Unseren neuen Kommentar für den 03.12.16 finden Sie hier.


Ruhe am Ölmarkt: Schein oder Sein?

In der letzten Woche stiegen die Preise leicht. Ein Ende des Abwärtstrends deutet sich an. Das muss aber nicht unbedingt kommen. Fachleute beurteilen die Lage unterschiedlich. Auffällig ist die relativ lang andauernde Abwesenheit negativer Schlagzeilen. Daraus ergibt sich die Frage: Hat sich der Markt stabilisiert oder ist eine neue Störung überfällig? Die Wochenbilanz der Währungsparität fällt zu Gunsten des Dollars aus. Nach guten Arbeitmarktdaten zeigt er wieder Stärke.

Wenn es keine Nachrichten gibt, werden die Preise aus charttechnischen Motiven bewegt. Und die führen seit einiger Zeit zu fallenden Kursen. Spekulanten nehmen mittlerweile eine neutrale Position zur Preisentwicklung ein. Sie haben ihren Überhang an Positionen auf steigende Kurse fast vollständig abgebaut. Das Engagement im Ölmarkt ist aber immer noch hoch. Daraus kann man schließen, dass beide Lager, Bären wie Bullen, eine baldige Veränderung zu ihren Gunsten erwarten.

Die langfristigen Futures sind in Gänze teurer als die kurzfristigen. Das ist typisch für einen Markt, der in der Gegenwart gut versorgt ist. Dass das so ist, lässt sich aus den Vorratsdaten erkennen. Die Rohöllager sind so gut gefüllt wie seit vielen Jahren nicht mehr. Für die Produktenlager gilt das nicht. Hier sind jeder Zeit Störungen möglich. Sie beruhen auf fehlenden Raffineriekapazitäten.

Aber so gut sich die Rohöllager momentan auch darstellen, die Befürchtung, dass es auf dem Markt erneut eng werden könnte, bleibt bestehen. Genau das wird durch die langfristigen Futures signalisiert. Grund für die Knappheitsphantasien sind die Nachfrage aus China und Indien aber auch aus den USA. Selbst wenn die chinesische Regierung es schaffte, die Nachfrage des produzierenden Gewerbes zu dämpfen, was bereits angezweifelt werden darf, bleibt die Nachfrage der privaten Haushalte des bescheiden wohlhabenderen 1,3 Mrd. Volkes riesig. Autos und Heizungen werden Öl- und Gasmengen verlangen, die denen der USA nicht mehr nachstehen. Noch so einen Großverbraucher werden die beiden Energieträger aber kaum verkraften.

Aus den Ölquellen wird derzeit mit annähernd voller Leistung gepumpt. Das führt einerseits zum erfreulich hohen Aufbau in den Vorratslagern. Andererseits ist kurzfristig keine Leistungssteigerung mehr möglich. Wenn es irgendwo zu Störungen kommt, wird es umgehend eng am Markt.

Eine Störung droht mal wieder in Venezuela. Das Land schafft es nicht mal, die OPEC-Quote zu befriedigen. Ob das an versiegenden Quellen liegt oder an Sabotage der gegen den Präsidenten Hugo Chavez opponierenden Bevölkerung ist unklar. Der Ölindustrie droht nun eine Militarisierung. Soldaten sollen die Leistung erzwingen. Hier entwickelt sich möglicherweise der nächste Unruheherd des Marktes.

Über dem steht aber vor allen Dingen das Damoklesschwert einer zunehmenden Leistungsverminderung der existierenden Quellen. Sie sollen nach Aussage eines Teils der geowissenschaftlichen Gemeinde ihr Fördermaximum überschritten haben. Diese Forscher sind der Ansicht, dass es mit den Mengen von nun an bergab geht.

Neue Quellen und eine andere Verbrauchsmentalität müssen her. Genau die scheint sich im Land der großen Ignoranz, den USA, nun doch zu entwickeln. Zwar ist das Wort ?Energiesparen? dort absolut unbeliebt. Aber ?Energieeffizienz? lässt sich durchaus verkaufen. Das propagiert u.a. Exxon-Mobil, größte private Ölgesellschaft der Welt, Alan Greenspan, Chef der US-Notenbank, und George W. Bush, Ölmann und Präsident. Die Marktforscher der Autoindustrie wollen sogar schon einen Trend des Verbraucherinteresses zu sparsameren Fahrzeugen identifiziert haben.

So gegensätzlich wie die Meinung der Fachleute zur gegenwärtigen Preisentwicklung am Ölmarkt ist, sind auch seine Entwicklungsmöglichkeiten. Sie pendeln zwischen unersättlich wachsendem Bedarf und Einkehr der Vernunft in Form von Effizienz und Diversifizierung unter Einbeziehung regenerativer Technologien als neue Kategorien des Energieverbrauchs.

Heute Morgen ist noch kein Trend der Preisentwicklung für diese Woche zu erkennen. Gasöl kostet 455,50$ pro Tonne. Der Wert liegt am unteren Ende der Handelsspanne vom Freitag.

Unsere Heizölpreise bewegen sich kaum. Die Entwicklung der letzten Tage lässt einen Seitwärtskurs erwarten. Starke Impulse für die eine oder andere Richtung sind nicht zu erkennen. Charttechnisch lässt sich allenfalls aus der langfristigen Grafik der Trend nach oben für den Jahresverlauf ableiten. Daher raten wir dazu, jetzt wenigstens eine Teilmenge zu kaufen, um gegen höhere Preise etwas Vorsorge getroffen zu haben.

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