Unseren neuen Kommentar für den 05.12.16 finden Sie hier.


Wenn der Hahn kräht auf dem Mist

Vor 2013 wird die bisher höchste Ölnachfrage des Jahres 2007 nicht wieder erreicht werden. Wahrscheinlich wird es sogar länger dauern, bis ein neues Nachfragehoch aufläuft. Das war die bisher gültige Prognose der IEA (Internationale Energie Agentur). Bevor die von den OECD-Ländern finanzierten Energieratgeber sich für diese verbraucherfreundliche Sicht der Dinge entschieden, befeuerten sie die Börsen mit Nachfrageprognosen, die einen Anstieg von bis zu 50 Prozent innerhalb von 20 Jahren vorsahen. Ein entsprechendes Ölangebot kann nach Lage der Dinge niemals erbracht werden. Die neuste Idee der Pariser Agentur ist eine frühere Verknappung. Wenn die Wirtschaft schneller als erwartet anzieht, könnte es im Ölmarkt bereits im Jahr 2011 eng werden. Wer hätte das gedacht? Wenn die Welt ihre Verbrauchsgewohnheiten ändert, wird es vielleicht niemals zu einem Engpass kommen. So ungefähr sieht es die Deutsche Bank. Man kann sich viele Wenn’s ausdenken und dazu ein Szenario entwerfen. Je nach Interesse hat man dann eine Geschichte für die Presse. Die wildesten Spekulationen bekommen die dicksten Schlagzeilen. Ob eine Schlagzeile jemals Wirklichkeit wird, spielt keine Rolle. Schließlich geht es nicht um die Erhellung einer etwas diffizilen Materie. Es ist Unterhaltung auf höherem Niveau. Mehr Gehalt als in der Bauernregel „Wenn der Hahn kräht auf dem Mist, ändert sich das Wetter oder es bleibt wie es ist.“ steckt darin nicht.

Fakt ist, dass Öl derzeit in Hülle und Fülle vorhanden ist. Die Lager sind voll. Die Reservekapazität Saudi Arabiens ist so hoch wie selten zuvor. Das Problem besteht eher darin, das Öl loszuwerden als darin, es zu gewinnen. Da Öl aber nicht allein ein Rohstoff ist, sondern zu einem gewaltigen Spekulationsobjekt mutierte, wird sein Preis unabhängig von Angebots-Nachfrage-Grundsätzen gebildet. Der Preis ist Ausdruck des finanziellen Engagements von Banken und Investmentfonds. Die stecken mit Summen im Geschäft, die für den physischen Markt unerträglich hoch sind. Der Kampf gegen die dadurch erbrachte Marktbeeinflussung zeigte bisher wenig Erfolg. Stichworte, wie sie nun von der IEA kommen, unterstützen das spekulative Interesse an einem hohen Ölpreis. Der bekommt dadurch eine marktgerechte Absolution. Die Gefahr der selbsterfüllenden Prophezeiung ist außerordentlich groß. Weil das so ist, stellt sich die Frage nach dem Sinn der IEA, die dem politischen Willen der OECD-Staaten unterstellt ist. Man darf erneut politisches Versagen im Umgang mit dem Finanzsystem und der umgebenden Infrastruktur beklagen.

