Unseren neuen Kommentar für den 06.12.16 finden Sie hier.


Heizöl: Griff ins Konto kann ins Auge gehen

Internationaler Markt

Nach der großen Ölkrise vor gut 30 Jahren als die Rezession böse Wunden in die Sozialgefüge der reichen Länder schlug, gewann der Rückzug der Staaten als Organisation sozialer Netze an Fahrt. Das Modell des Staates als regulierende Institution für die Stetigkeit von Wirtschaftswachstum wurde als gescheitert erklärt. Der Markt trat an seine Stelle. Er wurde mit vielfältigen Freiheiten ausgestattet. Einige Jahre zuvor begann die Deutsche Bundesbank als erste Zentralbank der Welt ihre Geldpolitik an der realen Wirtschaftsentwicklung auszurichten. Im Sinne der Wertstabilität sollte die Geldmenge im Gleichtakt mit der Produktivität wachsen. Dieser Grundsatz ist noch heute im Bundesbankwesen verankert. Die Freiheit der Marktbetätigung und der Siegeszug der Girokonten, auf denen Geld nicht als Münze oder Schein, sondern als Zahl existiert, liberalisierte die Geldschöpfung. Sie liegt nicht mehr allein in den Händen der Notenbanken, sondern kann auch von Geschäftsbanken ausgeübt werden. Hierfür gibt es Regeln. Die waren damals wenig restriktiv.

In den darauf folgenden Jahren und Jahrzehnten wurde sehr viel Geld geschöpft, nicht von den auf Wertstabilität bedachten Notenbanken, sondern von Geschäftsbanken. Die Menge überstieg das Wachstum des Produktivkapitals so sehr, dass sich bis 2008 in den reichen Staaten rund viermal soviel Finanzvermögen angehäuft hatte als an Waren und Leistungen zur Verfügung stand. Da dieses Vermögen nicht in den Händen der breiten Bevölkerungsschichten, sondern in den Händen weniger Begüterter war und auch heute noch ist, hat es kaum inflationäre Wirkung. Schließlich können die Besitzer selbst bei noch so üppigem Lebensstil keine nennenswerte Menge an Waren und Leistungen kaufen. Immobilien und Öl in Form von Ölpapieren gehören zu den wenigen Produkten, die sie gut handhaben können. Ihre strukturelle Knappheit begünstigt den Zufluss der überschüssigen Finanzmittel und damit ihre Preissteigerung.

In 2008 drohte der Wert der so geschaffenen Finanzvermögen annulliert zu werden. Das wäre ein heilsamer Prozess gewesen, denn in der Tat sind die Vermögen nichts wert. Ihnen stehen keine adäquaten Produktivgrößen gegenüber. Durch geschickten Lobbyismus gelang es Banken im Eigeninteresse und im Interesse ihrer vermögenden Kunden, die Politik davon zu überzeugen, dass der Verlust dieses Finanzvermögens unweigerlich einen Wirtschaftszusammenbruch und den Verlust der Spareinlagen der Bürger zur Folge hätte. (Die vergleichsweise geringen Spareinlagen könnte der Staat preiswerter erhalten als durch die Rettung des Gesamtsystems.) In der Konsequenz wurden Zentralbanken von Stund an gehalten, das durch Geschäftsbanken im Laufe der Jahre mit modernen Finanzprodukten geschöpfte Geld durch Zentralbankgeld zu ersetzen. Die Bürgschaft für diesen Vorgang zwingt der Staat seinen Bürgern auf. Die übernehmen hierzulande weitgehend bereitwillig, weil ihnen die Schuldenflut, in die sich der Staat stürzt, zu Recht Sorgen bereitet. Deutsche wollen ihren Staat nicht überschuldet sehen.

