Unseren neuen Kommentar für den 08.12.16 finden Sie hier.


China hat Blasenprobleme

Plötzlich tat sich ein Loch auf und die Ölpreise fielen hinein. Um fünf Prozent gaben sie gestern nach. Geöffnet wurde das Loch in China. Dort, wo die Heilskräfte der Weltkonjunktur ihr Zentrum haben sollen, brach der Leitindex der Unternehmenswerte um 6,7 Prozent ein. Es war nicht der erste schwarze Tag für Chinas Aktien. Seit dem Hoch Anfang August büßten sie 23 Prozent ihres Wertes ein. Über ein Drittel der Gewinne seit dem Krisentief Ende 2008 sind bereits wieder vernichtet. Der Trend ist schwer bärisch. Derweil wird in der alten Welt Konjunkturaufschwung zelebriert. Die Hoffnung, das alles wieder wird, wie es war, kehrte in die alte Welt zurück. Hier muss man nun wieder nach Argumenten für steigende Ölpreise suchen. Aber auch hier wird man nicht fündig. Die Nachfrage stockt. Öl liegt wie Blei in den Lagern. Es will dort nicht raus. Der gestrige Abgang wäre als Startsignal für einen Abwärtstrend der Ölpreise gut geeignet. Fällig ist ein solcher Abwärtstrend nach dem fundamental nicht gerechtfertigten Preisanstieg allemal. Die Fälligkeit beruht indes nicht auf einem vertraglichen Anspruch. Sie beruht lediglich auf dem gesunden Marktempfinden. Und das ist in Zeiten überfluteter Finanzmärkte nicht viel wert. Die Ströme des Geldes können die Ölpreise wider besseren Wissens hoch halten oder sogar höher treiben. Mit anderen Worten, verlassen Sie sich nicht auf einen kurzfristigen Preisrückgang.

Die Sache mit dem Preisrückgang aus marktgerechten Überlegungen hat einen doppelten Boden. Dass dieser begründet ist, weil der Verbrauch erheblich einbrach, steht außer Zweifel. Die Nachfrage wird vermutlich noch lange hinter den Erwartungen herlaufen. Dennoch gibt es Momente, die einen Nachfrageeinbruch nach unten begrenzen. Sie sind ebenfalls in Fernost zu finden. Es ist der Aufbau von Ölbeständen. China, Indien, Südkorea und Japan stocken ihre strategischen und freien Lager kräftig auf. Sie verfügen bereits über größere Mengen als die Europäer. Mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit werden sie die amerikanischen Mengen bald auch übertreffen. Dabei werden Tiefpreisphasen als Kaufzeitpunkte besondere Würdigung finden. Ein Abwärtslauf der Preise stößt also auf ein marktkonformes Argument, den Lauf auszubremsen. Rohstoffexperten beobachten mit Sorge Chinas Bunkermentalität. Die betrifft nicht nur Öl. Kupfer, Zink, Lithium und Schrott werden ebenfalls gehortet. Letzte sollen eines Tages der weltweiten Elektromobilität zum Durchbruch unter Chinas Führung verhelfen. China tauscht offensichtlich wertloses Geld gegen wertvolle Rohstoffe ein. Es sieht so aus, als hätte man im fernen Osten eine Zukunftsstrategie. Es sieht aber auch so aus, als würden kurzfristige Hoffnungen auf einen Wirtschaftsaufschwung enttäuscht. Vielleicht ist der Börsenabsturz aber auch nur die Versinnbildlichung, dass Geld ohne eine sinnvolle Verwendung nichts wert ist. Es wurde Leuten in die Hand gegeben, die schon vorher nichts Menschendienliches damit geschaffen haben. Sie werden es auch jetzt nicht tun. Es wird also erneut verbrannt.

