Unseren neuen Kommentar für den 04.12.16 finden Sie hier.


Wieder kippt eine Zockerbude

Die Welt wird von Zockern und Hasardeuren regiert. Verschleiern, Tricksen und Lügen sind ihre Methoden. Dominanz ist ihr Ziel. Nun hat sich einer dieser Dominatoren selbst ausgetrickst. Der US Broker MF Global, einer der großen Rohstoff- und Devisenspekulanten, wurde gestern vom New Yorker Ölhandel ausgeschlossen, weil seine Insolvenz befürchtet wurde. Mittlerweile ist sie amtlich. Dem Vernehmen nach hat sich das Unternehmen mit Euro-Spekulationen überhoben. Das Handelsverbot für MF Global, das sich nur auf den Aufbau neuer Positionen bezieht, alte Positionen darf es noch glattstellen, ließ das Handelsvolumen an der NYMEX (New Yorker Ölbörse) bis zu 50 Prozent einbrechen. Die Insolvenz des Unternehmens könnte Auswirkungen auf das globale Finanzsystem in der Dimension der Lehman-Pleite haben.

Chef des Brokerhauses MF Global ist Jon Corzine. An seiner Karriere wird das Wertesystem der neoliberalen Generation deutlich. Corzine war unter anderem Vorstand der berüchtigten Investmentbank Goldman & Sachs. Nachdem er dort eine Auseinandersetzung mit dem späteren Chef und US-Finanzminister Paulson verlor, ging er in die Politik. Sein Abgang bei Goldman & Sachs wurde so fürstlich bezahlt, dass er für seine Kampagne auf ein Senatorenamt 63 Mio. Dollar aus privaten Mitteln einsetzen konnte. Die Summe reichte, um den Posten zu erringen. 2006 wurde Corzine Gouverneur des Staates New Jersey. Für die Position investierte er rund 40 Mio. Dollar. Als Politiker zeigte sich der Mann liberal. Er bewegt sich im Umfeld der Clintons und Obamas. 2010 zog es ihn in die Finanzwirtschaft zurück. Dort erlebt sein Unternehmen nun Schiffbruch. Aus heutiger Sicht kann man konstatieren, dass Corzine persönlich das große Geld gemacht hat, während das System, für das er steht, im Zusammenbruch begriffen ist.

Der Dollar schießt seit gestern in die Höhe. Das liegt nicht nur an den Umschichtungen von Finanztiteln als Folge der MF-Global-Insolvenz. Mindestens so einflussreich ist eine kräftige Abwertung des Yen durch die japanische Notenbank. Die Maßnahme wurde als nötig erachtet, weil der starke Yen die Exportwirtschaft Japans erheblich belastet. Der Yen ist nach dem Schweizer Franken nominell großer Gewinner der Finanzkrise. Das ist bemerkenswert, da Japan das am höchsten verschuldete Industrieland der Erde mit einer Quote von über 200 Prozent am BIP ist.

Dritter einflussreicher Faktor für den starken Dollaranstieg ist die Ernüchterung, die sich nach den EU-Gipfel-Beschlüssen einstellt. Spekulanten wird bewusst, dass zwischen politischer Ankündigung auf EU-Ebene und der Beschlussumsetzung in den Nationalstaaten uneinschätzbare Hürden liegen. In Griechenland soll es beispielsweise eine Volksabstimmung über die Schuldenbeschlüsse geben. Derzeit steht die öffentliche Meinung mehrheitlich auf Ablehnung. Die Euphorie der Spekulanten war in der vergangenen Woche unangebracht. Die Börsenreaktionen werden erwartungsgemäß zurückgedreht.

Am Ölmarkt sind die Preisbewegungen vergleichweise verhalten. Im Wesentlichen tendieren die Kurse seitwärts. Das passt derzeit noch zur physischen Ausstattung des Marktes. Der scheint nach wie vor gut versorgt zu sein. Die Vorräte in den Industrieländern nehmen allerdings in einer Weise ab, die Zweifel aufkommen lassen, ob die Versorgung tatsächlich so solide ist, wie sie zu sein scheint. Angesichts der erheblichen wirtschaftlichen Risiken, die auf der globalen Konjunktur lasten, mutet das Thema Peak Oil, das ist das Erreichen des Fördermaximums, derzeit abwegig an. Die aktuelle Preiskonstellation der Terminkontrakte sagt etwas anderes. Sie signalisiert Knappheit. Das ist immer dann der Fall, wenn zeitlich nahe liegende Lieferungen teurer bewertet sind, als in der späteren Zukunft abzuliefernde Ölkontingente. Normalerweise sind zukünftige Lieferungen deshalb teurer, weil in ihnen Lagerkosten eingepreist sind. Die Überhöhung der aktuellen Preise gewichtet die Kosten eines eventuellen Mangels höher als die Kosten der Lagerung. Bis die Zukunft schließlich Gegenwart ist, werden die Preise zukünftiger Kontrakte erheblich steigen. Insofern sind heutige Preise für zukünftig zur Lieferung anstehende Kontrakte kein Maß für zukünftige Preise.

Wie der Zustand des physischen Ölmarkts wirklich aussieht, gehört, wie der Zustand des Finanzsystems auch, in das Kapitel Verschleiern, Tricksen und Lügen. Nicht zuletzt deshalb schwanken wir in unserer Einschätzung über die Höhe der Ölpreise zwischen physischen Gründen in Form von Knappheit und finanztechnischen Gründen in Form einer Überversorgung der Märkte mit Geld hin und her. Mit Intransparenz und Legendenbildung lebt die internationale Ölindustrie genauso gut wie die global agierende Finanzindustrie. Beide Interessengruppen verbindet das symbiotische Verlangen nach unendlichem Einfluss und Reichtum. Kein anderer Industriezweig hat es verstanden, sich der Politik so dreist zu bemächtigen wie diese beiden. In den USA tritt das vollkommen offen und weitgehend unkritisiert zu Tage.

Heute Morgen setzt sich die Tendenz des starken Dollaranstiegs fort. Wie bereits gestern werden die Aktiennotierungen in die Tiefe gezogen. Nun trifft es auch die Ölpreise. Sie geben erheblich nach. Die Tonne Gasöl kostet 991,75 Dollar. Das Barrel Rohöl wird in New York zu 91,36 Dollar und in London zu 107,89 Dollar gehandelt. Der US-Dollar kostet 72,99 Eurocent.

Unsere Heizölpreise steigen. Sinkende Ölnotierungen können den starken Anstieg des Dollars nicht kompensieren. Die Preisbildung ist in diesen Tagen eine Sache der Devisenmärkte und nicht eine Sache des Ölmarkts. Damit wird der immense Einfluss der Finanzindustrie auf die Preisbildung unterstrichen. Insgesamt bewegen sich die Heizölpreise seitwärts. Sollte sich am Ölmarkt tatsächlich Knappheit einstellen, wird der Preis in einen Aufwärtstrend übergehen. Das Finanzdesaster lässt aber immer noch die Möglichkeit nachgebender Heizölpreise offen. Auf günstigeren Brennstoff zu spekulieren, ist definitiv riskant. Wer sichere Einsparungen erzielen will, sollte am eigenen Verbrauch arbeiten. Das geht nicht ohne Anfangsinvestition. Dafür ist der Erfolg sicher. Hier ist ein Beispiel für so eine Einsparungsinvestition.

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