Unseren neuen Kommentar für den 05.12.16 finden Sie hier.


Heizölpreise: Bernanke geht mit einem Knaller

Internationaler Markt

Er tat es und die „Märkte“ finden es gut. Ich kann es kaum glauben. Die Rede ist vom Versuch, die lockere Geldpolitik der US-Notenbank FED zu beenden. Ihr Chef Ben Bernanke ließ die Öffentlichkeit gestern wissen, dass die Zinsen noch lange im Keller bleiben werden und dass das muntere „Gelddrucken“ reduziert wird. Die erste Aussage überraschte niemanden, die zweite umso mehr. Damit nicht genug, sie fand viele Freunde in der Finanzszene. Nun stellt sich die Frage, ob die Freunde überzeugte Aussteiger aus dem finanziellen Drogenprogramm sind oder ob sie sich eher mit der sanften Gangart des Ausstiegs anfreunden. Tatsächlich liegt der endgültige Ausstieg nämlich noch in einer unbestimmten Zukunft. Gestern verkündete Bernanke lediglich eine Reduzierung des munteren Geldschöpfens von 85 auf 75 Mrd. Dollar pro Monat. Damit wird im Jahr nicht mehr Liquidität für 1,02 Billionen Dollar neuer Schulden, vornehmlich Staatsschulden, zur Verfügung gestellt, sondern lediglich 0,9 Billionen Dollar. Durch diese und andere Maßnahmen stieg die Staatsverschuldung der USA seit 2008 um 8,2 Billionen Dollar oder 88 Prozent. Und sie wird weiter rasant steigen. Letztes fanden Finanzjongleure aus dogmatischen Gründen nicht gut. Nach 2008 sind sie aber nicht mehr dogmatisch. Sie nehmen Zuwendungen nun auch gerne vom Staat entgegen. Klar, ihnen stinkt Geld nicht. Dass sie bis auf weiteres zuverlässig mit ausreichend Geld zum Zocken versehen werden, freut sie. Die genaue Definition für „bis auf weiteres“ wird mit der designierten Nachfolgerin sicher zu ihren Gunsten ausgelegt werden können. Sie ist eine ausgewiesene Freundin der lockeren Geldpolitik. Bernanke kann’s egal sein. Er hatte gestern seinen letzten regulären Auftritt als FED-Chef.

Die Angelegenheit sorgte für einen Anstieg der Dollarnotierungen. Diese Reaktion ist immerhin vollständig plausibel. Die Ölnotierungen wurden nicht bewegt. Richtig lustig flogen dagegen die Aktienkurse auf.

Bevor Bernanke das Kaninchen aus dem Hut zog, hatten die Ölnotierungen allerdings schon einen flotten Anstieg hingelegt. Der folgte auf die Auskunft über die US-Bestände. Sie gingen zurück. Diese Tatsache ist eigentlich nicht bullisch, da der Rückgang in den Lagern vor dem Jahreswechsel normal ist. Die Lageristen wollen Steuern sparen. Mit reduzierter Versorgungsfähigkeit hat das nichts zu tun. Beflügelt wurden die Ölnotierungen von einer deutlich gestiegenen Nachfrage der US-Verbraucher. Das ist eine Premiumaussage für Finanzjongleure. Sie steht allerdings gegen den seit Jahren etablierten Trend und geht wahrscheinlich auf ein temporäres, wetterbedingtes Logistikproblem zurück. In anderen Worten, da werden zu kurz gegriffene Zahlen bepreist. Die nächsten Wochen werden Klarheit zum Thema bringen.

Der wöchentlich verbreitete Datensatz von DOE (Department of Energy) und API (American Petroleum Institute) zu den Veränderungen in den Lagern lautet wie folgt:

Rohöl: -2,9 Mio. Barrel (DOE) bzw. -2,5 Mio. Barrel (API)
Heizöl und Diesel: -2,1 Mio. Barrel (DOE) bzw. -0,4 Mio. Barrel (API)
Benzin: +1,3 Mio. Barrel (DOE) bzw. -0,5 Mio. Barrel (API)

In Summe ergibt sich ein Abbau von 3,7 (DOE) bzw. 3,4 (API) Mio. Barrel. Die Raffinerieauslastung sank ein wenig auf 92 Prozent. Das ist etwas überraschend, ändert aber nichts an der Tatsache einer guten Raffinerieverfügbarkeit. Die Anlagen werden in den kommenden Jahren einiges zur weltweiten Versorgung mit Ölprodukten beitragen.

Heute Morgen herrscht Ruhe bei der Ölpreisbildung. Es ist nicht erkennbar, wohin die Reise gehen wird. Der Dollar gibt etwas nach. Es sieht so aus, als sei das Anstiegspotenzial, das die FED-Entscheidung zur Geldpolitik mitbringt, schon aufgebraucht. Erstaunlich. Die Tonne Gasöl kostet 926,75 Dollar. Das Barrel Rohöl wird in New York zu 97,79 Dollar und in London zu 109,18 Dollar gehandelt. Der US-Dollar kostet 73,11 Eurocent.

Nationaler Markt

Unsere Heizölpreise ziehen kräftig an. Das kann nach den gestrigen Meldungen nicht anders sein. Sie werden von den Öl- und Dollarnotierungen getrieben. Vom Binnenmarkt kommt nach wie vor kein Preisimpuls, weil die Nachfrage relativ moderat ist. Die Aussichten sind trotz der neuen Umstände durchaus freundlich. Dass ein Moment mit unliebsamer Preisrichtung auftritt, kommt nicht unerwartet. Grundsätzliches Wendepotenzial schließen wir aber aus. Kurzfristig könnte die Entwicklung noch höher laufen. Mittelfristig wird sie sehr wahrscheinlich annulliert werden. Es sind sogar tiefere Heizölpreise drin. Wer auf sie setzt, sollte den Markt eng verfolgen, am PC oder mit dem Smartphone, um entweder einen günstigeren Moment zum Kauf nutzen zu können oder, im schlechten Fall, der Spekulation ein Ende zu setzen. Wer nicht spekulieren will, kann kaufen. Heizöl ist immer noch billiger als vor 12 und vor 24 Monaten. Es gibt also keinen Grund, sich über schlechte Preise zu ärgern. Im Übrigen sind wir der Meinung, dass es schlau ist, sich um die Reduzierung des eigenen Verbrauchs zu kümmern. Dazu empfehlen wir in einem ersten Schritt unseren e-Peilstab. Mit ihm lässt sich der Heizölverbrauch messen. Auf esytrol entsteht aus den Messungen ein Bild zur Energieintensität des eigenen Hauses. Wenn das bekannt ist, können Handlungen folgen.

Der Markt in Stichworten

preistreibende (bullische) Einflüsse auf Heizöl: Libysches Öl kommt allenfalls tropfenweise zurück in den Markt
Konjunkturaufhellung in den USA
US-Bestandsdaten bullisch
China bleibt auf wirtschaftlichem Expansionskurs

preisdrückende (bärische) Einflüsse auf Heizöl: FED probt den Ausstieg aus der lockeren Geldpolitik
Rohölangebot übertrifft Rohölnachfrage
Saudi Arabien befürchtet erhebliches Überangebot
Weitere Steigerung der US-Exporte erwartet

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