In südlichen Ländern Europas haben die Bürger eine andere Einstellung zu ihrem Staat. Seine Schulden sind ihnen solange egal, wie ihr Leben annehmbar ist. Es gibt keinen objektiven Maßstab, das als gut oder schlecht zu charakterisieren. Man kann nur konstatieren, dass es geschichtliche und kulturelle Unterschiede gibt. Problematisch wird es allerdings, wenn diese Unterschiede in ein und demselben Geldregime gelebt werden. In einem solchen Regime besteht der Zwang zum gleichen Umgang. Heute nennt man das Fehlen des gleichen Umgangs das Europroblem. Politiker arbeiten hart daran, dieses Problem zu lösen. Die Randbedingungen unter denen das geschieht sind Erhalt der wertlosen Finanzvermögen und Wahrung der kulturellen Vielfalt Europas. Man muss weder Wissenschaftler noch Prophet sein, um zu dem Schluss zu kommen, dass damit keine Lösung möglich ist.

Die jüngste Stilblüte derartiger Politik ist ein offener Raubzug durch die Konten aller Bürger Zyperns. Die Maßnahme als solche stellt keine neue Qualität dar. Schließlich sind Steuererhöhungen nichts fundamental anderes. Der unverhohlene Griff in das für den Besitzer verschlossene Konto sieht aber anders aus. Er wirkt so abschreckend, dass sogar die an Dreistigkeit unüberbietbare Finanzszene schockiert reagierte. Er ist ein kommunikatives Desaster, das willfährige Bürger aufrütteln könnte. Weil das in Europa aber offensichtlich nicht geschah, beruhigten sich „die Märkte“ schnell wieder.

Heute Morgen nehmen die Ölnotierungen den vorherrschenden Pfad wieder auf. Er führt langsam abwärts. Die Tonne Gasöl kostet 912 Dollar. Das Barrel Rohöl wird in New York zu 93,65 Dollar und in London zu 109,06 Dollar gehandelt. Der US-Dollar kostet 77,32 Eurocent.

Nationaler Markt

Unsere Heizölpreise bewegen sich kaum. Die Verwerfung an den Börsen hinterließ keine Spuren, weil sich Öl- und Dollarnotierungen annullierten. Öl startete gestern mit einem deutlichen Minus, der Dollar mit einem deutlichen Plus. Im Laufe des Tages änderte sich das Bild. Mit dem Schwinden der Sorge vor einem Aufruhr der EU-Bürger gewannen der Euro und das Öl an Wert zurück. Der Binnenmarkt ist nach wie vor moderat belebt. Die Margen sind recht niedrig. Damit bleibt der Heizölpreis attraktiv in Relation zum Vorjahr. Im Laufe des Jahres kann die Preisentwicklung wirklich spannend werden. Der physische Ölmarkt bietet Abwärtspotenzial und die Geld- und Finanzkrise im Allgemeinen sowie die Eurokrise im Speziellen könnten die eine oder andere unverhoffte Preisherabstufung hervorrufen. Vergessen Sie aber niemals die Gefahren, die vom wilden Gelddrucken der Notenbanken ausgelöst werden. Sie sind allgegenwärtig. Im Übrigen sind wir der Meinung, dass es schlau ist, sich um die Reduzierung des eigenen Verbrauchs zu kümmern. Dazu empfehlen wir in einem ersten Schritt unseren e-Peilstab. Mit ihm lässt sich der Heizölverbrauch messen. Auf esytrol entsteht aus den Messungen ein Bild zur Energieintensität des eigenen Hauses. Wenn das bekannt ist, können Handlungen folgen.

Der Markt in Stichworten

preistreibende (bullische) Einflüsse auf Heizöl: FED sieht Gelddrucken nach wie vor positiv
EIA sieht Nachfrage derzeit größer als das Angebot
Spannungen in Nordafrika, Nahost und Nordkorea

preisdrückende (bärische) Einflüsse auf Heizöl: Euro-Krise wieder in den Schlagzeilen
US-Förderung steigt deutlich
US-Raffineriekapazität steigt in Kürze wieder
Alte Industrienationen brauchen immer weniger Öl
Genug Öl am Markt

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