Unseren neuen Kommentar für den 07.12.16 finden Sie hier.


Ein Nachruf auf 2011

Es war ein teures Öljahr. In Europa war es für alle Beteiligten das teuerste in der Geschichte. In den USA gilt das nur aus Sicht der Verbraucher. Produzenten konnten sich billiger mit Rohöl eindecken als 2008. Sie profitierten von der besonderen Infrastruktur des Landes, die aus Zeiten stammt, in denen die Nachfrage der USA kontinuierlich stieg. Die Zeiten sind vorbei. Vorbei ist demnächst auch die Sonderstellung amerikanischer Produzenten. In Europa können sie schon einmal studieren, wie die Geschäfte laufen, wenn der Rohölpreis stärker steigt als der Preis für Gasöl und Benzin. Da kreist der Pleitegeier.

Zum besseren Verständnis sind hier die Zahlen zum Thema. Verglichen wird die Preisentwicklung zwischen 2008 und 2011: Rohöl Brent (Europa) +12,6%; Gasöl in US$ (Europa) +3,5%; Gasöl in € (Europa) +10,5%; Heizöl (Deutschland) +5,9%; Rohöl WTI (USA) -4,8%; Heating Oil (USA) +3,3%

Wirklich gut verdienen konnte man am Bohrloch. Aber selbst dieses Geschäft ist kein Selbstgänger, wie der Fall Deepwater Horizon einst zeigte. Er hatte BP fast in den Ruin gerissen. Das war in 2010. Auch in diesem Jahr gab es Unfälle und es gab Misserfolge bei der Suche nach Öl, die einige Firmen teuer zu stehen kamen. Dort wo es gut lief, sprudelten unglaubliche Gewinne. Die meisten wurden von Staaten eingesammelt, die fast ihren gesamten Haushalt damit finanzieren. In einigen OPEC-Ländern werden die Bevölkerungen mit dem Geld beruhigt, damit die Gemeinwesen nicht explodieren. Dort, wo die Potentaten zu knauserig mit den Beruhigungspillen waren, brannten die Systeme. Ein kleiner Teil der eingesammelten Gelder landete bei den bekannten Konzernen als beneidenswerter Gewinn. Er ist hierzulande oft Anlass zur Klage über die Ungerechtigkeit auf dieser Welt. Vehement kann die Klage nur vorgetragen werden, wenn der Blick auf die Welt verstellt ist. Wer auf das gesamte System blickt, wird angesichts der Situation in diesem Land schamvoll schweigen.

Mit dem Raffineriegeschäft ist das Geldverdienen schwierig geworden. Gestern stand Petroplus, Europas größter unabhängiger Betreiber, im Fokus. Morgen werden andere Firmen in ähnlicher Lage Erwähnung finden. Warum das so ist, zeigt nicht zuletzt die Differenz der Preissteigerung zwischen Rohöl und Gasöl. Keineswegs besser sieht es für den Heizölhandel aus. Er konnte seine Erlöse nicht so steigern, wie die Einkaufspreise das erfordert hätten, um Gewinn zu halten. Viele Firmen machten Verluste und gaben auf.

Verluste machten Verbraucher zwar nicht, weil sie nicht mit Öl handeln. Aber sie bezahlten teuer und sie klagten laut. Das wird sich in den kommenden Jahren kaum ändern. Denn die Zahl der Menschen, die Öl so verbrauchen wollen, wie wir das tun, steigt rasant. Also wird der Preis auch steigen. Erschwerend kommt die Lage des Geld- und Finanzsystems hinzu, dessen Erhalt über inflationäre Maßnahmen gesichert werden soll. Wie am Bohrloch wird es auch bei der Operation Geldrettung Gewinnler geben, die schillernd dastehen und Neid und Wut auf sich ziehen. Gewinnler gibt es, weil es Verbraucher gibt, die ihnen mit ihrem Verbrauchsverhalten waghalsige Geschäfte ermöglichen. Gibt es die Gewinnler ohne Geldrettung nicht? Wohl kaum. Ohne Rettung wird aber der ältere Teil der lebenden Generationen einen schmerzlichen Verlust erleben, der zu weit mehr Klage als der über den Ölpreis Anlass geben wird. Im Großen und Ganzen leben wir immer noch sehr gut mit dem Öl und seinem Preis. Die Hauptlast unseres Lebens tragen andere, dort wo Öl gefördert wird und dann wenn wir nicht mehr leben.

