Unseren neuen Kommentar für den 06.12.16 finden Sie hier.


Kein Schwein ruft hier an

Ganz so schlimm wie bei Max Raabe ist es nicht. Aber der Markt ist schon extrem ruhig. Heizöl wird wieder billigst abgegeben. Mit dem Verzicht auf Marge versuchen viele Händler ein bisschen Geschäft zu erobern. Das können Kunden nicht mal goutieren, denn sie nehmen häufig nur die Teuerung seit dem Preistief im März zur Kenntnis. Gegenüber den grundlegenden Preisbewegungen am Weltmarkt ist der Spielraum, den der Handel zur Preisgestaltung hat, gering. Deshalb heißt es ja auch, der Moment macht den Preis und nicht der Rundruf, um den billigsten Händler aufzustöbern. Die Internetkundschaft handelt weitgehend nach der Regel des günstigen Moments. Sie hat ein bemerkenswertes Gespür für den Markt entwickelt. Clevere Börsianer sollten versuchen, daraus einen neuen Handelsindikator zu entwerfen. Der würde ihnen derzeit höchst wahrscheinlich zum Verkauf ihrer Kontrakte auf steigende Kurse raten. Denn ein Preisauftrieb findet in diesen Zeiten keine marktgerechte Begründung.

Das bestätigen auch die neuen Zahlen über die US-Lagerbestände. DOE (Department of Energy) und API (American Petroleum Institute) sind sich zwar uneinig über die tatsächliche wöchentliche Veränderung. Die absoluten Bestände geben aber beide berichtenden Instanzen als historisch hoch an. Das betrifft vor allen Dingen Rohöl und Heizöl. Folgende Bestandsbewegungen wurden bekannt gegeben:

Rohöl: +0,2 Mio. Barrel (DOE) bzw. +4,3 Mio. Barrel (API)
Heizöl und Diesel: +0,8 Mio. Barrel (DOE) bzw. -0,1 Mio. Barrel (API)
Benzin: -1,7 Mio. Barrel (DOE) bzw. -1,8 Mio. Barrel (API)

In Summe ergibt sich ein Abbau von 0,9 (DOE) bzw. ein Aufbau von 2,4 (API) Mio. Barrel. Die Importe sind höher als in der Vorwoche und tiefer als im Vorjahr. Die US-Raffinerieverfügbarkeit beträgt unverändert 84 Prozent. Das ist schlecht aber allemal genug, um die dürftige Nachfrage zu befriedigen.

Spekulanten zeigen in den letzten Tagen Nerven. Das brachte einen Preisrückgang zustande. Der wird durch die Bestandsdaten weitgehend bestätigt. Einzig Benzin könnte den Bullen etwas Lebenselixier geben. Die Bestände sind durchschnittlich, was ein rechtschaffener Spekulant zu der Behauptung „und sie brauchen doch mehr Benzin“ hinreißen wird.

Ölmarktbeobachter von OPEC und OECD sehen keinen Nachfrageschub anrollen. Sie prognostizieren einen längerfristigen Angebotsüberhang. Finanzmarktbeobachter gehen davon aus, dass nicht minder lange sehr viel Liquidität vorhanden sein wird. Damit sind die Eckpfeiler der Preisfindung abgesteckt. Vergleichsweise geringem Kaufinteresse für Öl steht hohes Interesse für Geldanlage gegenüber. Mangels alternativer Möglichkeiten und aus einer gewissen Tradition heraus ist das Anlageinteresse auf den Ölmarkt gerichtet. Dort sorgt es für absurde Preisentwicklungen. So jedenfalls muss es ein am Brennstoff interessierter Kunde sehen. Er wird auf blutige Nasen der Spekulanten hoffen. Vielleicht werden die durch ein erneutes Verlusterlebnis aus dem Markt gejagt. Wenn ihnen die Staaten und ihre Bürger die Verluste abermals erstatten, dürfte das allerdings kaum der Fall sein.

Konkret erwarten wir derzeit keine starken Preisausschläge. Der jüngste Rückgang ist für uns ein Zeichen, dass die Preise aus erwähnten fundamentalen Gründen nach oben ausgereizt sind. Nach unten werden sie aber nicht durchfallen, weil Geld in den Markt strömt und nicht umgekehrt. Heute Morgen wird das Patt in der Preisbewegung sichtbar. Die Tonne Gasöl kostet 578 Dollar. Das Barrel Rohöl kostet in New York 71,14 Dollar. Der US-Dollar wird zu 70,13 Eurocent gehandelt.

Unsere Heizölpreise haben durchaus spürbar nachgegeben. Ein wenig mehr Rückgang ist vielleicht noch möglich. Einen großen Wurf erwarten wir nicht, weil so etwas wie Panik bei den Spekulanten fehlt. Die halten noch zu stark am Ölmarkt fest. Wir halten an der Prognose fest, dass die Preise mittelfristig seitwärts tendieren werden. Für Verbraucher freundlicher klingt da sicher der Satz, heute kostet der Liter Heizöl im Schnitt 30 Cent weniger als vor einem Jahr bei einer Liefermenge von 3000 Liter. Wer demnächst Heizöl braucht, sollte es bestellen. Wer auf einem halbwegs gefüllten Tank sitzt, sollte auf bessere Momente spekulieren. Alle sollten sich um die Reduzierung ihres Verbrauchs kümmern und sich Zielsetzung und Erfolg mit dem Logbuch für den Heizölverbrauch vor Augen führen.

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