Unseren neuen Kommentar für den 05.12.16 finden Sie hier.


Stimmungsmacher am Werk

Vor dem Preis kommt die Stimmung. Um die wird hart gekämpft. Regierungen wünschen sich eine positive Lagebeschreibung der Welt. Dazu wählen sie die zu veröffentlichenden Worte und Zahlen sorgfältig aus. Es gibt Institutionen, die sich eher der Darstellung einer nüchternen Faktenlage verpflichtet fühlen. Auch die kann Stimmung machen. Das zeigte die Lagebeschreibung der Weltbank am Wochenbeginn. Sie war ein echter Stimmungstöter. Gestern hielt die US-Notenbank dagegen. Sie versuchte die Stimmung wieder aufzubauen, was angesichts der Faktenlage kein einfaches Unterfangen ist. Genau wie ihr europäisches und ihr deutsches Pendant ist die US-Notenbank (Fed) politisch unabhängig. Anders als die Schwestern vom alten Kontinent steht sie der Intention der Regierung mit ihrer Einflussnahme auf die Finanzmärkte aber sehr viel näher. Gemeinsame Zielsetzung ist es, die Konjunktur brummen zu lassen. Das hört sich aktuell so an: Der Abschwung verliert sein Tempo. Die Bedingungen an den Finanzmärkten haben sich verbessert. Die Nullzinspolitik wird fortgesetzt. Es gibt derzeit weder Deflations- noch Inflationsgefahren.

Die Bundesbank hält es schon eher wie die Weltbank. Sie nennt Zahlen, die der Bundesregierung nicht gefallen, da diese dem politisch motivierten Hang zur Schönsicht widersprechen. Die Essenz der Aussage lautet, im nächsten Jahr gibt es noch keine Rückkehr zum Wirtschaftswachstum. Egal wie es ausgesprochen wird, Fakt ist, dass wir uns in einer Rezession befinden, deren Ende niemand realistisch vorhersagen kann. Die Fed schaffte es gestern nicht, den Spekulanten etwas anderes zu vermitteln, obwohl diese für jedes positive Quäntchen bereit waren. Vor dem öffentlichen Statement zogen Aktienkurse und Ölpreise in Erwartung einer besseren Nachricht an. Die Gewinne wurde später wieder abgegeben.

Einen zusätzlichen temporären Schub erhielten die Ölpreise am Nachmittag durch die US-Bestandsdaten. DOE (Department of Energy) und API (American Petroleum Institute) lieferten ähnliche Werte, deren Gehalt bärisch ist. In einer ersten Reaktion schnappten sich die Marktteilnehmer aber nur die reduzierten Rohölvorräte. Erst später ließen sie sich auf die positive Gesamtbilanz ein. Folgende Werte zur wöchentlichen Veränderung wurden veröffentlicht:

Rohöl: -3,9 Mio. Barrel (DOE) bzw. -0,1 Mio. Barrel (API)
Heizöl und Diesel: +2,1 Mio. Barrel (DOE) bzw. +2,3 Mio. Barrel (API)
Benzin: +3,9 Mio. Barrel (DOE) bzw. +3,7 Mio. Barrel (API)

In Summe ergibt sich ein Aufbau von 2,1 (DOE) bzw. 5,9 (API) Mio. Barrel. Die Importe sind geringer als in der Vorwoche und im Vorjahr. Die Raffinerieverfügbarkeit ist auf 87 Prozent gestiegen. Das ist ein für amerikanische Verhältnisse akzeptabler Wert. Erwartungsgemäß löst sich die vor kurzem noch zu beobachtende relative Knappheit bei Benzin auf. Der Benzinpreis gerät stärker unter Druck als andere Ölpreise. Die Gesamtbevorratung ist nach wie vor außerordentlich hoch.

Auf die Preisbildung hat das alles einen ambivalenten Einfluss. Der Aufwärtstrend ist nicht geschlagen. Lebendig sieht er aber auch nicht mehr aus. In so einer Situation flüchten Preise gerne in eine Seitwärtsbewegung. Charttechnisch bleibt die Rückkehr zum Aufwärtstrend allerdings eine nahe liegende Option. Für die haben die notorischen Bullen auch noch eine Karte im Spiel, die bevorstehende Hurrikansaison.

Heute Morgen geht das unklare Auf und Ab weiter. Die Notierungen starten mit Gewinnen in den Tag. Die Tonne Gasöl kostet 554 Dollar. Das Barrel Rohöl kostet in New York 68,80 Dollar. Der US-Dollar wird zu 71,67 Eurocent gehandelt.

Unsere Heizölpreise ziehen leicht an. Etwas Öl- und etwas Dollarplus vom Weltmarkt sind die Ursache. Insgesamt handelt es sich um keine signifikante Bewegung. Die Zeichen stehen auch beim Heizölpreis eher auf seitwärts. Der Binnenmarkt ist ruhig bis leblos. Es wird fast nichts gekauft. Die Tanks sind nach dem Kaufrausch im letzten Winter noch einigermaßen gut gefüllt. Über den nächsten Winter werden die meisten Verbraucher allerdings nicht kommen, wenn dieser normale Temperaturen haben wird. Deshalb rechnen wir ab Herbst wieder mit einer erhöhten Nachfrage. Wer sich unsicher über den eigenen Vorrat ist, sei auf unseren elektronischen Peilstab hingewiesen. Der schafft Klarheit zum Füllstand.

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