Unseren neuen Kommentar für den 08.12.16 finden Sie hier.


Hoffen statt Bangen um die Konjunktur

Von Konjunkturängsten unter Dauerstress gesetzten Seelen verschafft die US-Notenbank ein paar Wohlfühltage. Sie senkte die Zinsen auf ein Prozent. Der Schritt wurde erwartet und bejubelt. Nun hofft man auf eine Besserung der Konjunkturaussichten. Und man hofft auf Nachahmung durch die EZB (Europäische Zentralbank). Am Ölmarkt wurde der Zinsschritt durch etwas schlechter als erwartet ausgefallene US-Bestandsdaten flankiert. Das gab dem Ölpreis den Impuls für die lange erwartete Gegenreaktion auf den enormen Preisverfall. Rohöl verteuerte sich bis heute Morgen um rund zehn Prozent. Der Dollar verlor fünf Prozent. Unter Zinsaspekten hat die US-Währung nun kaum noch etwas zu bieten.

Da nicht davon auszugehen ist, dass sich die Probleme der Vergangenheit durch einen Zinsschritt von 0,5 Prozent bezwingen lassen, dürfte die nun eingeschlagene Richtung des Ölpreises noch nicht von Dauer sein. Bisher hatten weder Rettungspakete noch Zinssenkungen die drohende Wirtschaftsflaute stoppen können. Die Vermutung liegt nahe, dass es mehr als alter Rezepte bedarf, um die wirtschaftspolitischen Systemfehler, die mindestens in der Bush-Ära angehäuft wurden, zu beseitigen. Die Tatsache, dass die Zinsen im Dollarraum am Ende ihres Spielraums stehen, macht die Begrenztheit des klassischen Medikamentenkoffers gegen Wirtschaftssiechtum deutlich. Alle bisherigen Mittel zielen im Wesentlichen auf ein „Weiter so“. Das ist nicht mehr angezeigt.

Es gibt aber auch handfeste Argumente, warum der Ölpreis dauerhaft nicht viel weiter sinken sollte. Diese liegen einerseits in bereits existierenden Problemen mit der Förderung in vielen Ländern und an vielen Quellen. Sie sind politischer, technischer und finanzieller Natur. Andererseits werden viele Probleme im Laufe einer niedrigeren Preisphase erst geboren. Allen voran steht die Unwirtschaftlichkeit der Förderung so genannter unkonventioneller Öle. Zu ihnen gehört Öl aus Sand und aus der Tiefsee. Ihr Anteil liegt heute bereits bei über drei Prozent der Weltförderung. In Zukunft müsste dieser Anteil steigen. Für eine wachsende Gesamtförderung ist die Welt auf unkonventionelle Öle angewiesen. Die bekommt sie aber nur bei Preisen über 80 Dollar pro Barrel.

Im Falle des Einknickens der Weltkonjunktur ist ein Rückgang des Ölbedarfs durchaus wahrscheinlich. Dem könnte und müsste unter anderem die Produktion des unkonventionellen Öls zum Opfer fallen. In Alberta (Kanada), wo die größten Ölsandfelder liegen, gingen die Lichter aus. In einem Rezessionsszenario wären tiefere Ölpreise möglich. Sobald es aber einen Mehrbedarf an Öl gibt, werden die Preise wieder anziehen. Das geschieht um so schneller, je mehr Förderstätten in der Konjunkturschwäche verloren gehen. Die einzige Alternative zu einem solchen Szenario ist der energetische Umbau der Industriegesellschaft, so dass diese auf einem grundsätzlich tieferen Bedarfsniveau funktioniert. Technisch denkbar ist das. Man kann und sollte dies als die Chance der Krise sehen. Mit schnell gestrickten Konjunkturprogrammen zum Verkauf von leicht modifizierten Autos und zur Installation von Solarzellen auf Dächern ist das aber nicht zu erreichen. Diese tragen lediglich die Handschrift eines „Weiter so“. Es bedarf einer tief greifenden Veränderung im Umgang mit Energie. Diese setzt technische und gesellschaftliche Innovation voraus. Und sie kostet nicht zuletzt und vor allen Dingen Zeit. Mit Tagespolitik ist die Aufgabe nicht zu bewältigen. Sie erfordert ein epochales Politikverständnis.

Unter die Rubrik Tagesereignis fallen die Daten über die US-Bestände. DOE (Department of Energy) und API (American Petroleum Institute) gaben gestern folgende Zahlen zu Protokoll:

Rohöl: +0,5 Mio. Barrel (DOE) bzw. +1,4 Mio. Barrel (API)
Heizöl und Diesel: +2,3 Mio. Barrel (DOE) bzw. +2,6 Mio. Barrel (API)
Benzin: -1,5 Mio. Barrel (DOE) bzw. -0,8 Mio. Barrel (API)

In Summe ergibt sich ein Aufbau von 1,3 (DOE) bzw. 3,2 (API) Mio. Barrel. Die Importe sind geringer als in der Vorwoche und höher als im Vorjahr. Die Raffinerieverfügbarkeit liegt unverändert bei schwachen 85 Prozent. Die Gesamtbevorratung ist unkritisch zu sehen. Ein echter bullischer Impuls steckt keineswegs in den Zahlen.

Heute Morgen hat der Preisanstieg ein Maximum erreicht. Es ist wahrscheinlich, dass dieses im Tagesverlauf getoppt wird. Die Tonne Gasöl kostet 671 Dollar. Das Barrel Rohöl kostet in New York 69,10 Dollar.

Unsere Heizölpreise ziehen an. Gemessen am Weltmarkt ist die Bewegung moderat. Der Dollar hält dagegen. Dominant bleibt weiterhin das Eigenleben des Binnenmarktes. Die Preisüberhöhung mit Spitzenwerten von über 15 Prozent zum Weltmarkt wackelt nicht. Sie wird von einer lebhaften Nachfrage und von extrem hohen Auftragsbeständen gehalten. Erst wenn die Bestellungen spürbar zurückgehen, wird der Sonderbonus, den sich die Raffineriegesellschaften genehmigen, verschwinden. Unsere kurzfristige Empfehlung lautet, kaufen Sie jetzt kein Heizöl. Wir gehen davon aus, dass die Preise noch nicht nachhaltig steigen werden. Langfristig empfehlen wir, sich an der Datensammlung zum Heizölverbrauch auf esytrol.com zu beteiligen. Das wird bei der energetischen Beurteilung des eigenen Hauses und bei der Bedarfsbeurteilung des Heizölmarktes in der Region helfen.

Teilen Sie uns Ihre Meinung mit!

Uns ist Ihre Meinung wichtig. Schreiben Sie mir direkt unter
E-Mail: KlausBergmann@esyoil.com

Presse-Kontakt

Weitere Informationen