Unseren neuen Kommentar für den 03.12.16 finden Sie hier.


Die Bundesregierung empfiehlt

Der Aufwärtstrend der Ölpreise hat sich abgeschwächt. Er ist aber weiterhin intakt. Alle Hoffnungen auf eine Gegenreaktion wurden bisher enttäuscht. Bei nachgebenden Preisen finden sich sofort neue Käufer. Neben den großen Themen, Ölhunger Chinas und Indiens, Alterung der bisherigen Ölquellen und mangelnder Ausbau neuer Quellen, gibt es bullische Tagesnachrichten, die Spekulanten den Kauf von Kontrakten auf steigende Ölpreise versüßen. Die andauernden Unruhen in Nigeria entwickeln sich vom Tagesthema zum Dauerbrenner und damit zu einem großen Thema. Mittlerweile fehlen dem Land 50 Prozent seiner bisherigen Produktion. Trotz des streng bullischen Charakters der Preischarts ist die Marktstimmung nicht euphorisch. Das Engagement ist in der letzten Woche deutlich gefallen. Das Übergewicht der bullischen Kontrakte wurde dennoch leicht ausgebaut. Der Dollar überraschte in den letzten Tagen mit einer ansehnlichen Gegenreaktion zum Abwärtstrend. Aktuell hat die US-Währung wieder Zulauf, weil Zinsphantasien für den Euro sinken. Die Inflation im Euroraum war im letzten Monat geringer als erwartet.

Am inländischen Heizölmarkt herrscht Nachfragemangel. Käufe werden häufig erst bei leerem Tank getätigt. Das ist schlecht für die Heizung, für den Käufer und für den Händler. Die Heizung saugt Bodensedimente aus dem Tank an. Die sollten besser am Boden bleiben. Der Käufer muss eine Sofortlieferung teurer bezahlen als eine Lieferung auf Termin. Und dennoch bekommt der Händler für die „Taxifahrt“ zum Kunden mit dem Preis üblicherweise nicht die Kosten dieser Fahrt erstattet. Das Warten auf tiefere Preise ist angesichts der exorbitanten Preissteigerung verständlich. Es macht aber nur Sinn, wenn der aktuelle Tankinhalt dies erlaubt. Und man sollte sich fragen, auf was für ein Preisniveau man wartet. Viele Beispiele zeigen, dass nach wie vor irreführende Meinungen über die Preisentwicklung herrschen.

Solange die Weltwirtschaft gute Steigerungsraten aufweist, werden die Preise tendenziell anziehen. Um eine Idee zur Preisentwicklung zu bekommen, wird man in den nächsten Jahren nicht die Angebotsseite sondern nur die Nachfrageseite und hier im Speziellen China und Indien beobachten müssen. Auf der Angebotseite ist keine Entwicklung zu erwarten, die diese in eine höhere Sphäre heben könnte. Dass die Nachfrage in China und Indien weiter steigen wird, gilt solange als Fakt, wie sich die jeweiligen Wirtschaften im Aufbau befinden. Ein Ende dieses Aufbaus ist nicht absehbar. Also ist auch kein Ende des Preisauftriebs absehbar. Und dennoch wird es immer wieder Preiseinbrüche geben, weil die spekulative Preisbildung in Übertreibungen läuft. Derzeit kann man durchaus von einer Übertreibung sprechen. Also ist es nicht vermessen, auf etwas Preisminderung zu setzen.

Mehr als auf fallende Preise sollte man allerdings auf fallenden Verbrauch setzen. Hierfür kann man einiges tun. Ein Haus bietet vielfältige Angriffsflächen, über die der Verbrauch gesenkt werden kann. Die wesentlichen Angriffsflächen sind die Heizungsanlage, das Dach, die Außenwände, die Fenster und der Kellerboden. Es ist sehr realistisch, den Wärmeverbrauch eines alten Hauses um 2/3 zu senken. Mit der Energieeinsparverordnung (EnEV) weist die Bundesregierung Wege hierzu. Diese Wege sind teilweise allerdings absurd und schaffen mehr Unsicherheit als Handlungsbereitschaft. Eine Stilblüte ist die Bewertung von Pelletheizungen.

