Unseren neuen Kommentar für den 07.12.16 finden Sie hier.


Verbrauch steigt langsamer

Am Freitag fielen die Ölpreise. Mehr als eine Reaktion auf den deutlichen Anstieg der vorangegangenen Tage dürfte der Rückgang kaum gewesen sein. Es ist zu befürchten, dass der Aufwärtstrend erst am Anfang einer neuen Runde steht. Getragen wird er von Engpässen bei der Produktenherstellung und vom Atomstreit mit dem Iran. Der Dollar zeigte zum Wochenschluss ebenfalls eine Gegenreaktion zum Trend. Im Gegensatz zum Öl fällt er.

Dass die Preise eine neue Steigerungsrunde durchlaufen, signalisiert auch die Einstellung der großen Spekulanten. Sie erhöhen ihre Anteile auf steigende Kurse. Mittlerweile liegt sogar beim reichlich vorhandenen Rohöl wieder ein Nettoüberhang der bullischen Kontrakte vor. Bei den Produkten besteht dieser Überhang schon länger.

Kurzfristig gibt es nur bedingt Anlass für diese Haltung. Sie ist eher längerfristig geprägt. Auf der Nachfrageseite überwiegen durchaus freundliche Meldungen. Seit geraumer Zeit wird von langsamer steigenden Verbrauchszahlen berichtet. In 2005 erhöhte sich der weltweite Bedarf um 1,5 Prozent. 2004 waren es noch 3,7 Prozent. Das Boomland China benötigte lediglich 3 Prozent mehr Öl nach einem Plus von 16 Prozent in 2004. Die USA verbrauchten 2 Prozent mehr als im Vorjahr. Der Import stieg allerdings stärker, weil die heimische Förderung sank. Erfreulich ist, dass die großen Ölverbraucher Japan, Russland und Deutschland jeweils rund ein Prozent weniger Öl verbrauchten. Die Hälfte des weltweiten Bedarfs entfällt übrigens auf nur sechs Länder.

Die Entschleunigung des Nachfragewachstums hat bisher keine spürbare Wirkung bei der Preisbildung gezeigt. Vermutlich wird sie es auch nicht. Nach wie vor steht die kaum zu schulternde Annahme im Raum, dass der Bedarf bis 2020 um über 50 Prozent und bis 2050 um 100 Prozent steigen wird. Der Umstand, dass die Nachfrage langsamer wächst, hat auch auf Sicht von ein bis drei Jahren wenig Entspannendes zu bieten. Bisher musste befürchtet werden, dass die dramatischen Zuwachszahlen ein Indiz für das Überhitzen des Wirtschaftsbooms in Fernost sind. Das hätte über kurz oder lang ein Einbrechen des Verbrauchs zur Folge. In den 1990er Jahren geschah das mit der Folge eines erheblichen Ölpreisrückgangs bis zu historischen Tiefständen. Nun zeigt sich nicht zuletzt an der Nachfrageentwicklung, dass das Wachstum solide ist. Es wird wohl noch lange andauern. Gleiches gilt dann auch für die Nachfrage. Sie wird weiter wachsen. Fernost bedeutet nicht nur China. Zu der Wachstumsgemeinschaft, in der die Länder längst besser zusammenarbeiten als die EU, gehören China, Vietnam, Laos, Thailand, Malaysia, Indonesien, Philippinen und Südkorea. Die Gruppe hatte im vergangenen Jahr ein Wirtschaftswachstum von 6,8 Prozent aufzuweisen. In diesem Jahr werden 6,6 Prozent und im nächsten Jahr 6,3 Prozent prognostiziert. Wenn nennenswerte Alternativen zum Öl- und Gas nicht schnell gehoben werden können, ist ein Fortgang des langfristigen Aufwärtstrends der Preise vorprogrammiert.

Immerhin, der Trend führt dazu, dass die Bemühungen um Alternativen vehement vorangetrieben werden. Das gefällt zwar einigen konservativen Politikern in unserem Land gar nicht. Sie wollen teuer erkaufte Alternativen lieber heute als morgen abgeschafft sehen. Aber mittlerweile steht selbst die Autoindustrie geschlossen hinter einer intensiven und steuerlich begünstigten Einführung von Biokraftstoffen. Flüssige Biobrennstoffe werden ebenfalls kommen. Für Deutschland haben, das mag für Verbraucher sarkastisch klingen, die hohen Öl- und Gaspreise auch Vorteile. Neben der guten Positionierung mit alternativen Energietechnologien verdient man hervorragend am Anlagenbau für die Öl- und Gasgewinnung. OPEC-Länder bezahlten im letzten Jahr für deutsche Anlagen 2,5 mal mehr als wir für ihr Öl. Und selbst die Bilanz mit den GUS-Staaten, von denen wir erheblich mehr Energierohstoffe beziehen als von der OPEC, fiel mit dem Faktor 1,2 positiv aus.

Der Umstand, dass die Preise trotz ruhigerer Nachfrage steigen, geht z.Z. hauptsächlich auf die Unfähigkeit der USA zurück, ihren Benzinverbrauch wenigstens ansatzweise durch eigene Herstellung zu befriedigen. Da fehlen Raffinerien und es fehlen ausreichend Ersatzstoffe für das mittlerweile verbotene MTBE als Antiklopfmittel. Der Mangel löst Sorgen über Versorgungsengpässe aus. Die Folge, Preise werden in Sippenhaft genommen. Alle Öl-Sorten und -Produkte steigen.

Heute Morgen zieht der Gasölpreis wieder an. Die Tonne kostet 583,50 $.

Unsere Heizölpreise halten sich gemessen an der Teuerung am Weltmarkt recht gut. Sie fielen von der letzten Spitze am Donnerstag zurück. Der nachgebende Dollar verschaffte ihnen die Entspannung. Die Aussichten sind aber wenig erfreulich. Die Vorzeichen stehen auf Preissteigerung. Bei Preisrückgang aus einer Gegenreaktion zum Aufwärtstrend empfehlen wir unbedingt Heizöl zu kaufen.

Teilen Sie uns Ihre Meinung mit!

Uns ist Ihre Meinung wichtig. Schreiben Sie mir direkt unter
E-Mail: KlausBergmann@esyoil.com

Presse-Kontakt

Weitere Informationen