Unseren neuen Kommentar für den 06.12.16 finden Sie hier.


Ölfieber war gestern

Die Baustellen von George W. Bush werden immer größer. Als Ölmann trat er sein Amt mit einer beachtlichen Mission an. Es ging darum, der nieder liegenden und in Misskredit geratenen US-Ölindustrie den Boden für neue Geschäfte zu bereiten. Der Blick war damals auf die Angebotsseite gerichtet. Dort wollte man Erleichterungen. Die schaffte Bush zwar nicht. Als Ölmann versagte er. Aber Boden wurde der Ölindustrie ohne jeden Zweifel in der Ära Bush II bereitet. Die weltweite Nachfrage wuchs stärker als erwartet. Sie beschert dem Öl goldene Jahre.

Stil zeitgemäßer Politik ist es, ein Baustelle, deren Fertigstellung sich als schwierig erweist, zu verlassen. Das ist in Deutschland so, wo man mit einer ambitionierten Energiepolitik vor die Welt trat. Bei den ersten Schwierigkeiten zog man es vor, diese gegen Bildungspolitik auszutauschen. Das war in den USA so, wo Bush seine zum Scheitern verurteilte nationale Mission für die Ölindustrie nach den Anschlägen vom 11. September kurzerhand auf internationales Parkett verlegte. Ganz nebenbei wurde der demokratische Staat unter Verweis auf den Kriegszustand, in dem sich das Land befindet, untertunnelt, ausgehöhlt und zum Einsturz frei gegeben. Das Volk wird bei der Demontage der Demokratie medial hervorragend begleitet. Die alljährliche Gedenkfeier an die 3.000 Opfer der Heimatfront ist ein Zeugnis dafür.

Nun könnte George W. Bush eine noch größere Baustelle aufmachen, indem er der Autoindustrie den Krieg erklärt. Allein in den USA fallen diesem Gegner jährlich mehr als 40.000 Menschen zum Opfer. Aber die Bushs sind für weit Größeres berufen. Vater Bush durfte den Untergang des Kommunismus mitgestalten. Da bietet es sich an, wenn Sohn Bush das verbleibende universelle Gesellschaftssystem der Neuzeit, den Kapitalismus zu Grabe trägt. Daran wird nun gearbeitet. So wie der 11. September Anlass bot, Demokratiegeschichte zu schreiben, bietet die Finanzkrise nun Anlass, die ganz große Gesellschaftsgeschichte zu schreiben. Die USA beenden, nach dem Willen von George W. Bush, das Zeitalter des Kapitalismus, das zuletzt als erfolgreichstes Wirtschaftssystem aller Zeiten gefeiert wurde. Was soll man machen, wenn der Erfolg sein Kind frisst?

Bush und seine Mannen haben einen Plan, wie das Ende des Kapitalismus zu gestalten sei. Den kennen nur wenige. Und dem wollen nur wenige zustimmen. Ganz im Stile der Rhetorik des 11. September müssen wieder gewaltige Gefahren, die im Einzelnen und zum Wohle des Volkes gar nicht kommunizierbar sind, herhalten, um Skeptiker gefügig zu machen. Und wieder wird statt Überzeugungsarbeit Glaubensarbeit geleistet. Statt abzuwägen, ob ein Crash mehr desaströse als schöpferische Zerstörung ist, sollen nun mit Verweis auf die gebotene Eile, schnelle und unüberlegte Beschlüsse gefasst werden.

Der geneigte Leser wird sich fragen, was das mit Öl zu tun hat. Nun, die Ölpreisbildung wird von der Diskussion über die umfassende Einmischung des Staates in die Wirtschaft im Mutterland des Kapitalismus überschattet. Am Beispiel der gestern durch DOE (Department of Energy) und API (American Petroleum Institute) veröffentlichten US-Bestandsdaten wird das deutlich. Diese Daten waren schlecht. Nichts anderes war nach den Ausfällen durch die letzten Hurrikane zu erwarten. Aber man muss mehr als fünf Jahre zurückschauen, um einen geringeren Gesamtbestand als heute zu identifizieren. Der Vorratsabbau ist rasant. Das lässt selbst vor dem Hintergrund einer sinkenden Nachfrage Bedenken zur Versorgungsfähigkeit aufkommen. Diese Bedenken werden aktuell nicht gehandelt. Gehandelt wird die Unsicherheit des Wirtschaftssystems. Gleichwohl seien die Bestandszahlen hier genannt:

Rohöl: -1,5 Mio. Barrel (DOE) bzw. -0,1 Mio. Barrel (API)
Heizöl und Diesel: -4,2 Mio. Barrel (DOE) bzw. -1,7 Mio. Barrel (API)
Benzin: -5,9 Mio. Barrel (DOE) bzw. -2,1 Mio. Barrel (API)

In Summe ergibt sich einen Abbau von 11,2 (DOE) bzw. 3,9 (API) Mio. Barrel. Die Importe sind höher als in der Vorwoche und geringer als im Vorjahr. Die Raffinerieverfügbarkeit beträgt weiterhin miserable 77 Prozent. Dieser Wert wird sich alsbald nicht bessern. Für die Raffinerien werden als Folge der Hurrikane längere Stillstandszeiten angenommen.

Die fundamentalen Daten der Angebotsseite sind definitiv bullisch. Dass sie die Preisbildung nicht bullisch beeinflussen, liegt an der Unsicherheit zur Nachfrageseite. Derzeit sind die Erwartungen für einen weltweiten Wirtschaftsabschwung spürbar.

Heute Morgen ist keine Fortsetzung des zuletzt gültigen kurzfristigen Aufwärtstrends zu erkennen. Die Tonne Gasöl kostet 981 Dollar. Das Barrel Rohöl kostet in New York 106,60 Dollar.

Unsere Heizölpreise stiegen gestern immer noch an. Dieser Anstieg dürfte nun beendet sein. Die Nachfrage im Binnenmarkt geht spürbar zurück. Damit sind die Lieferprobleme aber nicht vom Tisch. Diese werden noch über Wochen fortbestehen und die Heizölpreise relativ zum Weltmarkt hoch halten. Erst wenn sich die Lage normalisiert hat, werden die fünf bis acht Prozent zusätzlicher Marge verschwinden, die jetzt in den Preisen stecken. Wir erwarten, dass das Gros der Probleme im November überwunden sein wird. Um den Zwang zu vermeiden, in extremen Nachfragephasen kaufen zu müssen, empfiehlt es sich, den eigenen Heizölvorrat und Verbrauch profunder beurteilen zu können. Hierzu gibt es das Logbuch für den Heizölverbrauch.

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