Eigentlich ist die Sache sehr simpel. Ziel jeder energetischen Maßnahme am Haus muss die Senkung des Verbrauchs sein. Eine Verlegung des aktuellen Verbrauchs auf andere Energieträger in der Hoffnung, dadurch einer Preisspirale entkommen zu können, kann keinen dauerhaften Erfolg bringen. Das Grundproblem eines zu hohen Verbrauchs wird den Energieträgerwechsler wieder einholen.

Die Bundesregierung bietet Hausbesitzern mit Holzpelletheizungen eine Möglichkeit, sich der notwendigen energetischen Sanierung eines alten Hauses zu entziehen. Die Überlegung hierzu ist die, dass Wärme aus Pelletheizungen die Umwelt um weniger als 20 Prozent im Vergleich zu Öl- und Gasheizungen belastet. Statt den Verbrauch eines Hauses drastisch zu senken, wird in der EnEV die Alternative angeboten, den aktuellen Wärmeverbrauch über Pelletheizungen zu bestreiten. Würden die deutschen Öl- und Gasverbraucher diese Möglichkeit nutzen, hätte dies fatale Folgen für den deutschen Wald. Er wäre binnen weniger Jahre verheizt. Nachhaltig lassen sich maximal 15 Prozent des aktuellen Raumwärmebedarfs mit Holzpellets aus heimischer Produktion decken. Jeder darüber hinausgehende Wert richtet Schaden an. Das ist bereits heute klar. Und wie die Preisentwicklung für Pellets bei stark steigender Nachfrage verlaufen wird, dürfte auch jedem klar sein. Auf einen Unterschied zur Öl- und Gaspreisentwicklung zu setzen, wäre blauäugig.

Diese Einlassung soll keineswegs Pelletheizungen in Misskredit bringen. Sie soll den Blick für unsinnige Rahmenbedingungen schärfen, die der Idee folgen, durch neue Energieträger einen Status Quo des Verbrauchs und der Verschwendung fortschreiben zu können. In der Schule haben wir einmal von notwendigen und von hinreichenden Bedingungen gehört. Das Notwendige ist unumgängliche Grundlage zum Erreichen eines Ergebnisses, wobei es nicht sicherstellt, dass das Ergebnis damit bereits eintritt. Das Hinreichende lässt das Ergebnis eintreten. In diesem Sinn ist Verbrauchssenkung eine notwendige Bedingung für unsere Zukunft. Neue Energieträger sind aber keine hinreichende Bedingung. Einfacher formuliert klingt das so: Verbrauchssenkung und Ölheizung ist sinnvoller als Verbrauchsfortschreibung und Ökoheizung. Bei der EnEV wird die Bundesregierung sicher bald einen ähnlichen Schwenk vollziehen wie beim Biosprit. Verbraucher sollten aber nicht solang warten, sich um das Notwendige zu kümmern.

Heute Morgen vollzieht der Preis das als notwendig Empfundene. Er sinkt ein wenig. Dafür steigt der Dollar. Die Tonne Gasöl kostet 1.086 Dollar. Das Barrel Rohöl kostet in New York 118,18 Dollar.

Unsere Heizölpreise stiegen weiter. Dabei drosselten sie die Geschwindigkeit. Dennoch, sie sind ganz oben. Ein nennenswerter Abgang ist aktuell nicht in Sicht. Verbraucher werden durch die Preissituation zur Verzweiflung oder zur Auseinandersetzung mit dem eigenen Verbrauch getrieben. Das erste bringt nichts. Also bleibt nur das zweite, um ruhig in die Zukunft schauen zu können, mit dem Hinweis auf esytrol.

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