Unseren neuen Kommentar für den 06.12.16 finden Sie hier.


USA ertrinken im Heizöl

An den Märkten herrscht gute Stimmung. Eine solche Aussage deutet darauf hin, dass die Finanzjongleure zufrieden sind. Sie sind üblicherweise dann zufrieden, wenn die Kurse steigen. Für Aktien mag diese Zufriedenheit auf den einen oder anderen Verbraucher überspringen. Beim Öl wird das kaum der Fall sein. Höhere Ölpreise gefallen den meisten Verbrauchern und dem Gros der Wirtschaft nicht, zumal es keinen akzeptablen Grund für steigende Preise gibt. Wenn die Preise aus Knappheitsgründen stiegen, bejubelte man dies auch nicht, es träfe aber immerhin auf Verständnis. Eine Preissteigerung, die einzig durch Finanzspekulation verursacht wird, wird zurecht als inakzeptabel empfunden. Diese inakzeptable Situation liegt vor. Sie ist nach der größten Finanzkrise der letzten Jahrzehnte, gerne auch als die größte Finanzkrise des Jahrtausends bezeichnet, besonders ärgerlich. Vollmundig angekündigte Lehren wurden aus dem Desaster nicht gezogen. Politische Bestrebungen, das System zu regulieren, kamen zu spät. Das Zeitfenster, in dem die Branche Reue zeigte und in dem neue Fakten geschaffen werden konnten, ist abgelaufen. Bemühungen um Regulierung gibt es zwar noch. Es besteht sogar die Hoffnung, dass diese eines Tages einen dämpfenden Einfluss auf die ausufernde Spekulation im Ölgeschäft zeigen werden. Der fällige große Wurf bei der Neugestaltung des Finanzsystems bleibt aber definitiv aus. Eine zweite Chance wird sich erst in der nächsten Krise eröffnen.

Dass die Preissteigerung gestern auch einen fundamentalen Impuls hatte, ist angesichts der Dominanz der Finanzindustrie auf die Preisbildung zweitrangig. Gleichwohl sei der Grund für diesen Impuls hier genannt. Er stammt von den US-Bestandsdaten, im Speziellen von den Daten des DOE (Department of Energy). Für Rohöl nennen diese einen unerwartet hohen Rückgang. API (American Petroleum Institute) sammelte andere Daten. Sie zeigen einen leichten Anstieg. Den Finanzspielern gefielen die DOE-Zahlen naturgemäß besser. Sie bildeten die Handelsbasis. Bemerkenswert ist der weitere Anstieg in den ohnehin aberwitzig gefüllten Heizöllagern. Bald darf man sich wundern, dass das Produkt nicht verschenkt wird. Selbstverständlich werden Spekulanten Himmel und Hölle dagegen ins Feld führen, da sie andernfalls selbst in die Hölle fielen. Denn ihr Engagement in entsprechende Futures ist außerordentlich hoch. Die Bestandsdaten lauten wie folgt:

Rohöl: -4,9 Mio. Barrel (DOE) bzw. +0,6 Mio. Barrel (API)
Heizöl und Diesel: +2,2 Mio. Barrel (DOE) bzw. +5,2 Mio. Barrel (API)
Benzin: +0,5 Mio. Barrel (DOE) bzw. +1,3 Mio. Barrel (API)

In Summe ergibt sich ein Abbau von 2,2 (DOE) bzw. ein Aufbau von 7,1 (API) Mio. Barrel. Die Importe sind tiefer als in der Vorwoche und im Vorjahr. Die Raffinerieverfügbarkeit beträgt weiterhin 87 Prozent. Der Wert ist neutral zu beurteilen. Die gesamten Lagerbestände sind 20 Prozent höher als im Vorjahr. Die Heizölbestände haben die Vorjahresvorräte um 35 Prozent überschritten. Diese Daten sind zutiefst bärsich. Das ist schön zu wissen aber leider wertlos für die Preisbildung.

Der bullische Lauf der Preise setzt sich heute Morgen fort. Wir meinen zwar, dass ein nachhaltiger Aufwärtstrend auf Grund der fundamentalen Lage und wegen der Regulierungsdrohung der Terminmarktaufsicht CFTC ausgeschlossen ist. Die Preise werden bei nennenswerten Ausschlägen eher seitwärts ziehen. Da die Überlegungen, die uns zu dieser Meinung führen, einem bescheidenen Anspruch von Vernunft folgen, gestehen wir allerdings ein, dass sie auf äußerst schwachem Fundament stehen. Denn Vernunft ist das Letzte, was am Markt derzeit gehandelt wird. Immerhin, wo hoch hinaus spekuliert wird, wird der tiefe Fall nicht ausbleiben. Aktuell kostet die Tonne Gasöl 570 Dollar. Das Barrel Rohöl kostet in New York 72,38 Dollar. Der US-Dollar wird zu 67,83 Eurocent gehandelt.

Unsere Heizölpreise ziehen an. Sie werden vom Weltmarkt getrieben. Genauer gesagt werden sie vom Finanzroulette getrieben. Das ändert an der Tatsache der Preissteigerung nichts. Es steigert allenfalls die gefühlte Unzufriedenheit über den Vorgang selbst. Wer daraus den Schluss zieht, mit Heizöl Schluss zu machen und einen anderen Energieträger zur Wärmeversorgung zu wählen, begeht einen Fehler. Denn die Gier der Finanzbranche ist längst beim Strom und Gas angekommen. Und selbst vor der Holzwirtschaft macht sie nicht halt. Das ist heute schon sichtbar. Wenn Holz als Energieträger wirklich einmal Bedeutung erlangen sollte, wird das Problem noch schärfer werden. Es gibt nur einen vernünftigen Weg aus dem Dilemma. Der führt uns zu unserem Standardspruch: Im Übrigen sind wir der Meinung, dass es angebracht ist, sich mit der Reduzierung des eigenen Verbrauchs zu beschäftigen. Dazu empfehlen wir www.esytrol.com.

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