Unseren neuen Kommentar für den 10.12.16 finden Sie hier.


Der Markt wackelt nicht

Gutes Geld für gute Arbeit. Diesem Motto wird kaum jemand widersprechen. Es ist ein Statement für das Leistungsprinzip und für Gerechtigkeit. Gutes Geld im Sinn von sehr viel Geld haben die Ölmultis im ersten Quartal dieses Jahres verdient. ExxonMobil, Shell und andere bekannte Unternehmen der Öl- und Gasbranche konnten ihre Gewinne drastisch steigern. Dabei leisteten sie nicht mehr als in den Quartalen zuvor. Die Ölproduktion stagnierte. Den wachsenden Verdienst haben sie den steigenden Ölpreisen zu verdanken. Da die Preise an den Börsen ausgehandelt werden, an denen bekanntermaßen Horden von Finanzjongleuren mit Massen frisch gedruckten Geldes agieren, sprudeln die Gewinne einer Ölgesellschaft nicht gemäß dem Leistungsprinzip, sondern qua Existenz. Eine geschickt operierende Gesellschaft kann sogar mit weniger Leistung mehr verdienen. Die bewusst herbeigeführte Knappheit, hilft den Preisen auf die Sprünge. Gerechtigkeit im volkstümlichen Sinn sieht irgendwie anders aus.

Die US-amerikanische Aufsichtsbehörde für die Warenbörsen beobachtet die Marktteilnehmer recht genau. Sie klassifiziert sie nach Ölindustrie, Finanzindustrie und Kleinanleger. Teilnehmer aus der Ölindustrie betreiben per Definition physischen Handel mit Öl. Sie agieren an der Börse, um ihre Geschäfte gegen Unwägbarkeiten abzusichern. Teilnehmer aus der Finanzindustrie sind der Versicherer. Sie haben ein spekulatives Interesse und sind bemüht, ihre Einlagen durch die richtige Einschätzung von Marktereignissen zu mehren. Ähnliches gilt für Kleinanleger. Die große Mehrheit der Kontrakte wird von der Ölindustrie selbst gehandelt. Die Finanzindustrie hält heute etwa ein Drittel der Kontraktmenge der Ölakteure. Die Kleinanleger sind in diesem Sinn minderbemittelt. Vor fünf Jahren betrug das Verhältnis Ölprofis zu Finanzprofis etwa vier zu eins. Mehr als die Verschiebung zugunsten der Finanzbranche fällt allerdings die Aktivität selbst auf. Sie stieg im genannten Zeitraum um 50 Prozent, während die Menge des physisch gehandelten Öls annähernd konstant blieb. Die unbotmäßige Steigerung der Börsenaktivitäten wird auch von der Ölindustrie betrieben. Ihr atemberaubender Verdienst besteht nicht nur aus sogenannten Windfall-Gewinnen. Das sind Gewinne, die durch eine Marktlage ohne eigenes Zutun entstehen. Die Gewinne der Ölkonzerne sind leistungsbasiert. Die gewinnbringende Leistung ist aber nicht die erfolgreiche Ausübung des Geschäftszwecks, also die Energieversorgung. Die gewinnbringende Leistung ist das Spekulieren mit Finanzmitteln an den Warenterminbörsen. Sie unterscheidet sich nicht von der Tätigkeit der Finanzindustrie. Die Klassifizierung der Börsenteilnehmer als Ölindustrie und ihre in Zahlen ausgedrückten Engagements lassen keinen Rückschluss über die waren Motive ihres Handelns zu.

Bald nach Antritt seines Amtes wollte der amerikanische Präsident das offensichtliche Missverhältnis zwischen Finanzinteresse und Energieversorgungsinteresse gesetzlich neu regeln lassen. Das war ein hoffnungsvolles Zeichen für die zukünftige Ölpreisentwicklung. Aus den präsidialen Aktivitäten wurde nichts. Heute ist die Zahl der offenen Engagements an den Ölbörsen größer als je zuvor. Der bullische Überhang der Rohölkontrakte ist doppelt so hoch wie vor der Finanzkrise. Den Ölpreisen bleibt nichts anderes übrig als zu steigen, weil die maßgeblichen Marktteilnehmer sie steigen sehen wollen. Die Gewinne der Ölgesellschaften werden ebenfalls steigen, auch oder gerade weil ihre geschäftgemäße Leistung sinken wird. Es sei dahingestellt, ob diese Leistung sinkt, weil das lukrativer ist, als sie zu steigern, oder weil sie mangels Öl nicht mehr steigerbar ist.

Saudi Arabien, der Welt größte Öllieferant, will seine Leistung physisch, d.h. in Form eines höheren Ölausstoßes steigern. In den kommenden Jahren soll ein Plus von heute 12 auf dann 15 Mio. Barrel pro Tag erreicht werden. Die Saudis werden nicht müde, die ausreichende Versorgung des Marktes zu betonen. Sie gestehen allerdings ein, dass die Nachfrage schneller steigt, als sie das erwartet hätten.

Die Betrachtung der Dinge legt den Schluss nahe, dass Lohn und Leistung im volkstümlichen Sinn keinen Zusammenhang haben, dass die Politik gegenüber den maßgeblichen Kräften der Preisgestaltung kapituliert hat und dass Verbraucher gut beraten sind, ihre heute üblichen Energieverbrauchsmengen deutlich zu senken. Anders ausgedrückt, wirklich gewinnen kann man nur mit Finanzgeschäften, die Politik wird das nicht ändern, bürgerlicher Schutz besteht in erster Linie aus Eigeninitiative. Letztes entspricht immerhin einem Grundgedanken der bundesdeutschen Demokratie, dem Subsidiaritätsprinzip. Wer dem nicht folgen mag, muss sich am Prinzip „der Krug geht solange zum Brunnen bis er bricht“ und seinem Wirken im Finanzsystem aufrichten.

Heute Morgen bricht erwartungsgemäß gar nichts an den Öl- und Devisenbörsen, wenngleich das Brechen des US-Dollars nicht so fern liegt. Im Gegenzug würde der Ölpreis aber noch schneller steigen. Zurzeit halten Öl- und Dollarnotierungen still. Die Tonne Gasöl kostet 1.034 Dollar. Das Barrel Rohöl wird in New York zu 112,65 Dollar und in London zu 124,28 Dollar gehandelt. Der US-Dollar kostet 67,58 Eurocent.

Unsere Heizölpreise geben ein wenig nach. Die Bewegung ist mehr vom schwachen Dollar als vom teuren Öl getrieben. Nichts deutet darauf hin, dass aus dem seichten Abwärtskriechen ein reißendes Abwärtsfallen wird. Wenn Heizöl etwas billiger ist, raten wir dazu, es zu kaufen. Denn für den Jahresverlauf erwarten wir weitere Teuerungen. Im Übrigen sind wir der Meinung, dass es mehr denn je angebracht ist, sich mit der Reduzierung des eigenen Verbrauchs zu beschäftigen. Das beginnt mit dem Vermessen desselben. Hierzu empfehlen wir unseren elektronischen Peilstab und www.esytrol.com.

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