Unseren neuen Kommentar für den 06.12.16 finden Sie hier.


Vorsicht bei Spekulation auf Winterdelle der Preise

Die Preise steigen wieder stetig. Es herrscht ein moderater Aufwärtstrend. Zug um Zug wird der August-Einbruch der Preise annulliert. Eine Umkehr der Bewegung ist momentan wenig wahrscheinlich. Es fehlen preisdrückende Impulse. Der Dollar verharrt auf tiefem Niveau. Mit der Beruhigung der Finanzmärkte beruhigen sich auch die Kursausschläge.

In den letzten Jahren waren Winterdellen der Preise zu beobachten. Die sorgten dafür, das Heizöl zeitweise deutlich unter dem mittleren Preisniveau zu bekommen war. In gut informierten Kundenkreisen wird die erwartete Preisdelle mittlerweile in den Rang eines Gesetzes erhoben, ähnlich wie das vermeintliche Gesetz einer älteren Klientel, nach dem Heizöl im Sommer billig und im Winter teuer sei. Es sei festgestellt, dass es derartige Gesetze nicht gibt.

Die alte Sommer-Winter-Regel ist deshalb unsinnig, weil die reine Angebots-Nachfrage-Logik der Preise nicht mit absoluten Mengen sondern mit der Abweichung von geplanten Mengen gekoppelt ist. Sowohl der alten als auch der neuen Regel stehen aber stärker noch Preisbildungsprozesse entgegen, die weit über den simplen Angebots-Nachfrage-Zusammenhang hinausgehen. Preise entstehen in einem komplexen Gebilde aus Fakten und Erwartungen. Spekulation ist ein wesentliches Motiv und eine starke Kraft der Preisentwicklung. Das Spekulative Kapital im Ölgeschäft übertrifft das auf den Erwerb der Ware bezogene Kapital bei weitem.

Die Erwartungshaltung an den Börsen unterscheidet sich in diesem Jahr von der der letzten beide Jahre. Daher ist die Annahme, dass es abermals zu einer winterlichen Preisdelle kommen wird mit großer Vorsicht zu behandeln. In beiden vorausgegangenen Jahren wurden die Preise während der Hurrikansaison in den USA deutlich über ihr bereits hohes Normalniveau getrieben. In 2005 richteten Hurrikane erhebliche Schäden an, die die hohen Preise zunächst zu rechtfertigen schienen. Ihre Auswirkungen auf die weltweit fließenden Ölmengen blieben aber vergleichsweise gering. Indem sich die Erkenntnis ausbreitete, fielen die Preise auf, zeitweise sogar unter ein mittleres Niveau zurück. In 2006 blieben die verheerenden Hurrikane aus. Sie waren im Sommer aber bereits in den Preisen enthalten. Als klar wurde, dass die Sturmsaison für die Ölwirtschaft schadfrei verlaufen werde, korrigierten die Preise deutlich. Mit Winterbeginn zeigte schließlich ein überdurchschnittlich hohes Temperaturniveau. Es wurde gewiss, dass die Wintermengen unter dem üblichen Maß abgefragt werden. Somit gab es Grund, die Preise weiter in die Tiefe zu drücken.

In diesem Jahr liegt noch keine spürbare Preisübertreibung auf Grund von Hurrikanerwartungen vor. Der bisher aufgelaufene Preisauftrieb hat andere Ursachen. Er geht fast ausschließlich auf eine in der Zukunft erwartete Verknappung des Angebots zurück. Zwar ist diese Erwartung kein Novum im Geschäft. Der größte Teil des Preisanstiegs der letzten Jahre resultiert daher. Und doch hat sich eine andere Stimmung herausgebildet.

Der starke Anstieg im Verlauf der Jahre 2003/2004 als Folge des damals überraschenden Wirtschaftswachstums Chinas betrachtete noch einen auf wenige Jahre begrenzten Zeithorizont. Es wurde nicht erwartet, dass China ein dauerhaftes Wachstum auf hohem Niveau erfährt. Insofern war nicht davon auszugehen, dass die Ölnachfrage stetig steigen wird. Die Preissteigerungsraten in 2005/2006 fielen erwartungsgemäß geringer aus. Mittlerweile bricht sich eine neue Sichtweise Bahn. Das Wachstum der Weltwirtschaft wird mit entsprechender Wirkung auf die Energienachfrage längerfristig stetig steigen. Die wichtigsten fossilen Energieträger Öl und Gas befinden sich nahe ihrem möglichen Fördermaximum. Eventuell ist es im Fall von Öl sogar schon überschritten. Nachwachsende Rohstoffe sind nicht annähernd in der Lage, fehlende Öl- und Gasmengen zu ersetzen. Die derzeit größte Energiequelle, die Effizienzsteigerung, wird nur ungenügend entwickelt. Diese Sichtweise lässt keinen anderen Schluss zu als dauerhaft steigende Preise. Aufwärts wird zum Normal. Gegenbewegungen zum Aufwärts setzen vorausgegangene Übertreibungen voraus. Aktuell gibt es keine Übertreibung. Im Gegenteil, als Folge der Finanzkrise sanken die Ölpreise unter ihre mittlere Anstiegslinie. Es gibt also eher ein Anstiegs- als ein Abstiegspotential.

Als Beleg dafür, dass Ölquellen nicht mehr beliebig ausbaufähig sind, könnte die Weigerung der OPEC angesehen werden, mehr Rohöl zu liefern. Es ist nicht klar, ob diese Weigerung der genannten Argumentation, dass die Rohöllager der Industriestaaten gut gefüllt seien, folgt oder ob sie auf das Unvermögen, mehr Öl zu fördern, zurückgeht.

Heute Morgen herrscht relative Ruhe bei der Preisbildung. Sie ist auf den gestrigen Feiertag in den USA zurückzuführen. Die Tonne Gasöl kostet 642,00 $.

Unsere Heizölpreise steigen deutlich. Sowohl der internationale Markt als auch der Binnenmarkt bieten Auftriebsfaktoren. Der Preisvorteil zum Vorjahr ist auf knapp fünf Prozent bei 3000 Liter Liefermenge gesunken. Nach unserer Einschätzung wird er weiter fallen. Einsparungen werden in erster Linie über den Verbrauch zu erzielen sein. Als Unterstützung für eine Effizienzinitiative gibt es eine Verbrauchsanzeige im Internet, die ähnlich einer Verbrauchsanzeige im Auto, über die Heizölintensität des Hauses Auskunft gibt. Man findet sie unter www.esytrol.com.

Teilen Sie uns Ihre Meinung mit!

Uns ist Ihre Meinung wichtig. Schreiben Sie mir direkt unter
E-Mail: KlausBergmann@esyoil.com

Presse-Kontakt

Weitere Informationen