Unseren neuen Kommentar für den 10.12.16 finden Sie hier.


Leichtes Übergewicht für steigende Preise

Die Preisbildung verläuft sehr nervös. Maßgebliche Einflussfaktoren tauschen während der Handelszeit die Rollen. Gestern setzte sich zum Ende eine bullische Sichtweise durch. Der Wintereinbruch in den USA und die vermeintlich beschlossene Mengenkürzung der OPEC gelten als ursächlich. Der Dollar verlor an Wert. Er hat nach der jüngsten Aufwärtsbewegung ein Niveau erreicht, an dem eine Umkehr wahrscheinlich ist. Die aktuelle Chartkonstellation weist einen seit Mai gültigen Seitwärtstrend in der Spanne zwischen 77 und 80 Cent für einen US$ auf.

Im Norden und Nordosten der USA soll es kalt werden. Das ist ungewöhnlich für die Jahreszeit und es steht im Widerspruch zu der Prognose eines milden Winters. Die Börse reagiert auf die Wettervorhersage mit steigenden Kursen für Heizöl und Gasöl. Da die Lager in den USA prall gefüllt sind, sollte der bullische Einfluss des Wetters selbst bei einer Bestätigung der Prognose keine große Bedeutung behalten.

Die OPEC wird am kommenden Donnerstag ein Nottreffen der Minister abhalten, auf dem die Ausstoßkürzung um mindestens einen Mio. Barrel pro Tag und die Quotenverteilung beschlossen werden soll. Dass das gelingt, gilt als zweifelhaft. Saudi Arabien hat sich bisher aus der Diskussion herausgehalten. Das Land ist der spiritus rector innerhalb des Kartells.

Steigende Preise waren gestern nicht zwangsläufig zu erwarten. Während des Tages wurde eine neue Nachfrageprognose der OPEC veröffentlicht. Gegenüber der vorhergehenden Studie wird der diesjährige Bedarf abermals gesenkt. Wie die Einschätzungen anderer Institutionen führt auch dieses Papier zum Schluss, dass die aktuelle Versorgung außerordentlich komfortabel ist. Erhöhte Nachfrage kommt fast ausschließlich aus China.

Die großen Spekulanten haben ihre Positionen in den letzten Wochen auf neutral gesetzt. Der Ölmarkt erscheint ihnen allerdings weiterhin interessant zu sein. Die Anzahl gehaltener Kontrakte ist nach wie vor sehr hoch.

Charttechnisch ist die Preisbewegung an einem Scheideweg. In Kürze wird eine Richtungsfestlegung erwartet. Aktuell gibt es ein leichtes Übergewicht für eine bullische Entscheidung. Analysten betonen allerdings, dass die Charttechnik gegenüber den fundamentalen Einflüssen nicht sonderlich resistent ist.

In der Diskussion um die zukünftige Preisentwicklung nimmt das Thema Effizienz eine immer größere Rolle ein. Es tangiert die Klimaproblematik gleichermaßen. In Deutschland nahm man sich der Thematik auf dem Energiegipfel im Kanzleramt an. Mit einer ambitionierten Effizienzstrategie ließen sich 80 Prozent aller energie- und klimapolitischen Herausforderungen lösen. Die Kanzlerin gab das Ziel aus, die Energieeffizienz bis 2010 zu verdoppeln. Als Referenz dient das Jahr 1990. Die Deutsche Energieagentur (Dena) hat berechnet, dass sich der Stromverbrauch in den kommenden 15 Jahren um knapp 10 Prozent, der Wärmebedarf von Gebäuden um knapp 20 Prozent und der Treibstoffverbrauch im Verkehr um 5 Prozent senken lässt. Das hohe Potenzial bei der Raumwärme resultiert aus ihrem Anteil am Gesamtverbrauch. Fast die Hälfte der Primärenergie wird verheizt.

Verbraucher heben mit Wärmedämmung und einer neuen Heizung ein erhebliches Einsparpotenzial bei den Wärmekosten. Dabei ist weniger die Suche nach dem billigen Wärmeträger entscheidend sondern die Effizienz der Anlage. Das billige Heizmaterial gibt es nicht, wie die Preisentwicklung bei dem billig geredeten Heizen mit Holzpellets zeigt. Ihr Preis ist in den letzten 12 Monaten um 50 bis 100 Prozent gestiegen. Einzig das Heizen mit selbst aufbereitetem Festholz ist für den Kleinverbraucher billig. Es ist allerdings eine Umweltverschmutzung ersten Ranges. Öl- und Gasheizungen mit geringem Verbrauch in Kombination mit Sonnenkollektoren liegen bei der Effizienz vorn. Heizöl ist z.Z. günstiger als Erdgas. Das sollte auch bei einem möglichen Preisanstieg in den kommenden Monaten so bleiben.

Heute Morgen zieht der Gasölpreis an. Die Tonne kostet 556,75 $. Das ist der höchste Preis seit einem Monat.

Unsere Heizölpreise steigen moderat. Bei nennenswert anziehenden Weltmarktpreisen geben sie einen Teil der hohen Marge, die die Industrie zuletzt aufbauen konnte, ab. Die Nachfrage geht langsam zurück. Die Auftragsbücher des Handels sind immer noch voll. Daher sind die Lieferzeiten übermäßig lang. Bei der weiteren Preisentwicklung ist jede Richtung möglich. Aktuell ist ein leichter Anstieg die wahrscheinlichste Richtung.

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