Unseren neuen Kommentar für den 11.12.16 finden Sie hier.


Stärker denn je

Der Ölpreis wurde gestern auf eine exorbitante Höhe katapultiert. Der Start der denkwürdigen Rallye erfolgte mit Eröffnung der New Yorker Terminbörse. Die Booster der Preisbewegung wurden durch eigentlich unspektakuläre US-Bestandsdaten gezündet. Im weiteren Verlauf verlor der Preis nach zwei zusätzlichen Schüben jedwede Bindung an die Realität. Bei 82 Dollar pro Barrel war das Feuer schließlich abgefackelt. Vollkommen saturierte Spekulanten fuhren Gewinne ein. Dadurch büßte der Preis ein wenig an Höhe ein.

Begründet wird die Nummer mit dem sinkenden Dollar. Ein Euro war zeitweise mehr als die inspirierende Zahl von 1,50 Dollar wert. Ein weiteres Argument ist die Hoffnung auf Wirtschaftserholung. Es wird allerdings eingeräumt, dass die Ölnachfrage immer noch nicht in Gang gekommen ist. In den USA soll es kalt werden, sogar sehr kalt. Mehr als eine Wettervorhersage ist das derzeit nicht. Der Atomstreit mit dem Iran wird gerne als Argument ins Spiel geworfen. Ein Totalausfall der Lieferungen könnte ohne Probleme von Saudi Arabien kompensiert werden. Schließlich mussten die schon erwähnten US-Bestandsdaten als Grund herhalten.

Das was DOE (Department of Energy) und API (American Petroleum Institute) zum Thema präsentierten, liest sich nur bei sehr oberflächlicher Betrachtung ansatzweise bullisch. Genau genommen hat nur ein Datum, nämlich die Benzinzahl des DOE das Zeug, überhaupt etwas Phantasie anzuregen. Alles in allem ist den Daten nicht mehr abzugewinnen, als ohnehin erwartet wurde. Die Zahlen im Überblick:

Rohöl: +1,3 Mio. Barrel (DOE) bzw. +3,8 Mio. Barrel (API)
Heizöl und Diesel: -0,8 Mio. Barrel (DOE) bzw. -1,0 Mio. Barrel (API)
Benzin: -2,2 Mio. Barrel (DOE) bzw. -0,6 Mio. Barrel (API)

In Summe ergibt sich ein Abbau von 1,7 (DOE) bzw. ein Aufbau von 2,2 (API) Mio. Barrel. Die Raffinerieverfügbarkeit steht weiterhin bei ganz schwachen 81 Prozent. Mehr als die damit produzierbaren Heizöl- und Benzinmengen braucht die US-Bevölkerung nicht. Die Importe sind erheblich geringer als in der Vorwoche und im Vorjahr. Dieser Umstand ist die eigentliche Überraschung. Dass die Einfuhr von Öl und Ölprodukten auf ein historisches Tief gefallen ist, steht in keinem sinnvollen Zusammenhang mit der viel zitierten Erholungserwartung zur Konjunktur. Einzig die Tatsache, dass der als zu hoch eingestufte Ölpreis nun zu Kaufzurückhaltung seitens der Ölgesellschaften führt, lässt Verknappungsphantasien am langen Ende zu. Die in der Finanzindustrie so gut funktionierende selbsterfüllende Prophezeiung der hohen Preise festigt offensichtlich ihren niederschmetternden Einfluss auf die Realwirtschaft.

Alle für einen Ölpreisanstieg ins Feld geführten Argumente, die die vitale Marktlage mit Angebot und Nachfrage betreffen, erweisen sich bei genauer Betrachtung als derart schwach, dass sich der aktuelle Preis daraus definitiv nicht ableiten lässt. Einzig das ungebändigte Interesse der Finanzindustrie an der Wertsteigerung ihrer rein spekulativen Einsätze kann das Geschehen erklären. Banker und Spekulanten haben stärker noch als vor der Krise die Gewalt über die Preisbildung an sich gerissen. Dessen ist man sich zumindest in der US-Regierung bewusst. Dort scheint man sogar ehrlich bemüht zu sein, die Krake zu bändigen. Um die Erfolgsaussichten steht es allerdings nicht gut. Im Falle der Ölpreise wird die entscheidende Schlacht in der Terminmarktaufsicht CFTC geschlagen. Der Chef Garry Gensler will die Spekulanten, die über weit höhere finanzielle Macht verfügen als der physische Ölmarkt wert ist, an die Kette legen. Er ist zwar Chef, aber kann nicht allein entscheiden. Entschieden wird über die Frage der Positionsbegrenzung, also die Limitierung der Spekulationseinsätze, in einem fünfköpfigen Gremium. Und das ist so gespalten wie die amerikanische Gesellschaft. Die Gegner der Limitierung plädieren weiterhin für die Nichtregulierung der Finanzindustrie. Sie wollen damit einem Machtzuwachs der britischen Finanzbranche entgegentreten, die alle Bestrebungen einer Limitierung in ihrem Einflussbereich blockiert. Es ist nicht zu erwarten, dass sich die Handhabe der Banken in Großbritannien, wo zwölf Prozent des Volkseinkommens aus diesem Sektor stammen, ändern wird. (In Deutschland kommen gut drei Prozent des BIP aus dem Bankensektor.) Damit steht es um die weltweit erforderliche Regulierung des Finanzsystems ganz schlecht. Den Moment, in dem das möglich war, hat die Politik verschlafen. Nun ist es zu spät. Der Lauf der Dinge wird ähnlich erfolgen wie vor der Finanzkrise. Die Steilheit der Preisbewegungen wird wohl noch größer werden.

Der Ölpreis könnte in Zukunft durchaus einen Einbruch erfahren. Wir sehen dazu gegenwärtig zwar kein Potenzial. Extreme Schwankungen sind aber für hochspekulative Systeme charakteristisch. Längerfristig muss man mehr denn je mit neuen Hochpreisexzessen rechnen. Die einzige Chance, diese auszuschließen, liegt in den Händen der US-Terminmarktaufsicht, mal abgesehen von einem erneuten Finanzkollaps. Heute Morgen verhalten sich die Bullen nach ihrem gestrigen Rausch ruhig. Noch ist keine Fortsetzung der Aufwärtsbewegung zu erkennen. Eine Gegenbewegung zum Preisirrsinn wäre allemal fällig. Am weiteren Preisanstieg zweifeln wir allerdings nach Lage der Dinge nicht mehr. Die Tonne Gasöl kostet 645,50 Dollar. Das Barrel Rohöl kostet in New York 80,90 Dollar. Der US-Dollar wird zu 66,72 Eurocent gehandelt.

Unsere Heizölpreise werden vom Weltmarkt nach oben befohlen. Der sinkende Dollar ist dagegen Makulatur. Man darf auf etwas Korrektur durch eine Gegenbewegung hoffen. Die übergeordnete Preisbildung ist allerdings fest in den Händen der Finanzwirtschaft. Und die sorgt im Eigeninteresse für weiteren Auftrieb. Der übertrifft die Preiseinflüsse des Binnenmarkts bei weitem. Die über Wasser transportierten Ölmengen stehen immer noch unter Niedrigpegeleinfluss. Im Übrigen sind wir der Meinung, dass es mehr denn je angebracht ist, sich mit der Reduzierung des eigenen Verbrauchs zu beschäftigen. Dazu empfehlen wir www.esytrol.com.

Teilen Sie uns Ihre Meinung mit!

Uns ist Ihre Meinung wichtig. Schreiben Sie mir direkt unter
E-Mail: KlausBergmann@esyoil.com

Presse-Kontakt

Weitere Informationen