentlichung über die Ölimporte unterstreicht dies eindrucksvoll. Im Oktober sanken sie um 25 Prozent gegenüber dem Vorjahr.

Solche Meldungen, rezessive Entwicklungen in einigen alten Industrieländern und die insgesamt müde Weltkonjunktur auf der einen Seite sowie das wachsende Ölangebot auf der anderen Seite geben dem Realmarkt einen bärische Grundton. Öl müsste eigentlich billiger werden. Dem stehen die Gewaltausbrüche im Nahen Osten entgegen. Wenn sie unterblieben, so die Vermutung, würde Zählbares bei den sinkenden Weltmarktpreisen herauskommen. Seit gestern Abend gibt es eine neue Hoffnung, dass die Waffen wenigstens in Israel und Gaza schweigen. Skepsis ist nach dem ersten gescheiterten Versuch vom Vortag natürlich angebracht.

Heute Morgen hält der Waffenstillstand dem Vernehmen nach an. Damit ist ein wichtiges Signal für nachgebende Ölnotierungen gesetzt. Dummerweise wurde gestern ein anderes Signal gesenkt. Die Daten über die US-Ölbestände weisen auf einen unerklärlich starken Rückgang in den Lagern hin. Teilweise ist er mit wiederkehrender Normalität nach dem Sturm Sandy zu erklären. Es bleibt aber ein über den Sturmeffekt hinausgehender Anteil, der zu fehlen scheint. Ein unerwartet hoher Verbrauch von Heizöl und Benzin wurde nicht gemeldet. Die Produktennachfrage der Amerikaner ist vergleichsweise schwach. Momentan dürfen sich Finanzjongleure somit über ein bullisches Signal freuen, das ihnen die Preise hoch hält, das ihnen aber mangels Plausibilität wenig Perspektive bietet. Die Bestandzahlen lauten im Einzelnen wie folgt:

Rohöl: -1,5 Mio. Barrel (DOE) bzw. -1,9 Mio. Barrel (API)
Heizöl und Diesel: -2,7 Mio. Barrel (DOE) bzw. -4,4 Mio. Barrel (API)
Benzin: -1,5 Mio. Barrel (DOE) bzw. -4,8 Mio. Barrel (API)

In Summe ergibt sich ein Abbau von 5,7 (DOE) bzw. 11,1 (API) Mio. Barrel. Die Raffinerieauslastung beträgt 86 Prozent. Das ist vor dem Hintergrund geringer Heizöl- und Dieselbestände schwach. Einschließlich der Rohölbestände ist die Bevorratung gleichwohl komfortabel, wie diese Grafik zeigt. Trotz sinkender Nachfrage liegt in den Lagern etwas mehr Öl als im Vorjahr.

An den Ölbörsen geben die Notierungen nach. Normalerweise messen wir einem solchen Umstand zu früher Stunde wenig Trendsetting bei. Angesichts der Neuigkeiten aus Nahost könnte nun aber doch eine haltbare Richtung darin stecken. Die Tonne Gasöl kostet 950,25 Dollar. Das Barrel Rohöl wird in New York zu 87,61 Dollar und in London zu 110,64 Dollar gehandelt. Der US-Dollar kostet 77,81 Eurocent.

Unsere Heizölpreise geben wieder ein wenig nach. Das liegt nicht an den Vorgaben der Öl-, sondern der Devisenbörsen. Der Euro notiert stärker. Dazu kann man nur sagen, na so was, die EU zeigt doch gerade wieder ihre Handlungsunfähigkeit in der Griechenlandfrage. Der Umstand hat nichts Beständiges. Selbst der unsichere Waffenstillstand im Nahen Osten hat da mehr zu bieten. Die Spekulation auf tiefere Heizölpreise im Verlauf des Winters gewinnt nun wieder Substanz. Sie kann aufgehen. Ihr Tank sollte hierfür wenigstens einen Brennstoffvorrat beinhalten, der bis in den Februar reicht. Im Übrigen sind wir der Meinung, dass es mehr denn je angebracht ist, sich mit der Reduzierung des eigenen Verbrauchs zu beschäftigen. Dazu empfehlen wir in einem ersten Schritt unseren elektronischen Peilstab. Mit ihm lässt sich der Heizölverbrauch messen. Auf esytrol entsteht aus den Messungen ein Bild zur Energieintensität des eigenen Hauses. Wenn das bekannt ist, können Handlungen folgen.

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