Unseren neuen Kommentar für den 10.12.16 finden Sie hier.


Sturm abgesagt, Markt erleichtert

Der nächste Sturm aus der Karibik ist nicht bedrohlich. Diese Nachricht nahm den Aufwärtsdrang aus den Preisen. Die IEA (Internationale Energie Agentur) veröffentlichte einen beruhigenden Monatsbericht und die US-Vorratszahlen wurden mit Wohlwollen aufgenommen. Urlaub für den Aufwärtstrend. Der Dollar schnellte allerdings in die Höhe, weil das Handelsbilanzdefizit der USA überraschend und deutlich gesunken ist.

Die Ölanlagen im Golf von Mexiko werden durch den Wirbelsturm Emily nicht gefährdet. Sie können nach aktuellen Erkenntnissen ihren Betrieb ungehindert fortsetzten. Stürme vor der US-Küste sind z.Z. die Verstärker der Preisbewegung. Dieses Mal wird keine Schwingung angefacht.

Der aktuelle Monatsbericht der IEA liest sich wie eine beruhigende Botschaft an die Marktteilnehmer. Der Kernsatz lautet, der Verbrauch steigt geringer als befürchtet. Der prognostizierte durchschnittliche Jahreserbrauch wurde um gut 0,4 Mio. Barrel pro Tag zurückgenommen. China und die USA hätten die Bremse beim Verbrauchswachstum angelegt, das weltweit mit 2,1% für das nächste Jahr angegeben wird. In diesem Jahr steigt der prognostizierte Ölverbrauch um 3,9%. Im letzten Jahr waren es 3,4%.

Die Angaben der IEA stehen im Widerspruch zu den Prognosen der EIA (Energy Information Administration, Teil des US Energieministeriums). Die zeichneten einen Tag zuvor ein gegenteiliges Bild. Der Verbrauch, so die Amerikaner, steige schneller als erwartet. Die IEA gibt seit Monaten wankelmütige Berichte ab. Im Winter heizte sie die Sorgen an, indem sie ihre eigenen Schätzungen immer wieder nach oben korrigierte. Im Frühjahr kam dann die Kehrtwende. Sie glaubte das Wachstum überschätzt zu haben. Im Frühsommer folgte die Wende der Wende. Das Wachstum steige doch stärker als vorhergesehen. Und nun liegt die Wende von der Wende der Wende vor. Auf die Nachfrage eines Journalisten zu der demonstrierten Unsicherheit kam die Antwort, man habe China nicht im Prognosegriff. Die IEA ist Europas wichtigste Institution zur Beurteilung des Energiemarktes. Die Staaten der EU und andere OECD-Länder beziehen von ihr wichtige Grundlagen für ihr politisches Handeln.

Die gestern veröffentlichten Vorratsdaten wurden entspannt aufgenommen, insbesondere weil die Heizölbestände weiter aufgebaut werden konnten. Allerdings liefen die Daten von DOE (Department of Energy) und API (American Petroleum Institute) wieder weit auseinander:

Rohöl: -3,9 Mio. Barrel (DOE) bzw. -1,5 Mio. Barrel (API)
Heizöl und Diesel: +3,2 Mio. Barrel (DOE) bzw. +5,8 Mio. Barrel (API)
Benzin: -2,7 Mio. Barrel (DOE) bzw. +0,7 Mio. Barrel (API)

In Summe beträgt der Abbau 3,4 (DOE) bzw. der Aufbau 4,0 (API) Mio. Barrel. Die hohe Differenz lässt eine verspätete Reaktion der Märkte erwarten. Dem DOE wird im allgemeinen mehr Kompetenz zugeschrieben. Die Importe und die Raffinerieverfügbarkeit gingen zurück.

Im Jahresvergleich ist die Bevorratung recht gut. Sie liegt in allen Belangen über den Vorjahreswerten. Die Gesamtbestände sind mit denen des Jahres 2002 vergleichbar, einem guten Jahr der jüngeren Geschichte. Die Rohölpreise betrugen damals rund 40% der heutigen Preise.

An der realen Bevorratung können sich die Preise also nicht orientieren. Vielmehr kommt die Zukunft darin zum Ausdruck. Und die wird seit dem Irakkrieg vollkommen anders beurteilt als zuvor. Bis zum Krieg herrschte in den USA die Meinung, man könne und müsse die Ölquellen nur Sichern, um den Lebensstil auf unbestimmte Zeit beibehalten zu können. Der Krieg und der weitere Verlauf der Geschichte haben gezeigt, dass diese Ansicht ein fataler Irrtum war. Am amerikanischen Lebensstil hat sich bisher nichts geändert. Mit China ist darüber hinaus ein zweiter Großverbraucher auf der Bühne erschienen. Nun gilt das Motto, wer sich nicht ändert, muss bezahlen. Die Auswirkung betrifft nicht nur die Verursacher sondern die ganze Welt.

Heute Morgen muss noch nicht mehr bezahlt werden. Im Gegenteil, der Gasölpreis fällt. Die Tonne kostet 530,50$. Gestern waren es zeitweise über 550$.

Unsere Heizölpreise geben leicht nach. Am Weltmarkt ging der Ölpreis runter und der Dollar rauf. Übrig bleibt etwas Entspannung für den Verbraucher. Die kurzfristige Änderung der Preise ist schwer einzuschätzen. Eventuell ist etwas mehr Preisrückgang möglich. Den großen Wurf erwarten wir aber nicht. Langfristig bleibt alles beim Alten. Die Preise werden steigen.

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