Unseren neuen Kommentar für den 02.12.16 finden Sie hier.


Heizölpreise: Was wäre wenn

Internationaler Markt

Tag für Tag über einen entspannten Ölmarkt zu berichten, ist in der Sache zwar zutreffend. Gleichwohl entsteht dadurch hinsichtlich der zu erwartenden Ölpreisentwicklung in Europa ein unvollständiges Bild. Gleichberechtigt zu den Ölnotierungen ist der Einfluss der Dollarkurse. Beide zusammen, Öl und Währung, werden durch realwirtschaftliche Geschehnisse bewegt. Im Börsenjargon sind das die fundamentalen Faktoren.

Einen erheblich größeren Einfluss auf die Rohstoffpreise übt allerdings die Höhe des fiktiven Finanzvermögens aus. Es wird nicht aus realwirtschaftlichen Gewinnen gebildet, sondern über reine Geldmarktgeschäfte geschöpft. Seine Zunahme vollzieht sich in den großen, alten Ökonomien seit über drei Jahrzehnten exponentiell, während das Wachstum der Realwirtschaft lediglich linear verläuft. Die mangelhafte Substanz des derart geschöpften Vermögens wurde zuletzt im Jahr 2008 deutlich, als es innerhalb weniger Monate dramatisch an Wert verlor. Dieser Verlust stand in keinem Verhältnis zum realen Konjunkturrückgang. Der Ölpreis stürzte damals um mehr als 70 Prozent ab.

Obwohl der Verlust unsoliden Vermögens als Wesen und Selbstheilungskraft des Kapitalismus gepriesen wird, versuchen Finanzwirtschaft und Politik diesen nach 2008 mit allen Mitteln zu verhindern. Dabei entstand neues fiktives Vermögen, das das bis 2008 aufgelaufene sogar übertrifft. Mit den so entstandenen Geldwerten kann man Marktpreise bewegen. Die alte Vorstellung vom Ausgleich der Interessen zweier gleichberechtigter Handelspartner an den Warenbörsen, einem Warenhändler der Preisunwägbarkeiten absichern will und einem Spekulanten der diese mit seinem Einsatz absichert, gibt es nicht mehr. Die spekulierende Finanzszene verfügt infolge der exzessiven Geldschöpfung immer über mehr Kapital als die Warenbesitzer. Sie kann es bei Bedarf gezielt einsetzen. Das heißt nicht, dass Marktpreise permanent manipuliert werden. Derzeit sind Finanzjongleure im Öl recht zurückhaltend. Sie haben ihren Spaß an den Aktienbörsen. Das heißt aber, dass sie sich jederzeit über den Ölmarkt hermachen können, zum Beispiel wenn sie den Spaß an den Aktienbörsen verlieren. So geschah es 2008 vor dem Crash. Mit dieser Gefahr müssen wir nicht nur in Europa leben. Diese Gefahr gilt global. Selbstverständlich liegt ein erneuter Crash ebenfalls permanent in der Luft.

Der US-Dollar selbst stellt auch eine globale Gefahr dar, weil er als dominante Weltwährung ausschließlich im nationalen Interesse geführt wird. An dieser Stelle soll aber nur sein fundamentaler Einfluss auf die europäischen Ölpreise betrachtet werden. Sollte die US-Konjunktur tatsächlich mit Wachstumszahlen um drei Prozent und mehr aufwarten, wird die US-Notenbank das exzessive Geldschöpfen von derzeit 75 Mrd. Dollar pro Monat herunterfahren und einstellen. In dem Fall würde der Dollar gegenüber dem Euro an Wert zulegen. Es ist nicht auszuschließen, dass wir schon die ersten Zuckungen dieser Bewegung erleben. Das hat unweigerlich eine Teuerung europäischen Öls zur Folge. Den gegenteiligen Effekt erlebten wir in den letzten Monaten, als der Dollarkurs sank.

Derzeit könnte der skizzierte Dollareffekt für unser Öl durch die gute Lage am physischen Markt annulliert werden. Das einflussreichste Instrument hierzu halten die USA in Händen. Gemeint ist nicht ihre momentan starke Produktion. Die werden sie im Eigeninteresse sowieso hoch halten, soweit es die Ressourcen erlauben. Gemeint ist die Strategie bei den Verhandlungen zu einem endgültigen Atomabkommen mit dem Iran. Wenn es zustande kommt, wird eine Menge zusätzliches Öl in den Markt fließen. Es würde die Preise zu unseren Gunsten beeinflussen und den Vorteil des derzeit günstigen Öls in den USA relativieren. Schauen wir mal, ob das Weiße Haus das durchgehen lässt.

Heute Morgen wird an den Ölbörsen ein fundamental unpassender, aber charttechnisch erklärbarer Anstieg gehandelt. Er sollte nicht lange andauern. Der Dollar zappelt noch richtungslos. Von ihm erwarten wir eher Ungemach. Die Tonne Gasöl kostet aktuell 914,25 Dollar. Das Barrel Rohöl wird in New York zu 94,21 Dollar und in London zu 106,94 Dollar gehandelt. Der US-Dollar kostet 73,90 Eurocent.

Nationaler Markt

Unsere Heizölpreise schwingen aufwärts. Das musste nach dem Abgang der letzten Wochen so kommen. Mittlerweile wird das Börsengeschehen wieder einigermaßen nachvollziehbar abgebildet. Der Binnenmarkt hat aber weiterhin einen dämpfenden Einfluss, weil die Ölgesellschaften die für den Winter bereitgehaltenen Mengen mit Rabatt anbieten. In diesem Jahr tragen sie das Los der Temperaturen. Im letzten Jahr waren es die Verbraucher. Auch wenn die Preise mittlerweile etwas höher sind als in der Vorwoche, raten wir Kunden, die demnächst Heizöl benötigen, das Angebot wahrzunehmen. In den kommenden Tagen und Wochen lauern Gefahren, die für teureres Heizöl sorgen können. Konkret sind das derzeit die Dollar- und die Wetterentwicklung. Beide sind reif, um etwas Ungemach in den Heizölmarkt zu bringen. Die längerfristigen Aussichten halten wir aber weiterhin für freundlich. Wer auf sie setzt, braucht Risikobewusstsein, Geduld, eine ausreichende Restmenge Heizöl im Tank und unsere zeitnahen Informationen über die Preisentwicklung. Im Übrigen sind wir der Meinung, dass wir alle verbrauchsreduzierende Maßnahmen und Verhaltensweisen entwickeln müssen, um zukunftsfähig zu sein. Die freundliche Marktausrichtung ist kein Dauerzustand.

Der Markt in Stichworten

preistreibende (bullische) Einflüsse auf Heizöl: Gute Wachstumsaussichten für die Weltkonjunktur
Diverse kleinere und mittlere Lieferstörungen
Libyen liefert weiterhin kaum Öl
US-Notenbank pumpt weiterhin viel Geld in den Markt

preisdrückende (bärische) Einflüsse auf Heizöl: Chinas Konjunktur enttäuscht Finanzjongleure
Angekündigte Liefermengen aus der Nordsee
Weitere Steigerung der US-Exporte erwartet
Weitere Steigerung des globalen Rohölangebots erwartet

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