Unseren neuen Kommentar für den 06.12.16 finden Sie hier.


Die Werte müssen sich wandeln

Seit dem Jahreswechsel steigen die öffentlichen Ölvorräte der USA. Der Trend setzt sich in den aktuellen Bestandsdaten fort. Dieser Umstand gilt als Beleg, dass ihr Rückgang in den letzten Wochen des vergangenen Jahres weniger auf eine erhöhte Nachfrage als auf eine gesteuerte temporäre Reduzierung zum Jahresabschluss aus fiskalischen Gründen zurückzuführen ist. Die Nachfrage bleibt unter den Erwartungen, weil weniger Benzin verfahren wird. Das kann als Paradigmenwechsel der US-Bürger interpretiert werden. Es kann zum gegenwärtigen Zeitpunkt aber auch als wetterbedingte Fahrpause verstanden werden. Der Winter erzwingt temporäre Fahrzeugstillstände. Die wahren Gründe für die schwache Benzinnachfrage, die im November ein Achtjahrestief erreichte, werden wir erst im Laufe der sommerlichen Fahrsaison erkennen. Die jüngsten Zahlen vom US-Automarkt wecken Zweifel an der These von der Entdeckung der Sparsamkeit. Neue amerikanische Spritschlucker lassen sich besser verkaufen als die importierte Effizienz auf vier Rädern.

In den aktuellen Bestandsdaten von DOE (Department of Energy) API (American Petroleum Institute) wird das Benzinproblem besonders deutlich.

Rohöl: +2,6 Mio. Barrel (DOE) bzw. +3,8 Mio. Barrel (API)
Heizöl und Diesel: -1,6 Mio. Barrel (DOE) bzw. -1,1 Mio. Barrel (API)
Benzin: +6,2 Mio. Barrel (DOE) bzw. +3,9 Mio. Barrel (API)

In Summe ergibt sich ein Aufbau von 7,2 (DOE) bzw. 6,6 (API) Mio. Barrel. Die Raffinerieauslastung ist auf 85 Prozent gestiegen. Zur Vermeidung schlechter Auslastungszahlen wird weiterhin Kapazität aus dem Markt genommen. Das gilt übrigens auch für Europa.

Dass die Nachfrage in den USA vergleichsweise schwach ist, findet in der Preisentwicklung des US-Rohöls der Sorte WTI Ausdruck. Sie verläuft momentan seitwärts. Europäisches Rohöl der Sorte Brent steckt hingegen in einem strengen Aufwärtstrend. Diese Tatsache spiegelt keineswegs die Nachfrageentwicklung in Europa wider. Die ist nicht erst seit der Finanzkrise verhalten. Sie befindet sich seit den 1990er Jahren auf annähernd konstantem Niveau. Hier ist die Entkopplung von Ölnachfrage und Wirtschaftswachstum längst gelungen. Nun steht die zweite Stufe des zukunftsfähigen Wirtschaftens an, bei dem der Ressourcenverbrauch deutlich zurückgefahren wird.

Damit haben wir Europäer aber auch unsere Not. Der Schlüssel zur Weisheit ist noch nicht gefunden. Wir reiben uns zwischen überkommenen Wachstumszwängen und dem Wunsch nach neuen Maßstäben für Wohlstand auf. Über die Bildung von Kommissionen zur Definition eines neuen Bemessungsrahmens, der sich nicht mehr an der Steigerung des Bruttoinlandsprodukts (BIP) orientiert, ist die Politik noch nicht hinausgekommen. Dass das BIP in reifen Industriegesellschaften keineswegs ein Maßstab für Wohlbefinden ist, weiß inzwischen jeder Schüler, denn dieser Wert wächst sogar mit steigenden und im Besonderen altersbedingten Krankheitskosten. Ein anderes Beispiel für Widersprüchlichkeit ist unsere Autoindustrie. Ohne Zweifel haben ihre Manager längst begriffen, dass zukünftige Mobilität vollkommen neu definiert werden muss. Darüber lassen sie auch nachdenken. Die Geschäfte werden aber auf unabsehbar lange Zeit mit zu schweren Edelkarossen gemacht, mit denen man vornehmlich in kilometerlangen Staus neureicher Schwellenlandmetropolen CO2 produzieren lässt.

Vor der eigenen Haustür wird nicht nur produziert, was andernorts zu unsinnigem Verbrauch führt. Hier wird auch unsinnig verbraucht. Als unsinnig kann jeder Verbrauch bezeichnet werden, der sich vermeiden lässt, ohne unser Wohlbefinden unangemessen zu reduzieren. Beim Heizen gibt es viel zu viele Beispiele davon. Schlecht gedämmte Häuser und überalterte Heizungen bezeugen das. Und dann ist da immer wieder die Frage, ob sich die Geldausgabe für Maßnahmen zur Reduzierung des Verbrauchs überhaupt lohnt. Sie ist ein Zeugnis für die Verunsicherung der Gesellschaft hinsichtlich ihres Werterahmens. Wer über Geld verfügt, sollte dieses in angemessener Balance zwischen Eigen- und Gesellschaftsnutzen einsetzen. Das verlangen wir von Unternehmern. Das sollten wir selbst befolgen. Angesichts der systemischen Unsicherheit des Geldes, ist sein Entzug aus dem volkswirtschaftlichen Kreislauf, der allgemein als Sparen bezeichnet wird, eine höchst riskante Art, die eigene Zukunft sicherer zu gestalten. Das gesparte Geld könnte über kurz oder lang null und nichtig werden. Der bessere Schutz besteht darin, für eine blühende Wirtschaft zu sorgen. Wenn wir das schaffen, ohne die Belange der Umwelt zu missachten, betreiben wir im besten Sinn des Wortes Zukunftsvorsorge. Hier ist ein Vorschlag für eine Geldausgabe, die mehr Sinn macht, als ein zu großes Auto oder die neuste Fernsehtechnologie.

Ungeachtet der Zweifel an den marktrelevanten Gründen, steigen die Preise für Öl aus der Nordsee und für Ölprodukte weiter. Aus finanztechnischer Sicht lassen sich die Aufwärtstrends gut erklären. Heute Morgen kostet die Tonne Gasöl 879,75 Dollar. Das Barrel Rohöl wird in New York zu 91,57 und in London zu 103,12 Dollar gehandelt. Der US-Dollar kostet 72,48 Eurocent.

Unsere Heizölpreise steigen. Sie haben ein neues Hoch seit dem Fall nach der Finanzkrise erreicht. Gestern sorgten Ölpreis- und Dollarbewegungen für Auftrieb. Die Preissteigerung kommt erwartungsgemäß. Sie wird nicht die letzte ihrer Art in diesem Jahr sein. Im Gegenteil, Tage wie gestern, so vermuten wir, werden mehrheitlich auftreten. Die Kaufstrategie kann in diesem Fall nur lauten, einen kleinen Preisrückgang umgehend auszunutzen. Im Übrigen sind wir der Meinung, dass es mehr denn je angebracht ist, sich mit der Reduzierung des eigenen Verbrauchs zu beschäftigen. Dazu empfehlen wir www.esytrol.com.

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