Unseren neuen Kommentar für den 08.12.16 finden Sie hier.


US-Vorräte lassen Kurse zappeln

Die Kämpfe im Irak und die Daten über die US-Vorräte sorgten gestern für Dynamik in der Preisbildung. Beide Themen wurden kontrovers interpretiert und sorgten für erhebliches Gezappel im Tageschart. Gegen Handelsschluss setzte sich der Aufwärtstrend erneut durch. Der Parketthandel wurde in New York nahe neuen Rekordpreisen für Rohöl und Heizöl beendet.

Im gestrigen Tagesverlauf wechselten die Nachrichtenagenturen ihre Wortwahl bezüglich der Kämpfe im Irak zwischen ?heftig? und ?Entspannung?. Entsprechend reagierten die Märkte. Der Irak hat unterschiedlich starken Einfluss auf die Preisbildung. Sein theoretisches Fördervolumen von derzeit ca. 2,8 Mio. Barrel pro Tag, das entspricht 3,5% der Weltförderung, ist einerseits eine wichtige Größe für den Weltmarkt. Andererseits hat die Unsicherheit, ob diese Mengen fließen, zeitweise bereits zu Fatalismus geführt. Der Irak wurde aus der Tagesthematik ausgeblendet. Insgesamt ist er aber in erheblichem Maß an der Entwicklung der hohen Preise beteiligt. Eine nachhaltig dämpfende Wirkung auf die Preisbildung ist in absehbarer Zeit nicht zu erkennen. Voraussetzung hierfür wäre die politische Stabilisierung und die Investitionsbereitschaft internationaler Ölgesellschaften.

Mangelnde Bereitschaft zu Investitionen in neue Ölanlagen ist einer der wichtigsten Gründe für die aktuell hohen Preise. Von der Zurückhaltung der Investoren sind nicht nur die unsicheren Förderländer wie Irak, Venezuela, Nigeria, Algerien u.a. betroffen. Selbst in den USA bleiben die Mittel für neue Ölanlagen zur Förderung, zum Transport und insbesondere zur Verarbeitung aus. Unsicherheit über die wirtschaftlichen Zukunftsaussichten und übertriebene Gewinnforderungen an Investitionen werden hier als Grund genannt. Solange keine neuen Anlagen gebaut werden, hat der Preisauftrieb beste Chance fortzubestehen. Wirtschaftlich vernünftig wäre für eine vom Öl abhängige Gesellschaft die kontinuierliche Modernisierung und Kapazitätsanpassung ihrer Anlagen. Das Gegenteil führt zu Mangelerscheinungen und Preisexzessen. Am Ende steht ein wirtschaftlicher Niedergang. Schließlich werden die Preise wieder ein tieferes Niveau erreichen. Das bezahlt die Gesellschaft aber mit einer Rezession.

Noch gibt es kein Rezept, wie die klassischen Industrienationen diesem Szenario entrinnen können. Die Hoffnungen liegen derzeit eher auf den stark wachsenden Nationen wie China und Indien. Doch die positiven Aussichten dort entbinden die alten Nationen nicht davon, ihre Probleme schnell zu lösen. Für stabile und vernünftige Preise ist eine weltweit ausgewogene und verlässliche Ölversorgung unumgänglich, zumindest solange bis eine andere Energieform massentauglich geworden ist.

Das Dilemma der Versorgung spiegelt sich in den Vorratsdaten der USA nicht so stark wider wie in den Preisen. Die Lager sind etwas voller als vor einem Jahr, allerdings deutlich leerer als vor fünf Jahren. Gestern gab es neue Informationen von DOE (Department of Energy) und API (American Petroleum Institute):

Rohöl: -1,3 Mio. Barrel (DOE) bzw. -1,5 Mio. Barrel (API)
Heizöl und Diesel: +2,1 Mio. Barrel (DOE) bzw. +1,6 Mio. Barrel (API)
Benzin: -2,6 Mio. Barrel (DOE) bzw. -3,5 Mio. Barrel (API)

Insgesamt beträgt der Rückgang in den Lagern 1,8 bzw. 3,4 Mio. Barrel. Die Importzahlen und die Raffinerieverfügbarkeit ist erheblich besser als in der Vorwoche. Daher werden die Zahlen nicht nur bärisch beurteilt. Der Umstand, dass der Ölstrom in der vergangenen Woche auf Grund des Sturms im Golf von Mexiko gedrosselt wurde, wird ebenfalls berücksichtigt. Die kurzzeitige Erscheinung ist inzwischen wieder behoben und sollte sich bereits in der kommenden Woche in den Zahlen positiv niederschlagen.

Heute Morgen setzt der Gasölpreis seine Bewegung auf hohem Niveau fort. Die Tonne kostet mittlerweile 392,50$. In den letzten drei Monaten hat der Preis um 22% zugelegt.

Unsere Heizölpreise bewegen sich auf hohem Niveau. Hoffnungen auf eine Gegenreaktion zu der deftigen Preissteigerung seit Februar, fast 40% bezogen auf 3000 Liter Liefermenge, wurden immer wieder zunichte gemacht. Entwarnung im Hinblick auf die Preisbewegung kann auch noch nicht gegeben werden. Seit April raten wir zum Kauf mit dem Hinweis auf steigende Preise. Wir sahen viel Skepsis bei Verbrauchern. Wer unserem Rat folgte, konnte gegenüber dem aktuellen Preis erhebliche Einsparungen erzielen.

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