Unseren neuen Kommentar für den 03.12.16 finden Sie hier.


Die wilde Zeit ist vorbei

Die Preise geben nach. Zählbares für Verbraucher ist aber nicht zu erwarten. Der Tagesbewegung ist ein kurzfristiger Seitwärtstrend überlagert. Wenn das Wetter es zulässt, könnte dieser im Januar in einen erneuten Abwärtstrend übergehen. Er wird, wenn er denn kommt, im Vergleich zum Preisschub im Herbst eine eher müde Bewegung sein. Nach aktueller Lage der Dinge empfiehlt es sich, die Erwartungen an einen Preisrückgang deutlich geringer zu halten als im vergangenen Winter. Der Dollar hat in den letzten Tagen eine nennenswerte charttechnisch motivierte Gegenbewegung zum Abwärtstrend vollzogen. Allem Anschein nach neigt sie sich ihrem Ende zu.

Momentan ist es noch sehr kalt in den USA. Die Wetterämter prognostizieren zum Jahreswechsel normale bis überdurchschnittlich hohe Temperaturen. Auch hierzulande ist der Winterverlauf bisher kein Gegenstück zum warmen Winter 2006/2007. Die meteorologischen Voraussetzungen für nachgebende Preise scheinen sich also günstig zu entwickeln. Gleiches gilt für die US-Konjunktur. Die wechselhaften Prognosen laufen mehrheitlich auf Schwäche hinaus, was zwar für die USA schlecht, für die Ölpreise hingegen gut wäre.

Die diversen politischen Spannungsherde der Welt werden die Preisentwicklung phasenweise bullisch beeinflussen. Starke Impulse sind von dieser Seite allerdings nicht zu erwarten.

Stark wird in den kommenden Jahren der preisbildende Einfluss Chinas und Indiens sein. Diese Länder laufen den USA den Rang ab. Zunächst wird China die USA als Atmosphärenvergifter überholen. Danach wird das Land die Nummer Eins im Ölverbrauch werden. Einzig den Prokopfverbrauch der US-Amerikaner werden die Chinesen niemals erreichen. Heute verbrauchen die USA etwa zweieinhalb Mal soviel Öl wie China. Der einzelne US-Bürger konsumiert 12 Mal soviel Öl wie ein Chinese. Die USA haben damit ein enormes Reduktionspotenzial. China behält hingegen sein Steigerungspotenzial. Die langfristig preistreibende Komponente des Ölmarkts hat ihren Ursprung im Reich der Mitte. Sie wird mindestens solange wirken, wie das außergewöhnliche Wachstum Chinas anhält.

Die langfristige Preissteigerung wird mit kurz- und mittelfristigen Preisbewegungen garniert. Diese haben einen latenten Drang bullisch zu wirken. Ein wesentlicher Grund hierfür sind die immer noch knappen Raffinerieressourcen. Sie lassen erahnen, dass der nächste Preisschub im Frühjahr kommen wird. Er wird vom Benzin ausgelöst werden. Im Herbst werden dann Heizöl und Diesel die treibenden Kräfte sein. Insbesondere der Benzinpreisschub vor der sogenannten Fahrsaison in den USA hat eine mittlerweile verlässliche Tradition, die seit dem Jahr 2000 besteht. Sie wird erst gebrochen werden können, wenn zusätzliche Raffineriekapazitäten geschaffen sind. Diese werden in verschiedenen Regionen der Welt gebaut. In den USA werden sie auch langfristig fehlen.

Die weltweite Verteilung der Raffinerien steht nicht im Einklang mit den regionalen Verbrauchsgewohnheiten. So fehlt es in den USA besonders an Benzinkapazitäten. Das Produkt wird in großem Stil in Europa eingekauft. Hier wiederum fehlt es an Heizöl- und Dieselkapazitäten. Unter Führung des bevorzugten Dieselantriebs bei PKW steigt die Nachfrage europaweit, während sie für Benzin zurückgeht. Das macht umfangreiche Importe erforderlich. Diese kommen zu einem geringen Teil aus den USA. Hauptsächlich werden sie mit russischem Diesel gedeckt. Neben der oft zitierten Abhängigkeit der Gasversorgung gibt es eine kaum wahrgenommene, aber nicht minder bedeutende Abhängigkeit von russischem Diesel und Heizöl. Für Rohöl ist die Diversifizierung der Lieferregionen relativ leicht zu erreichen. Bei den Endprodukten gibt es hingegen keine Alternativstrategien. Neben vielen anderen an dieser Stelle aufgeführten Gründen lässt sich auch aus diesem Zusammenhang ein Appell für Effizienzsteigerung ableiten.

Heute Morgen ist es ruhig um die Preise. Sie halten ihr gestern Abend erreichtes Niveau. Die Tonne Gasöl kostet 810,25 $.

Unsere Heizölpreise befinden sich in einer wenig befriedigenden Lage. Der erhoffte Rückgang wurde ausgebremst. Er ist zwar nicht aufgehoben, aber mindestens aufgeschoben. Zudem ist die Wahrscheinlichkeit, dass er eine umfangreiche Preiskorrektur bringen wird, reduziert. Aktuell befinden sich die Heizölpreise zwischen den historischen Höchstwerten und dem kleinen Zwischentief vom Monatsanfang. Das wird vermutlich bis zum Jahreswechsel so bleiben.

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