Unseren neuen Kommentar für den 05.12.16 finden Sie hier.


Rohöl kostet über 60$

Heute Morgen wurden Futures auf Texas Rohöl zur Lieferung im nächsten Monat deutlich über 60$ pro Barrel gehandelt. Damit ist der erwartete Durchbruch durch die psychologische Marke Geschichte. Die Preise werden in den kommenden Monaten neue Höhen erreichen. Der Dollarkurs gab nach schlechten Daten über Auftragseingänge für langlebige Güter in den USA und nach einer Absage des EZB-Präsidenten zu Zinssenkungen im Euroraum nach.

Verbraucher sind durch das historisch hohe Preisniveau und weitere Preissteigerungen verärgert. Emotionen lassen sich leichter als üblich in Wallungen bringen. Ein beliebter Moment für die Medien, sich des Themas anzunehmen und das Publikum mit neuen Höchstpreisphantasien zu schocken. Die werden u.a. durch den Chef der Abteilung für Umwelt und Ressourcenökonomie des Kieler Instituts für Weltwirtschaft (IfW) bedient. Er hält Preise über 100$ pro Barrel für möglich, wenn die Weltwirtschaft weiterhin Wachstumsraten über 3% zeigt, der Terror im Irak auf Saudi Arabien überschwappt und Russland weniger Öl fördert. Natürlich ist alles möglich. Wahrscheinlich ist es allerdings nicht. Wenn Rohöl wirklich 100$ oder mehr kostet, wird die Weltwirtschaft kaum ohne gewaltige Wachstumsdelle davonkommen.

Wann und unter welchen Umständen der Rohölpreis über 100$ steigt, ist für Verbraucher derzeit irrelevant. Zudem ist es schade, dass sich die Medien jetzt des Themas bemächtigen und dies nicht beispielsweise Anfang Mai taten. Damals war das, was jetzt Aktualität ist, absehbar. Damals hätte die Information Verbrauchern helfen können, einigermaßen preisgünstig Heizöl einzukaufen. Mittlerweile sind die Preise im Schnitt bei 3000 Liter Liefermenge um 20% gestiegen. Heute wird die Frage gestellt, wann sollen Verbraucher Heizöl kaufen? Die ehrliche Antwort lautet, sie hätten bereits kaufen sollen. Die der Lage gerecht werdende Antwort lautet, je eher desto besser, wenn ein Bedarf innerhalb der nächsten 5 Monate aufläuft. U.U. sogar ohne einschränkendes Wenn.

Zur Erläuterung: Die Preise werden durch zu geringe Raffineriekapazitäten bei gleichzeitiger Steigerung des Benzin- und vor allen Dingen des Heizöl- und Dieselverbrauchs getrieben. Die Angst, dass die Versorgung zum Winter nicht ausreichen könnte, geht um. Motor des Preisgeschehens ist der Heizöl- und Dieselmarkt. Er weist den größten Verbrauchszuwachs auf. Rohöl als wichtigster Handelsstoff an den Börsen kann sich der Preisentwicklung nicht entziehen. Er wird mit in die Höhe geschleppt.

Die OPEC kann, wenn es überhaupt gelingt, nur den Rohölpreis beeinflussen, indem sie an den Liefermengen dreht. Dieses Instrument, das in der Vergangenheit teilweise prächtig funktionierte, ist inzwischen untauglich geworden. Einerseits weil die reale Förderung die nominelle Förderung ohnehin überschreitet. Eine Quotenänderung bleibt daher eine folgenlose Zahl auf dem Papier. Anderseits weil die Rohölmenge nicht den Mangel bei der Produktenherstellung behebt. Mehr Rohöl staut sich allenfalls in den Tanklagern der Raffinerien. Durch den zu engen Flaschenhals der Produktion gelangt es nicht schneller als Treib- oder Brennstoff zum Kunden.

Der seit geraumer Zeit absehbaren Lage zum Trotz findet im Großverbraucherland USA kein massiver Aufbau der Raffineriekapazitäten statt. Die Situation wird sich also noch verschärfen. Einen nennenswerten Ausbau von Raffinerien gibt es lediglich in Asien. Dort ist man sich bewusst, dass die Wirtschaft nur weiter wachsen kann, wenn der nötige Treibstoff fließt. In Deutschland werden ebenfalls keine Raffinerien gebaut. Das ist aus nationaler Sicht auch nicht nötig. Denn wir gehen mit unserer Energie so effizient um, dass der Verbrauch in 2004 gegen über 2003 sogar um 1,3% sank.

Effizienz wäre auch für andere Länder insbesondere die USA und China der Königsweg und die Alternative zu massiven Raffinerieneubauten. In den USA fehlen derzeit 2 Mio. Barrel pro Tag an Raffinerieleistung. Um diese Fehlmenge zu decken, wäre beispielsweise eine Senkung des Verbrauchs der spritfressenden Straßenkreuzer um 20% ausreichend. Heute beträgt der sogenannte Flottenverbrauch in den USA 12 Liter pro 100 Kilometer. In Deutschland liegt er bei ca. 7 Liter pro 100 Kilometer und das ohne Geschwindigkeitsbeschränkung auf den Autobahnen. Die Differenz beträgt fast 42%. Chinas gigantisches Produktionswachstum basiert zum großen Teil auf Strom, der mit Dieselaggregaten erzeugt wird. Gegenüber der hierzulande üblichen Stromerzeugung ist das eine Ressourcenverwendung gewaltigen Ausmaßes. Es lassen sich für uns unbezifferbare Barrels an Treib- und Brennstoff einsparen, wenn das elektrische Netz auf den üblichen Stand der Technik gebracht ist.

Man sollte nicht bezweifeln, dass in den kommenden Jahren mehrere Umstände die Versorgungszusammenhänge neu gestalten werden. Raffinerien werden gebaut, Flottenverbräuche werden gesenkt, alternative Energien werden weiter ausgebaut und die Wirtschaft wird eventuell einbrechen, weil Öl zwischenzeitlich zu teurer wird. Aber mit fortschreitender Veränderung wird es auch wieder billiger werden. Darauf sollten Verbraucher, die ihr Haus warm halten möchten, derzeit nicht spekulieren. Momentan gibt es nur eine realistische Chance auf Preisminderung. Die kommt, wenn man an den Börsen feststellt, dass im nächsten Winter wider aller Sorgen ausreichend Heizöl vorhanden sein wird. Allerdings könnten die Preise bis zum Einbruch so hoch gestiegen sein, dass das folgende Tief noch über den aktuellen Preisen liegt.

Heute Morgen verteuert sich Gasöl kräftig. Das sollte durchaus als Zeichen für den weiteren Gang der Preisbewegung gewertet werden. Die Tonne kostet 527$.

Unsere Heizölpreise halten sich zum Tagesbeginn noch relativ gut. Sie werden sich aber gegen den Auftrieb vom Weltmarkt nicht wehren können. Da wir mit weiterer Teuerung in den kommenden Monaten rechnen, halten wir es für sinnvoll, sich lieber früher als später mit Heizöl einzudecken. Die Aussage machen wir, obwohl die Preise aktuell sehr hoch sind.

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