Sinnvolles gäbe es mit Geld beileibe genug zu tun, nicht nur in China, auch hierzulande. Man muss sich nur den jämmerlichen Zustand deutscher Heizungen ansehen. Auf Ölheizungen trifft das besonders zu. 12 Prozent dieser Anlagen sind älter als 25 Jahre. 7,1 Prozent sind gar älter als 29 Jahre. Diese alten Eisen sind traurige Zeugen einer vollkommen mangelhaften Zukunftseinstellung. Wie kann es sein, dass in einem Land, das hervorragende Technik entwickelt und mit dieser gar die ganze Welt beglücken will, das sich als Speerspitze des Klimaschutzes sieht, solche Umweltverschmutzer in Betrieb sind? Wie kann es sein, dass Menschen, für die es selbstverständlich ist, ihre Dinge in Ordnung zu halten, derartigen Schrott betreiben? Von Schrott zu sprechen ist durchaus angebracht, weil eine alte Heizung kein süßer Oldtimer ist, der zweimal im Jahr bewegt wird. Eine Heizung läuft und läuft und läuft. Wenn sie alt ist läuft sie mit unglaublichen Verlusten. Sie schadet der Umwelt und dem eigenen Geldbeutel. Die Investition in eine neue Brennwertheizung ist beileibe nicht hoch. Teuer wird es nur, wenn man meint, den Energieträger wechseln zu müssen. Von Öl auf Holz oder Strom (Wärmepumpe) zu wechseln kostet zwei bis dreimal soviel wie die Erneuerung der Ölheizung. Und in Sachen Effizienz reichen andere Energieträger kaum an Öl heran. Auch hier gilt, dass nicht der Energieträger gut von schlecht unterscheidet, sondern sein effizienter Einsatz. Öl ist dann ein guter und moderner Energieträger, wenn es effizient bei geringem Verbrauch eingesetzt wird. Da die Welt in eine Phase starken Wandels kommt, das betrifft besonders die Effizienz von Technik, macht es keinen Sinn, Produkte zu erwerben, deren Lebensdauer zur Amortisation mehrere Jahrzehnte betragen wird. In zehn Jahren sind diese Produkte technisch längst überholt. Es ist sinnvoller, heute die preiswerteste Lösung mit der besten Effizienz und dem geringsten Materialeinsatz zu suchen. Wer eine Ölinfrastruktur besitzt, ist am besten beraten, diese auch weiterhin zu nutzen.

Von effizientem Einsatz des Geldes konnte man am Ölmarkt zuletzt nicht sprechen. Es sah eher nach uneffizienter Verbrennung aus. Heute Morgen ist man, was den Geldeinsatz angeht, zurückhaltend. Eine deutliche Gegenreaktion auf den gestrigen starken Rückgang bleibt bisher aus. Die Tonne Gasöl kostet 565 Dollar. Das Barrel Rohöl kostet in New York 70,39 Dollar. Der US-Dollar wird zu 69,62 Eurocent gehandelt.

Unsere Heizölpreise haben ordentlich Federn gelassen. Dass ein Preisrückgang kommt, ist keine Überraschung. Dass dieser jetzt kommt, ist schon überraschend. Es gibt Zweifel an seiner nachhaltigen Kraft. Wir rechnen eher mit einer insgesamt schwachen Bewegung nach unten. Noch können Spekulanten sehr viel Phantasie in eventuelle Knappheiten beim Heizöl im Winter stecken. Diese Phantasien sind zwar unangebracht. Dennoch tragen sie die Stimmung bullisch eingestellter Spieler. Erst wenn die Gewissheit, dass mehr als genug Heizöl zur Verfügung steht, nicht mehr geleugnet werden kann, werden sie aus dem Markt fliehen. Deshalb rechnen wir später im Jahr mit einem nennenswerten Preisrückgang. Auch wenn ein solcher wahrscheinlich ist, sollte man in die Zukunft schauen, wie die Chinesen es tun, die sich mit Rohstoffen eindecken. Hierzulande sollte man sich mit Effizienz eindecken. Was das für Ihr Haus bedeutet, können Sie mit dem Logbuch für den Heizölverbrauch ermitteln.

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