Unseren neuen Kommentar für den 08.12.16 finden Sie hier.


Tun Sie sich das nicht an!

Die letzte Woche verlief ansatzweise neutral für die Preise. Eine Gegenreaktion auf den starken Anstieg in den Vorwochen und gespaltene Analystenmeinungen über die aktuelle Vorratslage verhinderten weitere Preissteigerungen. Der Dollar bewegte sich ebenfalls tendenziell seitwärts.

Dennoch ist die Grundeinstellung der Marktteilnehmer bullisch. Das wird vor allen Dingen an der wieder wachsenden Zahl von Kontrakten auf steigende Notierungen deutlich, die hauptsächlich von großen Investmentfonds gekauft werden. Das mag erstaunlich erscheinen, da die Rohölversorgung inzwischen auf sehr hohem Niveau läuft und keinen Mangel erkennen lässt. Saudi Arabien hat die Förderung im Juli abermals gesteigert und pumpt nun 9,4 Mio. Barrel pro Tag aus der Erde. Das sind 23% über Quote.

Die Zahl wurde vom Markt durchaus gewürdigt. Allerdings lässt sie kaum Spielraum für fallende Preise, denn sie wird gebraucht. Der Öldurst steigt und steigt. Gerade musste die IEA (Internationale Energie Agentur) ihre Bedarfsschätzung für 2004 zum zweiten Mal anheben. Die Welt verlangt 81,4 Mio. Barrel pro Tag, 3,2% mehr als ein Jahr zuvor. Die Fachleute sind selbst erstaut über das Wachstum und geben offen zu, dass sie es unterschätzt haben. Im kommenden Jahr wird eine Steigerung von 2,2% erwartet. Das 2005 zu Ende gehende Jahrzehnt wird mehr als eine Verdopplung der Steigerung des Verbrauchs gegenüber den letzten beiden Jahrzehnten bringen.

Aber nicht dieser Umstand sondern der ständig präsente Terror schafft den schärfsten Grund für steigende Preise. Die Ölförderung pfeift aus dem letzten Loch. Da wiegt eine Bombe, die zur Unterbrechung irgendeiner Versorgungsleitung führt, doppelt schwer. Allein die Sorge, dass ein Anschlag stattfinden könnte, ist bereits Grund, die Preise in die Höhe zu treiben. Ein Ende der Terrorgefahr ist in absehbarer Zeit nicht zu erwarten.

Neben dem Terror ist die potentielle Versorgungslücke, die von mangelnden Raffineriekapazitäten ausgeht, der zweite starke Grund für Preisauftrieb. Zwar zeigten die US-Lager in den letzten zwei Wochen einen erstaunlichen Aufbau bei den Produkten (Benzin, Heizöl). Dennoch hält die IEA die Heizölbestände für zu niedrig, um sicher über den Winter zu kommen.

Für Deutschland ist diese Einschätzung leicht nachzuvollziehen. Die Verbrauchertanks sind leer wie selten zuvor. Eine kräftige Nachfragewelle wird für den Herbst erwartet. Die Gefahr, dass dadurch sowohl die Produktions- als auch die Transportkapazitäten überfordert werden, ist groß. Preise wie im Herbst 2000 wären die Folge. Damals wurden Spitzenwerte von deutlich über 0,50 EUR pro Liter gezahlt.

In den öffentlichen Tanklagern ist das Niveau heute 3-5% höher als vor 4 Jahren. Aber die Unsicherheit auf Grund der geopolitischen Lage ist deutlich größer. Damit ist die Möglichkeit für schnelle Preisrückgänge geblockt.

Verbraucher halten die Heizölpreise für zu hoch und begründen damit ihre Kaufzurückhaltung. Die Frage, woher ein Preisrückgang kommen sollte, wird dabei kaum gestellt. Der Weltmarkt bietet die Aussicht so gut wie nicht. Und hierzulande sind die Margen eben wegen der Kaufzurückhaltung gegen Null gesunken. Sie werden, sobald sich etwas Nachfrage einstellt steigen.

Zu Wochenbeginn hält sich der Gasölpreis übrigens auf hohem Niveau. Mit 348,25$ pro Tonne liegt er nur unwesentlich unter dem Freitagspreis.

Unsere Heizölpreise tendieren kurzfristig weiter seitwärts. Ein leichter Preisrückgang aus einer Gegenreaktion des Weltmarktes auf den starken Anstieg der Vorwochen ist denkbar. Ingesamt aber überwiegt die Gefahr für erheblich teureres Heizöl aus den oben genannten Gründen. Die Zeit spielt momentan gegen die Verbraucherinteressen. Tun Sie sich einen Kauf im Herbst nicht an! Vermeiden Sie in die Nachfragewelle zu geraten, die wie im Herbst 2000 Preise von über 0,50 EUR pro Liter bringen könnte! Kaufen Sie jetzt eine Menge, die Sie wenigstens bis zum Jahresbeginn in Ruhe heizen lässt!

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