Unseren neuen Kommentar für den 07.12.16 finden Sie hier.


OPEC-Staaten sind begehrlich

Die Preise befinden sich wieder im Aufwärtstrend. Technisch sind in Kürze Werte deutlich über 100 Dollar zu erwarten. Ob diese tatsächlich eintreten, hängt wesentlich vom Befinden der US-Konjunktur ab. Wenn sie in einer Rezession steckt, sinkt die Chance für höhere Preise. Dann könnten die Notierungen auf 80 Dollar oder tiefer fallen. Das möchte die OPEC verhindern. Daher diskutieren ihre Mitglieder die Möglichkeit einer Lieferkürzung. Mit dem Preis sind die Begehrlichkeiten ebenfalls gestiegen. Noch vor drei Jahren nannte die OPEC eine Spanne von 22 bis 28 Dollar als Zielkorridor für das Barrel Öl. Damals betrug der Preis bereits über 50 Dollar. Nachdem man sich im Frühjahr 2005 offiziell von dem aus den späten 1990er Jahren stammenden Preisbandsystem verabschiedet hatte, war der Damm der Zurückhaltung gebrochen.

Wir verbrauchen mehr Öl als wird fördern. Das ist seit Beginn der 1980er Jahre so. Dennoch geht uns das Öl noch nicht aus. Differenzen werden u.a. über Gewinne bei der Raffinierung gedeckt. Die Förderung liegt über den neu entdeckten Reserven. Dieser Umstand ist langfristig nicht haltbar. Er zeigt, dass das Öl tendenziell knapper werden wird. Aktuell reichen die Reserven 40 bis 50 Jahre. Die Zahl könnte durchaus noch lange Bestand haben. Das wird aber nur bei steigenden Preisen zutreffen. Denn die Ölfunde werden immer teurer. Sie befinden sich tiefer in der Erde und unter dem Meer oder sie sind in Sand gebunden, aus dem sie extrem aufwendig heraus gewaschen werden müssen. An diesem Umstand führt selbst in den OPEC-Staaten nichts vorbei, die in der Vergangenheit extrem günstig an das Öl herankamen. Sie verfügen über drei Viertel der Weltölreserven. Seit 1960 bemüht sich das Kartell, auf den Preis Einfluss zu nehmen. Nachdem die US-Förderung ab 1970 kräftig nachgab, hatte das Vorhaben teilweise Erfolg. Da mittlerweile die Förderung vieler Nicht-OPEC-Staaten rückläufig ist, wird die Möglichkeit, auf den Preis bestimmend einzuwirken, größer.

Seit 2003 steigt der Ölpreis nahezu kontinuierlich. Der Beginn dieses Teils der Preisbewegung fällt mit der Erkenntnis zusammen, dass die Invasion des Iraks ein Fehler war. Der Traum vom leicht zu beschaffenden Öl war zu Ende. Dazu kommt der wachsende Bedarf eines großen Teils der Weltbevölkerung, der unseren Lebensstil kopieren möchte. Die Leute kommen sehr spät auf eine Party, auf der die Flaschen bereits ziemlich leer sind. Mit der Erkenntnis, dass Angebot und Nachfrage nicht mehr zusammenpassen können, setzen Spekulanten nun auf steigende Preise. Je mehr Erfolg sie dabei haben, um so mehr Gleichgesinnte ziehen sie nach. So wird die Prophezeiung steigender Preise selbst erfüllt.

Einige dieser Spekulanten sagen einen baldigen Anstieg auf 200 Dollar voraus, weil die Produktion nicht mehr steigerbar ist. Andere prognostizieren einen herben Preisrückschlag, weil die Wirtschaft am Ölpreis Schaden nehmen wird und dann plötzlich zu viel Öl produziert wird.

Mittlerweile hat sich die Hoffnung breit gemacht, dass der Energiebedarf über nachwachsende Rohstoffe gedeckt werden kann. Politisch kommt dieser Idee viel Unterstützung zu. Denn der Traum vom unendlichen Verbrauchswachstum ist in den Industrieländern seit Jahrzehnten Staatsdoktrin. Doch bereits kurz nach dem Start in eine pflanzliche energetische Zukunft macht sich die Erkenntnis breit, dass damit noch viel verheerendere Folgen für den armen Teil der Erdbevölkerung verbunden sind als mit der Nutzung von Öl und Gas. Aber nicht nur die Armen werden über Lebensmittelpreise, die so schnell steigen wie der Ölpreis, betroffen sein. Weil der Anbau von Pflanzen, aus denen neben Lebensmitteln auch Treibstoffe gewonnen werden können, ein weiterer Grund ist, den Regenwald zu roden, verschwindet dieser noch schneller als bisher. Er fehlt dem Erdklima zur Erholung. Darüber hinaus wird die Atmosphäre mit weiteren gefährlichen Klimagasen belastet, die aus den neuen Anbauflächen für schnell wachsende Pflanzen entweichen. Die Bio-Idee ist nach aktuellem Erkenntnisstand weitaus umweltschädlicher als die Nutzung konventioneller Energieträger. Da letzte aber bald in immer geringeren Mengen zur Verfügung stehen werden, führt kein Weg an der Senkung des Verbrauchs über Steigerung der Effizienz vorbei. Und dann ist da noch die Sonne. Gegen ihre intensive Nutzung spricht gar nichts. Im Gegenteil, ihre Energie gelangt vollkommen unabhängig vom Menschenwillen in viel größeren Mengen auf die Erde als alle anderen Energien zusammen. Das ist selbst im wolkenreichen Deutschland der Fall.

Bis Ihr Haus nennenswert durch die Sonne beheizt wird, ist es sinnvoll den Ölpreis zu verfolgen, weil sich immer wieder tiefere Preise einstellen werden. Danach sieht es momentan nur bedingt aus. Heute Morgen kostet die Tonne Gasöl 900,00 Dollar. Das ist immerhin weniger als gestern Früh.

Unsere Heizölpreise geben etwas nach. Ihr Trend weist allerdings aufwärts. Die Aussichten für die kommenden Tage sehen charttechnisch nicht gut aus. Es muss mit weiteren Preissteigerungen gerechnet werden. Eine Gegenanzeige könnte allenfalls über die heiße Diskussion um eine Rezession in den USA kommen. Mit der Aussicht, dass die Preise längerfristig steigen, ist der Kauf einer Teilmenge keine Lösung mehr. Im Gegenteil, er verteuert die Heizölrechung zusätzlich.

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