In den Katakomben dieses Systems werden offensichtlich viel intelligentere Zusammenhänge erdacht, als sie die medienaffine IEA zustande bringt. Die Rohstoffleute der Deutschen Bank sinnieren heute nicht mehr über Peak Oil (Gipfel der Förderung) sondern über Peak Demand (Gipfel der Nachfrage). Nach ihrer Meinung wird die Nachfrage als Folge der Veränderungen in den USA, dem größten Ölverbraucher der Welt, in nicht all zu ferner Zukunft sinken. Die Nachfragespitze sollte um das Jahr 2016 eintreten. Dass es ein gewaltiges Einsparpotenzial für Öl gibt, wird am Pro-Kopf-Verbrauch der US-Amerikaner deutlich. Es beträgt rund 11 Liter Öl pro Tag. Hierzulande werden 5 Liter pro Tag konsumiert. Der größte Teil davon wird mit Autos verfahren. Den Spritverbrauch der Vehikel drastisch zu senken ist technisch möglich. Allein der ernst gemeinte politische Wille fehlte bisher. Es zeichnet sich ab, dass sich dieser Wille nun Bahn bricht. Allein die USA haben das Potenzial, die Erde von weit über zehn Prozent des aktuellen Ölbedarfs zu befreien. Europa kann ebenfalls einen erheblichen Beitrag zum Minderverbrauch leisten. Und in China, das für Spekulanten eher als Hoffnungsträger des Mehrverbrauchs gilt, ist man sich der Problematik begrenzter Rohstoffe längst bewusst. Dort wird eine Politik betrieben, die den grünen Technologen hierzulande bereits Angst einflößt. Die Wahrscheinlichkeit, dass die Menschheit nicht blind in einen Angebotsengpass hineinläuft, ist hoch. Schade, dass Finanzjongleure das nicht wahrnehmen. Unerträglich, dass sie entsprechendes Handeln nicht mit ihrem Finanzgewicht unterstützen.

Zur Ehrenrettung der IEA sei auf die Preisproblematik des Übergangs von der Peak Oil Angst zur Peak Demand Befreiung hingewiesen. Indem ein alsbald sinkender Ölbedarf akzeptiert wird, kommt es zu Investitionszurückhaltungen für den Ausbau und die Erneuerung der Ölinfrastruktur. Hierdurch könnte in der Tat ein temporärer Ölengpass auftreten. Der Konjunktiv sei ausdrücklich betont. Aus heutiger Sicht ist der Engpass reine Fiktion. Fakt ist, dass neben den hohen Reservekapazitäten ein Anwachsen der weltweiten Raffineriekapazitäten in den kommenden Jahren unvermeidlich ist. Dass die Wirtschaft dermaßen rasant wächst, dass sie diese Kapazitäten überfordert, mögen wir nicht glauben.

Heute Morgen glaubt man an den Börsen natürlich etwas anderes. Die Bullen haben Oberwasser. Sie treiben die Preise bereits wieder aufwärts. Auch wenn die Situation momentan nichts Gutes für Verbraucher verheißt, verabschieden wir uns noch nicht vom erwarteten Seitwärtstrends der Ölpreise. Noch ist diesbezüglich alles im Lot. Die Tonne Gasöl kostet 586 Dollar. Das Barrel Rohöl kostet in New York 73,58 Dollar. Der US-Dollar wird zu 67,72 Eurocent gehandelt.

Unsere Heizölpreise stehen weiterhin im Einfluss der auftreibenden Weltmarktpreise. Neben dem dadurch bedingten Anstieg, der sie in weiten Teilen Deutschlands in die Mitte ihres seitwärts gerichteten Preisbandes der letzten Monate trieb, gibt es einen höheren Anstieg im Süden zu beklagen. Dieser ist auf die niedrigen Pegelstände der Wasserstraßen und die dadurch bedingten Transportengpässe zurückzuführen. Sie sollten sich nun bald auflösen. Die Aussichten für die weitere Preisentwicklung sind derzeit nicht sehr freundlich. Dennoch glauben wir, dass eine grundsätzliche Rückkehr zum langfristigen Aufwärtstrend nicht zu erwarten ist. Bleibt festzustellen, dass eine 3000 Liter Partie Heizöl im Landesdurchschnitt fast 30 Prozent günstiger ist als vor einem Jahr. Im Übrigen sind wir der Meinung, dass es angebracht ist, sich mit der Reduzierung des eigenen Verbrauchs zu beschäftigen. Dazu empfehlen wir www.esytrol.com.

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