Unseren neuen Kommentar für den 07.12.16 finden Sie hier.


Klug gedacht, gut gemacht

Schauen Sie auf den Ölpreis und Sie ahnen wie es um die Wirtschaft steht. Im Gegensatz zu den Aktienmärkten haussieren die Ölmärkte nicht. Der Glaube an einen Aufschwung scheint in der Realwirtschaft also nicht verankert zu sein, denn sonst wären die Ölpreise nicht am Boden hängen geblieben. An den Aktienmärkten lebt das Finanzroulette. Davon sind die Ölmärkte nicht frei, aber immerhin freier als vor einem Jahr. Deutlich ist die reine Spekulation in den Futures für Texasöl zu erkennen. Brent und die Endprodukte sind weniger betroffen. Während Texasöl über Monate unterdurchschnittlich tief bewertet wurde, steigt der Preis seit Anfang März bemerkenswert stark an. Demgegenüber hält Brent, das europäische Pendant zu Texasöl, seit Weihnachten stoisch einen Kurs, den man zwischen seitwärts und schwach abwärts ansiedeln kann. Erkennbar spekulativ geht es auch am Devisenmarkt zu. Der Dollar, den wir vor kurzem noch am Beginn eines neuen Aufwärtstrends wähnten, lässt Federn, seit die Aktienmärkte Stärke zeigen. Sobald die Party der Aktien beendet ist, wird sich die Bewegung umkehren. Dann wird der Dollar wieder als vermeintlich sicher Hafen für Geldmengen, die der Realwirtschaft entzogen wurden, angesteuert. Was fehlt, ist die Idee, eben dieses Geld wieder produktiv zum Wohle aller Menschen einzusetzen. Der Geist einer wundersamen Steigerung von Reichtum durch Verschieben von realem und vor allen Dingen virtuellem Geld ist noch nicht wieder in die Flasche zurückgeschickt.

Die OPEC bewies am Wochenende, dass sie willens ist, beim Bändigen dieses Geistes zu helfen. Statt eines Beschlusses, die Ölmengen erneut zu drosseln, um die Preise aus ihrem Tal herauszuholen, hält sie an den bestehenden Quoten fest. Es erging lediglich ein Aufruf zu mehr Quotendisziplin. Man mag einwerfen, die OPEC kann ohnehin nichts dafür tun, dass die Preise steigen, weil die aktuellen Impulse fast ausschließlich von der Nachfrageseite ausgehen. Das ist wohl wahr. Dennoch legt die pure Verzweifelung über die in vielen Fällen nicht mehr auskömmlichen Preise die Drosselung instinktiv nahe. Indem die OPEC darauf verzichtet zeigt sie Realitätssinn. Die Realität ist zwar unklar. Aber sie lässt neue Probleme erahnen, die derzeit abwegig erscheinen. Vergleicht man die in den letzten Monaten aus dem Markt herausgenommenen Angebotsmengen mit den gesunkenen Nachfrageprognosen, stellt man fest, dass sich eine Unterdeckung einstellen muss. In 2008 sank die weltweite Ölnachfrage um rund 0,5 Mio. Barrel pro Tag. Für 2009 wird ein Minus von 1,5 Mio. Barrel erwartet. Die OPEC drosselte das Angebot um annähernd 4,2 Mio. Barrel pro Tag. Darüber hinaus werden Mengen aus alten Quellen in Russland, Norwegen, Mexiko und anderen wichtigen Förderländern auf natürliche Weise sinken. Aus diesen wenigen Zahlen ergibt sich eine beängstigende Differenz zwischen Angebot und Nachfrage. Rund 2,0 Mio. Barrel Nachfragerückgang stehen weit mehr als 4,2 Mio. Barrel Angebotsverknappung gegenüber. Der Vergleich ist allerdings und glücklicherweise sehr ungenau, da die Bilanzmomente vage sind. Denn die Angebotsverknappung setzte in einem Augenblick ein, da der Welt nach heutiger Erkenntnis sehr viel Öl zur Verfügung stand. Das sah man Mitte 2008 nicht so, weil die Nachfrage unaufhaltsam zu steigen schien. Als sie nachgab, wurde deshalb gepumpt was die Quellen hergaben. Die Reduktion des Angebots wird vom Spitzenwert zur Hochzeit der Ölförderung angegeben. Die Nachfrage basiert auf Jahresbilanzzahlen. Wie die Werte schließlich zueinander stehen, muss sich noch herausstellen. In der Ölwelt ist eben alles nur Schätzung.

Nicht zuletzt solche Überlegungen veranlassten die IEA (Internationale Energie Agentur) jüngst dazu, vor einem Ölengpass und neuen Rekordpreisen in einigen Jahren zu warnen. Trotz der durchaus besorgniserregenden Aussichten darf man positiv zur Kenntnis nehmen, dass diese nicht augenblicklich Horden wild gewordener Spekulanten in den Ölmarkt lockten. Eine geänderte Einstellung sollte man dahinter allerdings nicht vermuten. Es ist wohl eher der allgemeinen Verunsicherung zu verdanken, dass uns die Pest der haltlosen Spekulation in diesen Tagen erspart bleibt.

Ein gewisses Maß an Spekulation ist selbstverständlich im Markt. Die jagt die Preise zeitweise kräftig auf und ab. Sie bleiben dabei im Mittel aber erfreulich konstant. Heute Morgen wird der gestrige Anstieg wieder annulliert. Die Tonne Gasöl kostet 370,95 Dollar. Das Barrel Rohöl kostet in New York 46,57 Dollar. Der US-Dollar wird zu 76,99 Eurocent gehandelt.

Unsere Heizölpreise gaben gestern nach. Am Ende des Tages zog der Weltmarkt sie zwar wieder ein wenig höher. Dennoch wurden in vielen Regionen neue Tiefpreise markiert. Die sollten auch heute halten. Festhalten wollen wir weiterhin an der Prognose tendenziell seitwärts entwickelnder Preise mit der Möglichkeit temporärer neuer Tiefs. Die Nachfrage im Binnenmarkt ist lebhaft, was auf die attraktiven Preise und den ungewöhnlich hohen Verbrauch im kalten Winter zurückzuführen ist. Im Gegensatz zu 2007 herrscht nun bei Verbrauchern die Tendenz, den Tank möglichst voll zu tanken. Daher werden momentan lange Lieferzeiten bevorzugt. Sie erlauben nach weiterem Verbrauch mehr Öl zu bunkern als am Tag der Bestellung. Trotz günstiger Preise empfehlen wir, sich vorausschauend mit dem eigenen Bedarf zu beschäftigen, um diesen mittelfristig zu senken. Das ist der sicherste Schutz vor zukünftigen Preiskapriolen. Schauen Sie hierzu mal auf www.esytrol.com.

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