Unseren neuen Kommentar für den 11.12.16 finden Sie hier.


Völker setzen die Grenzen des Wachstums

Der Ölmarkt ist nicht bullisch. Die Ölbörsen sind es auch nicht. In Euro notiertes Öl tendiert seit der unbeschränkten Hilfserklärung von EZB-Chef Draghi seitwärts. Diese Sätze beinhalten die guten Nachrichten für Verbraucher, genauer gesagt für Ölverbraucher. Denn gut sind sie nur für den Anwendungsfall Ölkauf. Für darüber hinausgehende Lebensbedingungen sind sie mehrheitlich schlecht.

Schade eigentlich, denkt sich der Autor. Die Lage bietet erhebliches Potenzial für sehr gute Nachrichten. Das besteht zum Beispiel darin, dass das Thema Peak Oil, das gefürchtete Überschreiten des Fördermaximums, obsolet werden kann. Peak Oil war in der jüngeren Vergangenheit eine wichtige Grundlage für rasant steigende Ölpreise. Ausgelöst wird es durch die natürlich begrenzten Ölvorkommen in Verbindung mit einer unbegrenzt wachsenden Nachfrage. Nun kommen zu eben dieser Nachfrage Zweifel auf. Das über 250 Jahre gültige volkswirtschaftliche Axiom, nach dem menschliches Verlangen nach Konsum von Gütern grundsätzlich nicht gesättigt werden kann, weil dieses Verlangen stetig steigt, wankt. Aus heutiger Sicht fragt man sich, warum es erst jetzt wankt. Das volkswirtschaftliche Axiom beschreibt eine Sucht. Und Sucht gilt seit jeher als pathologisch. Volkswirte stellen irritiert fest, dass Konsumwachstum in wichtigen alten Industrienationen wie den USA oder Deutschland nicht mehr ein natürliches Verlangen der Bevölkerungen ist. Selbst Angebote, dieses mit der Gelddruckmaschine zu animieren, schlagen fehl. Einige Denker schließen aus den aufgenommenen Daten, dass die führenden Volkswirtschaften ihr Wachstum natürlicherweise beenden. Es gibt offensichtlich doch Grenzen des Wachstums. Die werden entgegen der ursprünglichen Annahme nicht von den Grenzen des Angebots, sondern von menschlicher Suchtresistenz bestimmt. Das Gefühl, am Maximum des materiellen Konsums angekommen zu sein, existiert auch weit unterhalb von Einkommensmillionären. Die Lage spiegelt sich in reduzierten Wachstumsraten der globalen Ölnachfrage wieder. Für alte Industrienationen werden Nachfragerückgänge prognostiziert. Das Ölangebot wächst derzeit noch.

Besonders vehement wird die neue These in den USA diskutiert. Sollte sie sich als richtig erweisen, verlöre das Land seine Mission. Die gesamte junge Geschichte ist eine von Konsumwachstum. Noch härter könnte die Erkenntnis China erschüttern. Das an Geschichte und kultureller Vielfalt reiche Land wurde durch die politische Führung um diese beraubt. Nach der kommunistischen Geschichtsklitterung unter der verlogenen Parole „Alle Macht dem Volk“ folgt nun die Anbiederung an die überkommenen Entwürfe der industriellen Revolution unter der Parole „Alle Macht dem Konsum“. Der Unterdrückungsapparat gibt Zeugnis davon, wie wenig Vertrauen die Machthaber in ihre eigenen Parolen haben. Nun, da die zwei Zentralmächte des Konsums in Missionsprobleme zu geraten drohen, bemüht sich Europa um den Anschluss als weitere Zentralmacht. Für mehrere deutsche Generationen ist diese Politik eigentlich wesensfremd. Mindestens über 50 Jahre folgte der Zeitgeist hierzulande der Devise, nie wieder Großmacht. Vermutlich besteht er noch heute. Dessen ungeachtet verkam die Europapolitik in den letzten Jahren im Schatten mangelhafter Demokratie zum Großmachtstreben. Es geht im Wesentlichen darum, zu den vermeintlich Großen aufzuschließen. Im Zuge der Eurokrise wird deutlich, dass das die Preisgabe der besonderen Stärke Europas, der Vielfalt im politischen Frieden zum kulturellen und wirtschaftlichen Nutzen, bedingt. Der Betrieb einer gemeinsamen Währung verordnet ein gemeinsames Bürokratieverständnis und die Anpassung der entsprechenden Prozesse. Das ist nichts anderes als die Aufgabe wesentlicher Teile der jeweiligen Kultur. Denn Kultur ist nicht allein eine Sache von Intellektualität, sondern des täglichen Lebens. Dass die erforderliche Kultur eine deutsch geprägte sein soll, wird dem Frieden der Völker nicht zuträglich sein.

