Unseren neuen Kommentar für den 06.12.16 finden Sie hier.


Börse jagt die FED

Die US-Notenbank (FED) senkte die Zinsen gestern erneut in der Hoffnung, die angeschlagene US-Konjunktur zu stabilisieren. Aber die Börsen reagierten ablehnend. Den Kursen half die Maßnahme nicht auf die Sprünge. Über Nacht fiel der Ölpreise kräftig. Unterstützt wird der Rückgang von guten US-Bestandsdaten. Das Wetter in den US-Heizölregionen hat sich normalisiert. Damit stehen wesentliche fundamentale Einflüsse einem erneuten Preisrückgang nicht mehr im Wege. Charttechnisch hat sich die Lage für eine Fortsetzung des Abwärtstrends deutlich gebessert. Der Dollar tendiert schwächer. Mehrheitlich schlechte Konjunkturdaten drücken auf die Währung und auch auf den Ölpreis.

Die USA haben sich in den letzten Jahren verschluckt. Das Leben auf Pump gerät an seine Grenzen. Zumindest aus europäischer Sicht ist diese Simplifizierung nahe liegend. Die Börsen reagieren auf die Idee vom Ende des geliehenen Wachstums negativ. Das hat den positiven Effekt, dass der Ölpreis fällt. Der drohte ohnehin Auslöser eines Erstickungstods der Wirtschaft zu werden. Eine bereinigende Rezession, also der Rückgang wirtschaftlicher Leistung zur Reparatur von Fehlentwicklungen, gehört nach wie vor nicht in das Repertoire reifer Industriestaaten. Eine Rezession muss vermieden werden. Diesem Ethos dient die FED. Damit unterscheidet sie sich von ihrem europäischen Pendant, der EZB. Die fühlt sich der Geldstabilität verpflichtet. Der FED steht als wesentliches Mittel, auf die Wirtschaft lenkend einzuwirken, die Zinsschraube zur Verfügung. Diese wird nun rasant gedreht. Binnen zehn Tagen wurde eine Senkung von 1,25 Prozent vollzogen. Während eines halben Jahres wurden die Zinsen um 2,25 Prozent gesenkt. Das grenzt an einen Vierteljahrhundertrekord. Die Zweifel über die US-Konjunkturentwicklung bleiben indes bestehen. Einerseits sitzt das Misstrauen tiefer als erwartet. Andererseits kommt der Verdacht auf, dass das Misstrauen an der Börse instrumentalisiert wird. Spekulanten neigen nun dazu, von Zinssenkungen nicht genug bekommen zu können. Wenn die Kurse trotz kräftiger Zinssenkung weiter fallen, heißt das auch, dass mehr Zinssenkung gefordert ist. Insofern stellt sich die Frage, wer hier am Steuerrad der Wirtschaftsentwicklung sitzt, die FED oder die Spekulanten.

Beim Ölpreis kann es den Spekulanten prinzipiell egal sein, ob die Kurse steigen oder ob sie fallen. Sie können auf beide Richtungen wetten und gewinnen. Der einzige Unterschied ist, dass die Preise nach unten begrenzt sind, nach oben hingegen nicht. Insofern ist die Wette auf steigende Preise langfristig attraktiver. Auf die steigende Richtung wird es angesichts begrenzter Ressourcen und unbegrenzten Bedarfs auch hinauslaufen. Wenn die Wirtschaft nicht wie gewünscht funktioniert, kann es temporär aber abwärts gehen. Und darauf deuten die Zeichen momentan hin.

Seit Jahresbeginn geben die US-Ölvorräte die Preisbewegung nach unten wieder frei, indem sie steigen. Das haben sie zuvor während eines halben Jahres nicht mehr erkennbar getan. Gestern lieferte DOE (Department of Energy) erneut positive Zahlen. Die Werte von API (American Petroleum Institute) waren hingegen schlecht. Sie wurden ausgeblendet. Auch das lässt Rückschlüsse auf die aktuelle Börsenstimmung zu. Die Zahlen lauteten wie folgt:

Rohöl: +3,6 Mio. Barrel (DOE) bzw. +0,0 Mio. Barrel (API)
Heizöl und Diesel: -1,5 Mio. Barrel (DOE) bzw. -3,9 Mio. Barrel (API)
Benzin: +3,6 Mio. Barrel (DOE) bzw. -0,4 Mio. Barrel (API)

In Summe ergibt sich ein Aufbau von 5,7 (DOE) bzw. ein Abbau von 4,3 (API) Mio. Barrel. Die Importe sind geringer als in der Vorwoche und höher als vor einem Jahr. Die Raffinerieverfügbarkeit ist abermals gesunken. Sie beträgt nur noch 85 Prozent. Das ist ohne Zweifel ein bullisches Element. Die USA verabschieden sich immer weiter von der Fähigkeit zur Eigenversorgung. Man kann das auch als normale Entwicklung einer reifen Industriegesellschaft auffassen.

Die gesunkene Heizölbevorratung ist unkritisch. In einem Langzeitchart erkennt man, dass diese noch überdurchschnittlich hoch ist.

Die Vorräte, wie viele andere Einflussfaktoren auch, spielen derzeit eine Nebenrolle für die Preisbildung. Sie wird wesentlich von den Konjunkturaussichten für die USA bestimmt. Heute Morgen geben die Preise nach. Die Tonne Gasöl kostet 808,00 $.

Unsere Heizölpreise folgten zuletzt dem Preisanstieg am Weltmarkt. Der kann noch als Gegenreaktion auf den vorausgegangenen Preisrückgang angesehen werden. Seit heute Nacht sind die Zeichen für einen Fortgang des Preisrückgangs wieder freundlicher geworden. Wenn die Börsenstimmung nach der gestrigen Zinsentscheidung so bleibt, wird Heizöl in den nächsten Tagen wieder billiger. Aber Vorsicht, Stimmungen sind in diesen Zeiten extrem wechselhaft.

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