Die absehbare Preisentwicklung und der Ärger über den als ungerecht empfundenen Gewinn könnte Anlass für die guten Vorsätze zum neuen Jahr sein. Solche Vorsätze betreffen immer das eigene Verhalten. In einer schwachen Minute zur Mitternacht des Jahreswechsels sehen wir Menschen, was alles falsch läuft, nicht bei den anderen, sondern bei uns selbst. Dann kommt meistens der eigene Verbrauch zur Anklage. Die Forderung lautet weniger Fett, weniger Alkohol, weniger Zucker und mehr Laufen oder so ähnlich. Der Öl-, Gas- und Stromkonsum steht nicht zur Disposition. Warum nicht? Übrigens, wer sich gegen die absehbare Ölpreissteigerung mit einem Wechsel des Energieträgers zur Wehr setzen will, wird keine großen Erfolge feiern können. Zwar wurde Öl in diesem Jahr im Vergleich zu den anderen Energieträgern besonders teuer. Aber teurer wurde sie alle. Und auch das wird absehbar weitergehen. Es ist eben alles Energie, was brennt. Gegen die Teuerung hilft nur die Reduzierung des Verbrauchs. Dabei kann es passieren, dass trotz entsprechender Maßnahmen keine Senkung der Brennstoffkosten erzielt wird. Aber ohne die Maßnahmen würde die Teuerung dramatisch ausfallen.

Der Wechselwille hat morgen Konjunktur. Heute zählen noch die Daten über Wirtschaft, Angebot, Nachfrage und politische Manöver. Sie sind kaum anders als gestern. Insofern kann man einmal auf sie verzichten. Selbst die wöchentlich genannten US-Bestandszahlen nennen wir dieses Mal nicht im Detail. Eine Zusammenfassung finden Sie hier unter „Lagerbestände USA“. Die Ölpreise bewegen sich derzeit heftig und verändern sich uneinheitlich. Die Preisfindung ist erratisch. Das liegt an der Abwesenheit vieler Finanzjongleur. Ihnen scheint der Biss abhandengekommen zu sein. Vielleicht ist das eine Einstimmung auf das kommende Jahr. Zocken ist auch nicht mehr das, was es bis vor Kurzem war. Die Tonne Gasöl kostet 945,50 Dollar. Das Barrel Rohöl wird in New York zu 99,44 Dollar und in London zu 107,68 Dollar gehandelt. Der US-Dollar kostet 77,43 Eurocent.

Unsere Heizölpreise ziehen zum Jahresende noch einmal an. Die Gasölnotierungen nötigen sie dazu. Heizöl ist ohne Zweifel teuer. Es ist aber weniger teuer, als vor zwei Monaten zu befürchten war. Auch diese Aussage könnte für das nächste Jahr richtungsgebend sein. Alles wird teurer, aber nicht so teuer wie befürchtet. Charttechnisch sieht es derzeit eindeutig aus. In allen Zeitbetrachtungen liegt ein Aufwärtstrend vor. Bei einer solchen Konstellation ist dieser Satz unvermeidlich: Im Übrigen sind wir der Meinung, dass es mehr denn je … Na ja, das kennen Sie ja schon. Wir werden den Appell im nächsten Jahr fortsetzen. Bleiben Sie uns dennoch gewogen. Wir wünschen Ihnen gute Vorsätze und noch bessere Umsätze für 2012.

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