Unseren neuen Kommentar für den 10.12.16 finden Sie hier.


Keine Angst vor Horrorvisionen

Die OPEC ist diszipliniert. So sieht es jedenfalls ihr Generalsekretär Abdullah al-Badri. Die im Herbst beschlossenen Förderkürzungen von 4,2 Mio. Barrel pro Tag würden zu 80 bis 85 Prozent eingehalten. Da dennoch zu befürchten ist, dass der Preis in tiefere Regionen tendiert, könnte anlässlich des Ministertreffens am Wochenende eine weitere Kürzung beschlossen werden. Die Rede ist von 0,8 bis 1,0 Mio. Barrel pro Tag. Wenn man Disziplin nicht qualitativ preußisch sondern quantitativ skalierbar versteht, liegt Herr al-Badri richtig. Gemäß den Daten des Ölinformationsdienstes Petroleum Argus produzierte die OPEC Ende Januar knapp acht Prozent mehr Öl als per Quote zugelassen war. Ende Februar wurde die Quote nach einer Reuters-Umfrage nur noch um drei Prozent überschritten. Als besonders diszipliniert erweisen sich die arabischen Staaten innerhalb des Kartells. Nachhilfe in Disziplin benötigen der Iran und Venezuela. Aus diesen Ländern hört man üblicherweise die schärfsten Kürzungsforderungen.

Man könnte meinen, dass Herr al-Badri mit seiner Erläuterung der Lage in den letzten Tagen für Preisauftrieb sorgte. Immerhin ist Rohöl der Sorte WTI (West Texas Intermediate) binnen einer Woche um 17 Prozent teurer geworden. Zur Beschreibung des Gesamtmarkts taugt die Zahl allerdings nicht. Sie ist zu aufgeplustert. Rohöl der Sorte Brent verteuerte sich im gleichen Zeitraum um knapp fünf Prozent. Etwas mehr als fünf Prozent waren es für Gas Oil und Heating Oil. Die Heizölpreise in Deutschland stiegen kaum. Über die Ursache für den hohen Preisanstieg bei WTI darf spekuliert werden. Wahrscheinlich stecken Spekulanten dahinter. Diese stiegen nicht in den Markt ein sondern aus dem Markt aus. Denn mit dem Preisanstieg ist WTI auf ein reguläres Niveau zurückgeklettert. Es kostet nun wieder mehr als Brent, was angesichts der Qualität des Öls gerechtfertigt ist. Irregulär war der über zwei Monate andauernde Rabatt auf WTI in teilweise absurder Höhe.

Dass der Gesamtmarkt eine generelle Aufwärtstendenz bekommt, darf indes bezweifelt werden. Wahrscheinlich ist vielmehr, dass die Preise in Kürze wieder fallen werden. Denn der wichtigste Impulsgeber für die Preisbildung ist die Konjunktur. Und die befindet sich auf unabsehbar lange Zeit in einem desolaten Zustand. Mit dem Ausmaß der Krise hat niemand ernsthaft gerechnet. Aber als sei das nicht schon groß genug, wird von der IEA (Internationale Energie Agentur) die Gefahr einer noch größeren Krise beschworen. Diese träte als Folge der nun ausbleibenden Investitionen in Ölinfrastruktur ein, wenn die Wirtschaft wieder anzieht. Dann würde Öl schlagartig zu einem Mangelprodukt werden. Aberwitzig hohe Preisanstiege wären die Folge. Die Wirtschaft bräche augenblicklich wieder zusammen.

Es kann so kommen. Es muss aber nicht so kommen. Natürlich hängt die Weltwirtschaft heute am Öl. Öl ist der wichtigste Energieträger. Das wird noch lange so bleiben. Das heißt nicht, dass diese Abhängigkeit blind akzeptiert wird. Fast alle alten und neuen Industrienationen sind sich der Gefahr all zu großer Ölabhängigkeit bewusst. Nach dem politischen Wechsel ist das nun sogar in den USA, dem Mutterland des blinden Ölkonsums der Fall. Staaten und Industrie arbeiten für und an Gegenmaßnahmen. Die Entwicklung alternativer Energieträger wird gefördert. Wind, Sonne, Bio, Erdwärme und andere Medien kommen ins Spiel. Einige haben bereits heute eine nicht zu vernachlässigende Bedeutung im Angebotsportfolio. Bisher wird das größte Potenzial, die Nachfrage noch vernachlässigt. Häuser mit einem um 80 Prozent reduzierten Wärmebedarf und Fahrzeuge mit einem um 60 Prozent reduzierten Verbrauch sind keine Utopie. Sie existieren, allerdings nicht als Massenprodukte. Darüber hinaus sind soziale Veränderungen denkbar, die zu einer deutlichen Absenkung der Pendlerströme führen. Von entscheidender Bedeutung ist weniger, womit wir unseren Energiebedarf decken, sondern wie groß dieser ist.

Wenn die Nachfrage wesentlicher Aspekt einer zukunftsorientierten Energiepolitik wird, werden die Karten für die Ölpreisbildung neu gemischt. Dass genau das eines Tages der Fall sein wird, steht außer Zweifel, weil die Welt es verlangt. Die Frage ist nur, ob dies vor einer möglichen Erholung der Wirtschaft geschieht. Es ist wahrscheinlich, dass eine nachhaltige Erholung der Wirtschaft exakt ein solches Programm benötigt. Es wäre die größte Veränderung der industrialisierten Welt nach der industriellen Revolution. Und es wäre eine klare Abkehr vom „Weiter so“ mit einem ebenso klaren Bekenntnis zur Moderne. Wird ein solcher Paradigmenwechsel im Verlauf der herrschenden Krise vollzogen, würden die Ölpreise wahrscheinlich nie wieder auf die bisher erreichten Spitzenpreise steigen. Bleibt der Paradigmenwechsel aus, besteht in der Tat die Gefahr, die die IEA beklagt.

Heute Morgen kann von der Gefahr explodierender Ölpreise keine Rede sein. Vielmehr sieht es so aus, als kippte die Wellenbewegung nach unten. Die Tonne Gasöl kostet 371,75 Dollar. Das Barrel Rohöl kostet in New York 47,05 Dollar. Der Dollar wird zu 78,64 Eurocent gehandelt.

Unsere Heizölpreise sind leicht gestiegen. Dabei behalten sie Kontakt zum relativ tiefen Niveau der letzten Tage. Im weiteren Verlauf rechnen wir nicht mit nennenswert höheren Preisen. Die Wahrscheinlichkeit für neue Preistiefs ist gegeben. Die Lieferzeiten sind in den meisten Regionen noch leicht verlängert. Insgesamt nähern sie sich der Normalität an. Die Nachfrage wird vermutlich das ganze Jahr über belebt bleiben. Die Auswirkung des kalten Winters und die attraktiven Preise ziehen laufend Käufer in den Markt. Der Blick auf die Preise sollte den Blick für den Verbrauch nicht versperren. Wohl oder Wehe wird in der Zukunft am eigenen Bedarf zu messen sein. Schauen Sie hierzu mal auf www.esytrol.com.

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