Unseren neuen Kommentar für den 04.12.16 finden Sie hier.


Ruhe vor einem Sturm?

Bei hohen Ausschlägen pendeln die Ölpreise in diesen Tagen seitwärts. Der längerfristige Trend zeigt unmissverständlich aufwärts. Diesem Trend entsprechen die Erwartungen an die Ölpreisentwicklung im Jahr 2011. Dabei sind die von Fachleuten formulierten Preisziele relativ moderat. Sie liegen zwischen 100 und 105 Dollar pro Barrel. Derzeit kostet Rohöl in New York gut 90 Dollar. Bei Erfüllung der Prognose liefe das auf eine Preissteigerung von 16 Prozent hinaus. Die Erfahrung aus der Zeit vor der Finanzkrise lehrt, dass derartige Prognosen in Zeiten positiver Investmentbedingungen zu konservativ sind. Das ist aus Sicht des Verkäufers zwar sinnvoll, weil er in seiner Geschäftsplanung auf der sicheren Seite liegt. Käufern wird hingegen eine geschönte Lage präsentiert.

Die Investmentbedingungen werden allgemein als äußerst positiv eingeschätzt. Geld steht in Hülle und Fülle zur Verfügung. Anlagen für dieses Geld sind knapp. Nachdem Staatsanleihen als Ziel für Finanzanlagen einen dramatischen Sympathieverlust erlitten haben, werden Aktien und Rohstoffe immer beliebter. Solange das Finanzsystem hält, werden diese Anlagen quasi mit eingebauter Gewinngarantie gehandelt. Für den Konsum steht ebenfalls Geld zur Verfügung. Damit wird beispielsweise die Ölnachfrage gesteigert. Das geschieht im Wesentlichen in den Schwellenländern. In den alten Industrienationen wird es kein nennenswertes Konsumwachstum geben. Weder existieren hierfür die notwendigen neuen Kaufanreize noch sind Konsumenten bereit, sich wie früher hemmungslos zu verschulden. Nach den Erfahrungen mit der Finanzkrise wurde das Sparen als Alternative zum Kaufrausch entdeckt. Das geschieht in den USA freiwillig. In einigen EU-Staaten ist es Folge staatlichen Zwangs. Ein Anwachsen der Ölnachfrage wird auch ohne die alten Konsumtreiber erwartet. Dieser Umstand ist Finanzjongleuren Anlass genug, ihr um ein Vielfaches größeres Geldvolumen als es Konsumenten zur Verfügung steht zur Manipulation von Rohstoffpreisen einzusetzen.

Als Gegenanzeige zu steigenden Ölpreisen gibt es nur zwei Szenarien, der erneute Finanzcrash oder die Abkehr vom Konsumismus. Der Finanzcrash wird kommen. In 2011 wird das allerdings kaum der Fall sein. Und auch danach ist jede Datierung hoch spekulativ. Die Abkehr vom Konsumismus mit reduzierender Wirkung auf Öl- und andere Rohstoffströme ist solange utopisch, wie das westliche Konsummodell anderen Ländern als Vorbild dient.

Als Argument für steigende Ölpreise funktionieren mittlerweile auch wieder US-Konjunkturdaten. Die Unterstützung der Notenbank, die einen nicht endenden Liquiditätsschwall in den Markt pumpt, erreicht zum Teil die Realwirtschaft. Als Resultat kommen weniger schlechte und sogar gute Wirtschaftszahlen in immer dichterer Folge auf den Tisch. Sie verhelfen vor allen Dingen der Finanzszene zu einem Stimmungshoch. Eher uninspirierend, aber nicht uninformativ sind die neuen Zahlen aus den US-Tanklagern. DOE (Department of Energy) und API (American Petroleum Institute) berichten übereinstimmend von Abbauten in den Rohöllagern und Zunahmen in den Produktenlagern. Ihre Zahlen lauten wie folgt:

Rohöl: -4,1 Mio. Barrel (DOE) bzw. -7,5 Mio. Barrel (API)
Heizöl und Diesel: +1,1 Mio. Barrel (DOE) bzw. +2,2 Mio. Barrel (API)
Benzin: +3,3 Mio. Barrel (DOE) bzw. +5,6 Mio. Barrel (API)

In Summe ergibt sich ein Aufbau von 0,3 Mio. Barrel. Die US-Importe sind geringer als in der Vorwoche und im Vorjahr. Die Raffinerieauslastung beträgt unverändert 88 Prozent. Die Produkte werden zurzeit weniger nachgefragt, weil das Wetter in den USA das öffentliche Leben bremst.

Heute Morgen ist aus preislicher Sicht gar nichts los. An den Börsen herrscht untypische Ruhe. Eine Tagesdevise ist nicht deutbar. Die Tonne Gasöl kostet 777 Dollar. Das Barrel Rohöl kostet in New York 90,29 Dollar und in London 95,33 Dollar. Der US-Dollar wird zu 76,22 Eurocent gehandelt.

Unsere Heizölpreise legten gestern kräftig zu. Öl- und Dollarnotierungen bewegten sich in die gleiche Richtung. Eine kurzfristige Tendenz ist daraus nicht ableitbar. Auf Sicht weniger Tage befinden sich beide für den Heizölpreis relevanten Komponenten im Seitwärtstrend. Solange das so ist, wird es auch fallende Heizölpreise geben. Der Langfristtrend des Öls spricht auf Sicht von Wochen und Monaten allerdings klar für steigende Heizölpreise. Daraus folgen die Schlüsse „lieber früher als später kaufen“ und „der Kauf wird eher durch den Füllstand im Tank als durch den Marktpreis ausgelöst“, denn Marktpreise, die als attraktiv empfunden werden, sind derzeit nicht in Sicht. Im Übrigen sind wir der Meinung, dass es mehr denn je angebracht ist, sich mit der Reduzierung des eigenen Verbrauchs zu beschäftigen. Dazu empfehlen wir www.esytrol.com.

Teilen Sie uns Ihre Meinung mit!

Uns ist Ihre Meinung wichtig. Schreiben Sie mir direkt unter
E-Mail: KlausBergmann@esyoil.com

Presse-Kontakt

Weitere Informationen