Unseren neuen Kommentar für den 04.12.16 finden Sie hier.


Heizöl: Es wird eng in diesem Jahr

Die Bankenkrise dominiert die Preisbildung. Aber ganz ohne Einfluss sind die fundamentalen Aspekte nicht. Die Grundrichtung der Ölpreise ist abwärts gerichtet, nicht zuletzt, weil die Nachfrage großer Verbraucherländer sinkt. Die US-Bestandsdaten und der erhöhte Ausfall von Lieferungen aus Nigeria brachten gestern eine Gegenreaktion der Preise in Gang. Verstärkt wurde diese durch den fallenden Dollar. Der wiederum bezieht seine Impulse aus dem Vertrauensverlust zum US-Finanzsystem. So hat alles mit allem zu tun. Das ist das Grundmuster eines chaotischen Systems. Man muss kein Wissenschaftler sein, um die Preisbildung an Börsen als chaotisch zu identifizieren. Daher ist es nicht verwerflich, ein Gespür für die Preise zu entwickeln. Aktuell sagt unser Gespür, eine Gegenreaktion auf den jüngsten Preisverfall ist fällig. Danach könnte es eine dritte und letzte Abwärtswelle geben.

Die von DOE (Department of Energy) und API (American Petroleum Institute) gelieferten Werte über die wöchentliche Veränderung in den öffentlichen US-Tanklagern kommen in den Genuss, etwas Vertrauen ihrer Abnehmergemeinde zu bekommen, da sie hohe Ähnlichkeit aufweisen. Darüber hinaus sind sie schlechter ausgefallen, als erwartet wurde. Das verleiht ihnen einen bullischen Tenor. Die Zahlen lauten wie folgt:

Rohöl: -6,3 Mio. Barrel (DOE) bzw. -4,4 Mio. Barrel (API)
Heizöl und Diesel: -0,9 Mio. Barrel (DOE) bzw. -1,7 Mio. Barrel (API)
Benzin: -3,3 Mio. Barrel (DOE) bzw. -4,3 Mio. Barrel (API)

In Summe ergibt sich ein Abbau von 10,5 (DOE) bzw. 10,4 (API) Mio. Barrel. Die Importe sind gegenüber der Vorwoche noch einmal gesunken. Sie sind erheblich geringer als im Vorjahr. Die Raffinerieverfügbarkeit ist auf 77 Prozent gefallen. Sämtliche Werte stehen unter dem Einfluss der präventiven Schließung von Öleinrichtungen wegen der Hurrikane Gustav und Ike. Das Maß der Zerstörungen hielt sich in Grenzen. Dennoch wird es Monate dauern, bis die US-Produktion das Normalniveau wiedererlangt. Das schlägt weniger hart zu Buche als früher, weil die US-Nachfrage sinkt.

Eine neue Terrorwelle in Nigeria sorgt für einen Produktionsausfall von ca. einer Mio. Barrel pro Tag. Die Normalförderung liegt bei 2,4 Mio. Barrel pro Tag.

In diesen Tagen dürften die Heizölverbraucher hierzulande mehr an der Binnenmarktlage als an den internationalen Aspekten der Preisbildung interessiert sein. Es hat sich mittlerweile herumgesprochen, dass der Heizölmarkt schwierig ist. Die Nachfrage ist so groß, dass sowohl die Ware als auch die Transportkapazitäten zu knapp sind, um alle Bedürfnisse zu befriedigen. Man kann von einem Auftrags-Tsunami sprechen. Es gibt nur wenige Regionen, die nicht von dem Problem der Überforderung betroffen sind. Ein Ende dieser extremen Marktlage ist bis in den Winter hinein kaum zu erwarten. Insbesondere plötzliche Leerstände können zu großen Unannehmlichkeiten führen.

Angesichts der problematischen Situation wird nicht mit Schuldzuweisungen gegeizt. Ölwirtschaft und Ölhandel sehen sich gleichermaßen dem Unmut der Käufer ausgesetzt. Gerne wird übersehen, dass das Kaufverhalten selbst die Situation mit heraufbeschworen hat. Im letzten Jahr ist der ohnehin rückläufige Heizölabsatz um 35 Prozent eingebrochen. Die Kunden blieben in großer Zahl aus. Das musste zu wirtschaftlichen Schieflagen vieler Heizölhändler führen. Ihre Warenkosten betragen deutlich über 90 Prozent vom Umsatz. Dieser Umstand bedingt sehr hohe Kreditvolumina des Handels. Bei ausbleibenden Umsätzen werden nicht nur die Händler unruhig. Noch unruhiger werden die Banken. Die verlangen von ihren Kreditnehmern Maßnahmen zur Kostensenkung. Die Abschaffung überflüssig geglaubter Tankfahrzeuge wurde erzwungen.

Nun fehlen die Fahrzeuge. Es fehlt aber auch Ware. Denn auch die Industrie hat sich auf niedrigere Absatzmengen eingestellt. Mehr und mehr wird deutlich, dass die Bedarfsmengen nur teilweise aus dem Markt verschwunden sind. Der größere Teil fehlte nur im letzten Jahr, weil Verbraucher in einen Käuferstreik getreten waren. Damit haben sie Signale an die Ölwirtschaft und an die Banken gegeben, die fehlinterpretiert wurden. Es wäre angebracht, dass beide Parteien im Markt sich weniger als Opponenten denn als Partner verstünden. Dieser, zugegeben fromme Wunsch, gilt für den Binnenmarkt wie für den Weltmarkt. Auch dort drängen diplomatische Stimmen auf ein Miteinander statt ein Gegeneinander von Verbrauchern und Anbietern. Unverständnis für die andere Seite, Neid und Gier sind seit jeher schlechte Ratgeber für Stabilität.

Im Heizölmarkt wird man noch Monate kämpfen, um Stabilität zurück zu gewinnen. Wenn die Migration zu anderen Energieträgern geringer ist, als man vermuten musste, dürfte es in diesem Jahr zu einem Mengenwachstum von 40 Prozent kommen. Um das zu erreichen, wird das Bestellaufkommen in den kommenden Monaten hoch bleiben. Die deutlich steigende Nachfrage muss mit erheblich reduzierter Transportkapazität bewältigt werden. Gleiches gilt für das Angebot. Wobei das über die kommenden Monate leichter steigerbar ist.

Ein Regulativ, aber nicht das einzige, ist der Preis. Mit dem Wissen um die Zusammenhänge wird klar, warum es derzeit zu erhöhten Differenzen zwischen Weltmarkt- und Binnenmarktpreisen kommt. Heute Morgen werden die Weltmarktpreishöhen von gestern Abend etwas zurückgenommen. Tendenziell bleibt die Gegenreaktion auf die Abwärtsbewegung aber erhalten. Die Tonne Gasöl kostet 911 Dollar. Das Barrel Rohöl kostet in New York 96,11 Dollar.

Unsere Heizölpreise zogen gestern an. Heute sind sie kaum verändert zum Vortag. Wir erwarten aktuell keine nennenswerten Preisbewegungen. Käufer müssen sich auf sehr lange Lieferzeiten einstellen. Die Nachfrage ist hoch und wird noch einige Zeit hoch bleiben. Es liegt ein ausgeprägter Kaufzyklus vor. Generell ist der antizyklische Käufer besser gestellt. Sowohl zur Steuerung des Kaufverhaltens als auch für den eigenen Energieverbrauch ist es hilfreich, unser Logbuch für den Heizölverbrauch zu verwenden. Die Nutzung ist kostenlos.

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