Unseren neuen Kommentar für den 05.12.16 finden Sie hier.


Finanzwelt trifft auf Realwirtschaft

Die Wirtschaft befindet sich im Aufwärtstrend. Das jedenfalls ist der Erkenntnisstand an den Börsen. Deshalb herrscht dort gute Stimmung. Aktienkurse und Ölpreise steigen. Wer die Wirtschaft aus einer anderen Perspektive als der der Investmentszene betrachtet, sieht nicht das Gleiche. Gute Stimmung ist keineswegs eine allgemein zutreffende Lagebeschreibung. Zwischen Finanzszene und Realwirtschaft klafft eine Wahrnehmungslücke. Manchmal kommt es zu einer Art Lückenschluss. Dann nimmt die Finanzwelt die Realwirtschaft wahr. Das ist unangenehm, denn es stört die Phantasien. In diesen Fällen bemühen sich die Protagonisten der Finanzmagie um schnellen geistigen Abstand. Das ist ihnen im letzten Jahr gut gelungen. Die Entwicklung ihrer Indizes gibt ihnen recht.

Gestern war so ein Tag, an dem Finanzwelt auf Realwirtschaft traf. An der Ölbörse musste man die Vorratsentwicklung in den USA zur Kenntnis nehmen. Die Öllager verzeichneten in der letzten Betrachtungswoche keinen Rückgang, sondern einen Zugang. Diese Information passt nicht zu der Erwartung, dass die Konjunkturentwicklung zu steigendem Ölverbrauch und schließlich zu einem knappen Angebot führt. Es ist eine unangenehme Erkenntnis. Sie ließ die Ölpreise und Aktienkurse sinken.

Im Einzelnen meldeten DOE (Department of Energy) und API (American Petroleum Institute) folgende Zahlen zum Thema:

Rohöl: +2,0 Mio. Barrel (DOE) bzw. +1,1 Mio. Barrel (API)
Heizöl und Diesel: +1,1 Mio. Barrel (DOE) bzw. +0,7 Mio. Barrel (API)
Benzin: -2,5 Mio. Barrel (DOE) bzw. -3,0 Mio. Barrel (API)

In Summe ergibt sich ein Aufbau von 0,6 (DOE) bzw. ein Abbau von 1,2 (API) Mio. Barrel. Die Importe sind höher als in der Vorwoche und niedriger als im Vorjahr. Die Raffinerieauslastung ist auf 85 Prozent geklettert.

Es ist nicht zu erwarten, dass sich die Finanzindustrie lange mit den für sie schlechten Zahlen beschäftigen wird. Man wird bessere finden, um die gewünschte Aufwärtsentwicklung an den Börsen zu begründen. Trotz aller Kritik an der realitätsfernen Sicht der Finanzszene, muss man ihr recht geben, wenn sie die gestrigen Zahlen schnell abhakt. Bestandsdaten als wöchentliches Ereignis sind generell eine Lächerlichkeit. Mit der kurzfristigen Darstellung lässt sich keine wirtschaftliche Entwicklung nachzeichnen. Sie ist von Zufälligkeiten und Fehlmeldungen geprägt. Bestandsdaten bekommen erst in einer langfristigen Betrachtung einen aussagefähigen Charakter. Für die Finanzszene sind die Bestandszahlen nicht wirklich ein interpretationsfähiger Faktor zur Beurteilung der Wirtschaftsentwicklung. In Wirklichkeit geht es um eine Wette auf wöchentlich erhobene Werte. Wer richtig geraten hat, gewinnt.

Eine von der EIA (Teil des US-Energieministeriums) in Auftrag gegebene Untersuchung bestätigt die Vermutung, dass die Datenerhebungen unzuverlässig sind. In den letzten drei Jahren wurden einige gravierende Abweichungen von der Realität festgestellt. Diese führten bisweilen zu heftigen Preissprüngen. Finanzleute äußerten sich entsetzt über die Nachricht. Sie fordern ein zuverlässigeres Erhebungssystem. Dazu braucht die EIA Geld, das sie nicht bekommt. Außerhalb der USA werden die Daten maximal monatlich veröffentlicht. Sie sind für Börsianer weniger wichtig. Ihr volkswirtschaftlicher Wert unterscheidet sich dagegen nicht von dem der US-Daten. Es ist offensichtlich, dass die Finanzszene ein technisch aufgewertetes Wettsystem zu den Bestandsdaten wünscht. Man sollte ihnen eine Lottomaschine schenken. Die ist kaum manipulierbar und kostet weniger Geld.

Die US-Vorräte befinden sich seit nunmehr zwölf Monaten auf einem erhöhten Niveau. Eine Absenkung ist derzeit nicht feststellbar. Das propagierte Anziehen der Wirtschaft lässt sich mit den Bestandszahlen nicht belegen. Immerhin könnte die seit Wochen steigende Auslastung der US-Raffinerien ein Indiz für Aufschwung sein. Uns ist noch nicht bekannt, ob es sich dabei tatsächlich um eine Steigerung der Produktion handelt oder ob die erhöhte Auslastung nur rechnerisch durch Wegfall von überschüssiger Raffineriekapazität zustande kommt.

Heute Morgen geben sich die Finanzakteure noch beeindruckt vom gestrigen Preisrückgang. Sie setzen ihn zur Stunde fort. Hierin spiegelt sich mit Sicherheit die ohnehin überhitzte Preisgestaltung wider, die Abkühlung verlangt, um für weitere Anstiege gerüstet zu sein. Dass der Aufwärtstrend der Ölpreise in Kürze fortgesetzt wird, ist wahrscheinlich. Die Tonne Gasöl kostet aktuell 707,75 Dollar. Das Barrel Rohöl kostet in New York 85,65 Dollar. Der US-Dollar wird zu 75,06 Eurocent gehandelt.

Unsere Heizölpreise geben nach. Hallelujah. Nach über einer Woche kontinuierlichem Anstieg ist das ein Ereignis. Aber das Preisniveau ist hoch und der Rückgang ist gering. Zum Jubeln reicht das nicht. Wir sehen momentan auch keine ernstzunehmende Chance auf einen nennenswerten Preiseinbruch. Dieser kommt nur in einer unbegründeten Hoffnung vor. Was nicht heißt, dass die Börse ihn nicht zustande bringen kann. Im Übrigen sind wir der Meinung, dass es mehr denn je angebracht ist, sich mit der Reduzierung des eigenen Verbrauchs zu beschäftigen. Dazu empfehlen wir www.esytrol.com.

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