Nun sind die letzten Gedanken nicht zwingend für Ölkäufer relevant. Relevant ist hingegen die Beugung des Finanzsystems durch die EZB, die dem Erreichen des genannten Ziels, Europa als dritte Weltmacht, geschuldet ist. Diese Beugung wird à la longue zu Inflation führen. Darin sind sich alle Ökonomen einig. Inflation wird die sich ohnehin öffnende soziale Schere weiter öffnen. Das abklingende Wirtschaftswachstum wird durch das zunehmende Ungleichheitswachstum ersetzt. Neben vielen anderen negativen Effekten wird damit die Energiewende infrage gestellt. Die verlangt von allen Bürgern finanzielles Engagement. Das Engagement kann aber nur mit der Möglichkeit dazu erbracht werden. Und das heißt, Abbau von Ungleichheit und gerechtere Verteilung von Reichtum. Ölkäufer müssen nicht auf die Inflation warten, um die negativen Folgen der unzeitgemäßen Politik zu spüren. Sie finden diese beim Blick auf den Ölpreis. Der sollte angesichts der beschriebenen volkswirtschaftlichen Bedingungen fallen. Schließlich ist der fiktive Mangelumstand, der den Preis hochtrieb, für unabsehbare Zeit suspendiert. Der Preis wird aber nicht fallen, weil die gegenwärtige Finanzpolitik dem entgegensteht. Das überschüssige Geld, von dem es immer mehr gibt, drängt unter anderem ins Öl.

Heute Morgen zeigen die Börsen ein Bild, das Verbraucher glücklich schätzen lässt, wenn die Preise nicht erneut anziehen. Von einem erkennbaren Streben zum Abgang ist nichts zu sehen. Die Tonne Gasöl kostet 1.005 Dollar. Das Barrel Rohöl wird in New York zu 91,94 Dollar und in London zu 115,94 Dollar gehandelt. Der US-Dollar kostet 76,92 Eurocent.

Unsere Heizölpreise geben ein wenig nach. Es handelt sich um eine erratische Tagesbewegung. Insgesamt ist schwer auszumachen, welchem Kurs sie folgen. Charttechnisch befinden sie sich nach wie vor im Aufwärtstrend. Fundamental sollte das aber nicht so sein. Daraus folgt die übliche Empfehlung. Wer kaum noch Heizöl im Tank hat, sollte sich jedwede Spekulation auf bessere Preise untersagen. Kaufen Sie. Wer bis in den Winter hinein gut eingedeckt ist, kann den Versuch wagen, in ein paar Wochen billigeres Heizöl zu bekommen. Der physische Markt müsste das hergeben. Der Finanzmarkt wird dagegen allerdings opponieren. Im Übrigen sind wir der Meinung, dass es mehr denn je angebracht ist, sich mit der Reduzierung des eigenen Verbrauchs zu beschäftigen. Dazu empfehlen wir in einem ersten Schritt unseren elektronischen Peilstab. Mit ihm lässt sich der Heizölverbrauch messen. Auf esytrol entsteht aus den Messungen ein Bild zur Energieintensität des eigenen Hauses. Wenn das bekannt ist, können Handlungen folgen.

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